Martinstradition zählt nun zum immateriellen Kulturerbe Deutschlands

Für Solidarität und Zusammenhalt

Fünf Neuaufnahmen haben es in Deutschlands Liste des immateriellen Kulturerbes geschafft. Die Martinstradition und die Bolzplatzkultur gehören nun ebenso dazu wie das Herrenschneiderhandwerk. Die Liste wächst auf mehr als 170 Einträge.

Ein Mann im roten Mantel stellt den heiligen Martin als römischen Soldaten dar und nimmt auf einem Pferd an einem Sankt Martinszug in Bonn teil. / © Harald Oppitz (KNA)
Ein Mann im roten Mantel stellt den heiligen Martin als römischen Soldaten dar und nimmt auf einem Pferd an einem Sankt Martinszug in Bonn teil. / © Harald Oppitz ( KNA )

Die Martinstradition im Rheinland gehört nun zum immateriellen Kulturerbe in Deutschland.

Die Kulturministerkonferenz der Länder und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) haben am Freitag diese und vier weitere Traditionen neu in das bundesweite Verzeichnis aufgenommen, wie die Deutsche UNESCO-Kommission in Bonn mitteilte. "Die Martinstradition im Rheinland vermittelt Werte wie Teilen, Solidarität und Zusammenhalt über Generationen hinweg", so Weimer.

Laternen im Martinszug / © Jörg Loeffke (KNA)
Laternen im Martinszug / © Jörg Loeffke ( KNA )

Charakteristisch für die Bräuche rund um den Martinstag am 11. November seien Laternenumzüge, Martinslieder und die nachgestellte Mantelteilung des Heiligen. Der Brauch fördere Zugehörigkeit und ein solidarisches Miteinander über Glaubenszugehörigkeiten und Weltanschauungen hinweg. 

Er werde kontinuierlich an aktuelle gesellschaftliche Bedingungen angepasst, etwa durch konfessionsübergreifende Öffnung, inklusive Teilnahme und neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Vereinen, Schulen und Kindertageseinrichtungen, heißt es von der UNESCO.

Herrenschneiderei und Schaustellerkultur

Weitere Neuaufnahmen in Deutschlands immaterielles Kulturerbe sind die Bolzplatzkultur, die Schaustellerkultur auf Volksfesten, das Herrenschneiderhandwerk sowie die traditionelle Kleine Küstenfischerei an der Ostseeküste und in den Boddengewässern. Damit umfasst das Verzeichnis jetzt 173 kulturelle Ausdrucksformen, die in Deutschland gelebt und weitergegeben werden.

"Immaterielles Kulturerbe entsteht dort, wo Menschen sich einbringen, Wissen teilen und kulturelle Praktiken gemeinsam gestalten", sagte der Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission, Christoph Wulf. Die Neuaufnahmen zeigten, wie lebendig, offen und wandlungsfähig kulturelle Ausdrucksformen heute seien.

Martinstag

Am 11. November feiern Christen das Fest des heiligen Martin, eines der populärsten Heiligen überhaupt. Die nach ihm benannten Umzüge erinnern an die Legende, nach der er als römischer Soldat seinen Mantel mit einem Bettler teilte, um diesen vor dem Erfrieren zu retten.

Der heilige Martin sitzt auf einem Pferd und teilt seinen Mantel mit einem Bettler. / © Harald Oppitz (KNA)
Der heilige Martin sitzt auf einem Pferd und teilt seinen Mantel mit einem Bettler. / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
KNA