Aufgewachsen ist BAP-Gründer Wolfgang Niedecken als Sohn eines, wie er selbst sagt, "extrem frommen Katholiken", geprägt von katholischen Vorfahren, die sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen lassen.
Im Pallottiner-Internat in Rheinbach wurde er Messdiener – und erlebte dort auch Missbrauch durch einen Pater. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, hat er sein Verhältnis zu Gott nie abgeschrieben, sondern immer wieder neu verhandelt.
Kritik an der Kirche
Niedecken ist aus der Kirche ausgetreten – wegen des Umgangs mit Kritikern und des Beharrens auf dem Zölibat. Restkatholisch nennt er sich dennoch bis heute. Nicht als Trotz, sondern als ehrliche Selbstbeschreibung: "Diese Haltung ist in der DNA angelegt."
Atheist sei er keinesfalls. Stattdessen bezeichnet er sich als "Agnostiker mit Gottvertrauen" – er halte einen Gott für möglich, wisse aber nicht, wer das sei.
Geblieben ist eine ganz persönliche Frömmigkeit im Alltag. In jedem Zimmer seiner Wohnung hängt ein Kreuz. Wenn etwas gut läuft, bedankt er sich beim "Chef" – mit einem schlichten "Danke, Chef, jood jemaat".
Das seien, sagt er, kleine Gebete, an denen er erkenne, dass etwas von seinem Glauben übriggeblieben sei. Manchmal rede er auch vor einem Konzert kurz mit ihm. Sein Schlaganfall 2012 hat dieses Gottvertrauen noch vertieft.
Vielleicht ist es gerade dieses undogmatische, aber echte Glaubensleben, das Niedecken zu einer besonderen Stimme macht – auch für das DOMRADIO. Einer, der nicht predigt, aber auch nicht schweigt. Einer, der zweifelt, aber vertraut. Ein echter Kölner eben.