Als die erste Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln am Sonntag Laetare, dem 31. März 1946, erschien, lag die Stadt noch in Trümmern. Der Krieg war nicht einmal ein Jahr vorbei, viele Menschen suchten Nahrung, Arbeit, ein Dach über dem Kopf und oft auch ihre Familien. In diese Situation hinein habe die Zeitung von Beginn an mehr sein wollen als ein Informationsblatt, erklärt Generalvikar Guido Assmann in seiner Gratulation zum 80. Geburtstag. Sie habe Orientierung, Trost und kirchliche Verbundenheit vermitteln sollen.
Assmann erinnert daran, wie der damalige Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings den Auftrag des Blattes beschrieben habe. Die Kirchenzeitung sollte, so Frings im Geleitwort der Erstausgabe, in einer "so ins Diesseits verhafteten Welt" die Stimme der Kirche wieder hörbar machen. Sie sollte den Menschen Mut geben, dass das "Schifflein Petri" nicht kentere. Zugleich habe Frings die enge Verbindung der Kölner Kirche mit Rom betont. Der Trost, der vom Papst ausgehe, dürfe nicht verschwiegen werden, sondern müsse "aller Welt bekannt werden".
Anspruch bis heute treu geblieben
Nach den Worten Assmanns ist die Kölner Kirchenzeitung diesem Anspruch bis heute treu geblieben. Gerade in einer Medienwelt, in der sich Nachrichten in Sekunden verbreiten, sei eine verlässliche kirchliche Einordnung wichtiger denn je. "Dass die Stimme der Kirche nicht totgeschwiegen wird, sondern aller Welt bekannt wird", sei auch heute ein bleibender Auftrag, betont der Generalvikar. In der Zeitung komme der Erzbischof zu Wort; zugleich würden kirchliche und gesellschaftliche Fragen theologisch eingeordnet.
Der Generalvikar hebt zudem die weltkirchliche Perspektive hervor. Dass die Kirchenzeitung katholisch sei, zeige sich daran, dass sie den Blick auf Ortskirchen in Afrika, Asien und anderen Teilen der Welt richte und die Leser mit den Positionen des Papstes zu ethischen und religiösen Fragen vertraut mache. Ebenso würdigt Assmann die Auslegung der Sonntagslesungen und Evangelien, die jede Woche helfe, das Wort Gottes besser zu verstehen.
Kinderseite, Kreuzworträtsel und Witze
Lebendig werde die Zeitung auch durch ihre Nähe zum Alltag im Erzbistum. Die Regionalseiten zeigten, "wie bunt und lebendig unser Erzbistum ist", schreibt Assmann. Berichte aus Pfarreien und Verbänden könnten anregen, selbst aktiv zu werden. Dass katholischer Glaube nicht verstaubt, sondern lebensnah und froh sei, zeige sich für ihn ebenso an praktischen Tipps, Kinderseite, Kreuzworträtsel und Witzen.
Assmann verbindet seinen Glückwunsch mit einem persönlichen Dank. Man könne spüren, dass sich die Redaktion bis heute an dem Anspruch von 1946 messen lasse und unter veränderten Bedingungen ihr Bestes gebe. Er freue sich jede Woche auf die neue Ausgabe – und gebe sie nach der Lektüre oft weiter, "damit die Stimme der Kirche viele Menschen erreicht".
56 Seiten voller sorgfältig recherchierter Geschichten
Wöchentlich bekommen die Leser 56 Seiten voller sorgfältig recherchierter Geschichten aus dem gesamten Erzbistum. Außerdem verfasst die Kirchenzeitung die Sonderausgaben SommerZeit und AdventsZeit, die an alle katholischen Haushalte im Erzbistum Köln versendet werden.
Fast die Hälfte der Zeit, in der die Kirchenzeitung existiert, gehört Robert Boecker dazu. Vor bald 38 Jahren, im Oktober 1988, begann er dort sein Volontariat. Damals ahnte er noch nicht, dass er eines Tages, 2012, Chefredakteur werden würde.
