Die Zukunft christlicher Schulen in Jerusalem steht nach Einschätzung des katholischen Hilfswerks "Kirche in Not" vor großen Herausforderungen. Verantwortliche der Ortskirche sprächen von einer existenzgefährdenden Lage, teilte "Kirche in Not" am Montag in München mit.
Hintergrund ist demnach eine Entscheidung des israelischen Bildungsministeriums: Für das Schuljahr 2026/27 sollen den Angaben zufolge keine Arbeitsgenehmigungen mehr für palästinensische Lehrkräfte aus dem Westjordanland ausgestellt werden.
Die Schulen seien aufgefordert worden, ausschließlich Lehrer einzustellen, die in Jerusalem lebten und über von Israel ausgestellte Qualifikationen verfügten. Sollte die Regelung umgesetzt werden, könnten mehr als 200 Lehrkräfte ihre Anstellung an christlichen Schulen in Jerusalem verlieren, hieß es.
Verweis auf akademische Standards
Bereits im Juli 2025 habe der Bildungsausschuss der Knesset einen ähnlichen Gesetzentwurf verabschiedet, so "Kirche in Not". Dieser sehe vor, Abschlüsse aus dem Westjordanland nicht mehr für den Schuldienst in Israel und Ostjerusalem anzuerkennen. Diese Abschlüsse entsprächen nicht den geforderten akademischen Standards, hieß es. Schon zu Beginn des laufenden Schuljahres hätten zahlreiche Lehrkräfte keine Genehmigung mehr erhalten, so das Hilfswerk.
Ein Vertreter des Generalsekretariats der christlichen Schulen im Heiligen Land warnte laut Mitteilung im Gespräch mit "Kirche in Not" vor weitreichenden Folgen des aktuellen Schritts: "Diese Entscheidung könnte unsere Schulen in eine sehr schwierige Lage bringen und ihre Existenz gefährden."
Soziale Folgen für Familien
Nach Angaben der Verantwortlichen arbeiten rund 230 Lehrkräfte aus dem Westjordanland an 15 christlichen Schulen in Jerusalem. "Ihr Wegfall würde die Einrichtungen organisatorisch und pädagogisch erheblich belasten." Zugleich gebe es in Jerusalem nicht genug qualifizierte christliche Lehrkräfte, um diese Lücke schnell zu schließen. Zudem befürchte man soziale Folgen für betroffene Familien.
Die katholische Kirche sucht "Kirche in Not" zufolge das Gespräch mit den zuständigen Stellen, um Lösungen zu finden. Zugleich habe sie rechtliche Schritte eingeleitet, um die Lage zu klären.