DOMRADIO.DE: Die Heilige Woche, die Samana Santa, geht noch bis Ostermontag. Wer in Spanien auf Pilgerwegen unterwegs ist, bekommt einiges davon mit, etwa in Form von Prozessionen. Was ist das Besondere daran?
Beate Steger (Pilgerexpertin und Autorin): Es gibt dort großartige Prozessionen mit wundersamen Gestalten, die sich Bruderschaften nennen. Sie unterscheiden sich von der Art und der Farbe der Gewänder. Die Menschen tragen besondere Kapuzen und werden Büßer genannt. Früher war es wohl so, dass Leute mitgegangen sind, die ein Verbrechen begangen haben und zur Buße in dieser Prozession mitgegangen sind. Damit man sie nicht erkennt, hatten sie diese Kapuzen auf.
Sie tragen Pasos, das sind Holzgestelle mit einer oder mehreren Heiligenstatuen drauf. Es wird das Leben und Sterben von Jesus gezeigt. Die Pasos werden durch die Gegend getragen oder geschoben, es wird Musik gespielt, Kerzen angezündet, das Ganze hat eine sehr besondere Atmosphäre.
Ich habe Gänsehaut gehabt, als ich das erste Mal so eine Prozession gesehen habe. Ich war damals nicht auf dem Jakobsweg unterwegs, sondern auf Menorca. In einem gläsernen Sarg wurde eine Jesusfigur herumgetragen, dann gab es diese Musik dazu und es war dunkel.
DOMRADIO.DE: Wo kann man diese Prozessionen besonders gut anschauen?
Steger: Wenn man auf dem Jakobsweg pilgert, ist es relativ gut. In Andalusien wird es ganz groß gefeiert, da bekommt man fast keinen Platz. In Sevilla muss man sogar lange im Voraus schauen, dass man überhaupt eine Unterkunft bekommt.
Ich habe es zum Beispiel auch in Finisterre gesehen, das ist das "Ende der Welt". Wenn man in Santiago de Compostela angekommen ist, kann man noch weiter nach Finisterra laufen. Da gibt es mehrere Traditionen, auch eine Fußwaschung.
Am Gründonnerstag und am Karfreitag gibt es besondere Veranstaltungen in Santiago de Compostela selber. Die haben 13 Bruderschaften und 17 Prozessionen in der Heiligen Woche, der Semana Santa.
Das Interview führte Lara Burghardt.