"Ich bin hier schon mit einem Knaller reingekommen", erinnert sich Boecker, als er sich an seine Anfänge erinnert. Als er 1988 sein Volontariat beginnt, recherchiert er zu einem Mahnmal, das an die Opfer der Reichspogromnacht erinnern soll. Vor Ort sammelt er Eindrücke und Zitate und erhält teils antisemitische Antworten. Die Zitate werden gedruckt, der damalige Chefredakteur steht hinter ihm, auch als sich der Staatsschutz bei der Redaktion meldet. Lachend erinnert sich Boecker: "Ich war gerade zwei Wochen Volontär und hatte dann schon so eine Riesen-Nummer."
Nach nur neun von insgesamt 24 Volontariats-Monaten bietet man ihm eine feste Stelle als Redakteur an. Dass er seine gesamte Berufstätigkeit bei der Kirchenzeitung verbringen würde, damit hatte der damals 27-Jährige nicht gerechnet.
Neue Ausrichtung über die Jahrzehnte
Während der NS-Zeit und dem Krieg hatte der Bachem-Verlag bereits Publikationen für die Kirche verlegt. Als der Krieg vorbei war, wurde dies zum Vorteil: Die Briten gaben dem Verlag bereits im März 1946 die Lizenz, die Kirchenzeitung zu drucken. Knapp ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirchenzeitung schließlich gegründet. Damals war die Zeitung noch anders, als wir sie heute kennen: Bis in die 1980er Jahre hinein war der Chefredakteur immer ein Priester und es ging weniger um aktuelle Nachrichten, sondern primär um kirchliche Inhalte. Damals hatte die Zeitung lediglich acht Seiten.
Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil von 1962 bis 1965, an dem 2.800 Bischöfe teilnahmen, wurde beschlossen, dass sich die Kirche an die moderne Welt anpassen müsse, um ihre Botschaft zu verkünden. Damit wurde aus der Kirchenzeitung ein journalistisches Medium. Für viele Jahre bildete die Kirchenzeitung auch selbst angehende Journalisten mit einem Volontariat aus.
80 Jahre voller Geschichten
In der fast 40-jährigen Amtszeit von Robert Boecker sind viele große Ereignisse im Erzbistum passiert, sei es 750 Jahre Grundsteinlegung des Kölner Doms oder der Weltjugendtag in Köln – der Chefredakteur kann unendlich viele und spannende Geschichten erzählen. Fragt man ihn nach seiner Lieblingsgeschichte, fällt ihm sofort die Spendenaktion für Obdachlose in Mailand ein. Während der Corona-Pandemie hatte er die Idee, eine Brücke zwischen den Heiligen Drei Königen und der italienischen Stadt zu schlagen, denn von dort wurden die Knochen der Heiligen Drei Könige vor über 700 Jahren von Friedrich Barbarossa nach Köln überführt.
Die Spendenaktion brachte insgesamt 82.000 Euro ein, die der Caritas Mailand übergeben wurden. Stolz erzählt Boecker, dass während des Gottesdienstes im Kölner Dom darauf aufmerksam gemacht wurde. In der Kirchenzeitung war die Aktion mehrere Wochen präsent, auch als ein Dankschreiben aus Mailand bei der Kirchenzeitung eintraf.
Die Zukunft der Zeitung
Über die Jahrzehnte sind die Auflagen immer stärker zurückgegangen. In den 1980er Jahren lag sie noch bei 120.000, heute lediglich bei 17.000. Boecker sieht den Rückgang der Auflagen eng damit verbunden, dass auch weniger Menschen den Gottesdienst besuchen. Zwar nutzt die Zeitung auch Social Media, Boecker sieht die neuen digitalen Medien aber eher als Ergänzung: "Es hilft uns nicht. Ich hoffe, dass Print nicht ausstirbt. Ich halte es immer noch für wichtig, etwas in der Hand zu haben. Ich lese keine Tageszeitung auf dem Tablet, ich brauche dieses Knistern. Ich brauche dieses Gefühl, etwas in der Hand zu haben und auch den Geruch."