Bischöfe empfangen Musliminnen und Muslime mit Frieden im Fokus

"Wir brauchen echte Solidarität"

Das Gespräch zwischen Christen und Muslimen ist für die deutsche Gesellschaft wichtiger denn je. Beim diesjährigen Empfang der katholischen Bischöfe für die muslimischen Dialogpartner setzte man auf die Gemeinsamkeiten.

Jahresempfang der Deutschen Bischofskonferenz für die Partnerinnen und Partner im christlich-islamischen Dialog am 27. März 2026 in Frankfurt am Main / © Marko Orlovic (DBK)
Jahresempfang der Deutschen Bischofskonferenz für die Partnerinnen und Partner im christlich-islamischen Dialog am 27. März 2026 in Frankfurt am Main / © Marko Orlovic ( DBK )

Christen und Muslime haben für ein friedliches und solidarisches Miteinander geworben. 

Bischof Bertram Meier rief beim Jahresempfang der katholischen Deutschen Bischofskonferenz für die Akteure im christlich-islamischen Dialog in Frankfurt am Freitagabend zum Schulterschluss gegen radikale Kräfte und für eine offene Gesellschaft auf.

Bertram Meier, Bischof von Augsburg / © Harald Oppitz (KNA)
Bertram Meier, Bischof von Augsburg / © Harald Oppitz ( KNA )

"Wir brauchen echte Solidarität, wenn Menschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit Anfeindungen und Übergriffe erfahren", so der Augsburger Bischof. Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und jede Form von Menschenfeindlichkeit dürften in der Gesellschaft keinen Platz haben.

Meier, in der Bischofskonferenz Vorsitzender der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog, erinnerte an das Weltgebetstreffen der großen Religionen für den Frieden 1986 in Assisi auf Einladung von Papst Johannes Paul II. 

"Als gläubige Menschen wissen wir, dass Frieden letztlich immer ein Geschenk Gottes ist. Damit jedoch der Friede, den Gott gibt, in dieser Welt wirksam wird, bedarf es unserer Mitwirkung", betonte Meier.

"Frieden beginnt im Herzen der Menschen"

Rund 120 Gäste waren der Einladung zu dem Empfang im Frankfurter Haus am Dom gefolgt. Bei einem Eröffnungsgebet im Dom betonte Meier, dass Christen und Muslime trotz Unterschieden in der Glaubenslehre geistliche Berührungspunkte teilten. 

Beide Religionen vertrauten sich einem barmherzigen Schöpfergott an. Er appellierte an die gemeinsame Verantwortung für den Frieden in der Welt. "Denn Frieden ist mehr als das Schweigen der Waffen, er beginnt im Herzen der Menschen."

Vorstellung einer Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) zum christlich-muslimischen Dialog am 25. Februar 2026 in Würzburg mit (v.l.n.r.): Tobias Specker, Lehrstuhlinhaber für Katholische Theologie im Angesicht des Islam an der Hochschule Sankt Georgen; Bischof Bertram Meier, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der DBK und Vorsitzender der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog; Dunya Elemenler, Projektleiterin beim Sozialdienst muslimischer Frauen (SmF) und Vorsitzende der Christlich-Islamischen Gesellschaft (CIG); und Mathias Rohe, Lehrstuhlinhaber für Bürgerliches Recht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung sowie Sprecher des Forschungszentrums für Islam und Recht in Europa an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU EZIRE). / © Hannah Krewer (KNA)
Vorstellung einer Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) zum christlich-muslimischen Dialog am 25. Februar 2026 in Würzburg mit (v.l.n.r.): Tobias Specker, Lehrstuhlinhaber für Katholische Theologie im Angesicht des Islam an der Hochschule Sankt Georgen; Bischof Bertram Meier, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der DBK und Vorsitzender der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog; Dunya Elemenler, Projektleiterin beim Sozialdienst muslimischer Frauen (SmF) und Vorsitzende der Christlich-Islamischen Gesellschaft (CIG); und Mathias Rohe, Lehrstuhlinhaber für Bürgerliches Recht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung sowie Sprecher des Forschungszentrums für Islam und Recht in Europa an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU EZIRE). / © Hannah Krewer ( KNA )

Die Vorsitzende der Christlich-Islamischen Gesellschaft, Dunya Elemenler, warb in ihrem Grußwort für aktives Handeln. Es gehe darum, "nicht nur Unterschiede zu benennen, sondern vor allem Vertrauen wachsen zu lassen", so die Muslimin. Denn am Ende entscheide sich die Zukunft des interreligiösen Dialogs im Miteinander der Menschen.

"Wenn es uns gelingt, Dialog als echte Beziehungsarbeit zu verstehen und zu leben, dann kann daraus mehr entstehen als Verständigung: nämlich gegenseitige Wertschätzung, Vertrauen und vielleicht sogar Freundschaft."

Ein Bischof und ein Imam

Der Bischof von Innsbruck, Hermann Glettler, und der muslimische Religionspädagoge und Imam Abualwaffa Mohammed berichteten über ihre gemeinsamen Dialogerfahrungen, über die sie
2025 ein Buch veröffentlicht haben. Glettler hob eine Haltung von Offenheit hervor: "Fruchtbare Dialoge gelingen nur, wenn wir uns selbst verletzlich machen und uns aus der Sicherheitszone der eigenen Positionen herauslocken lassen – hin zu einer beglückenden Erfahrung des Menschseins."

Imam Mohammed warnte vor Freund-Feind-Denken und ideologischen Vereinfachungen, die Rassisten und radikale Islamisten verbinde.
"Einen Ausweg gibt es nur, wenn wir versuchen, in jedem einen Menschen zu sehen."

Es begann mit "Nostra aetate"

Es war der siebte Jahresempfang der Bischofskonferenz für die Partnerinnen und Partner im christlich-muslimischen Dialog. Dessen Ursprünge gehen in der katholischen Kirche zurück auf das Dokument "Nostra aetate" des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965).

Die Kirche vollzog darin eine Öffnung zu anderen Religionen. Nach Jahrhunderten von Gegensätzen und Feindschaft zwischen Christen und Muslimen bekundete das Konzilsdokument 1965 Hochachtung vor dem Islam. Insbesondere die Päpste Johannes Paul II. und Franziskus förderten später den Dialog mit den Muslimen.

Auch die katholische Kirche in Deutschland führt das Gespräch mit Musliminnen und Muslimen, Islamverbänden und Vertretern auf weiteren Ebenen. So haben etliche Bistümer eigene Islam-Beauftragte. Mit der Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle Cibedo in Frankfurt am Main unterhält die Bischofskonferenz zudem eine wissenschaftliche Fachstelle für den christlich-islamischen Dialog.

Vor 60 Jahren begann mit "Nostra aetate" eine neue Epoche

Christen, Juden und Muslime in respektvollem Dialog - jahrhundertelang schien das undenkbar. Verfolgung, Kriege und gegenseitige Diffamierung prägten ihr Verhältnis von Anfang an. Vor 60 Jahren machte die katholische Kirche einen entscheidenden Schritt aus diesem Teufelskreis. Mit der Erklärung "Nostra aetate" (In unserer Zeit), die Papst Paul VI. am 28. Oktober 1965 kurz vor Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils verkündete, reichte sie auch anderen Glaubensgemeinschaften die Hand.

Ahmad al-Tayyeb (l.), Großscheich der al-Azhar-Universität, und Papst Franziskus am 4. Februar 2019 während eines interreligiösen Treffens in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate). / © Paul Haring  (KNA)
Ahmad al-Tayyeb (l.), Großscheich der al-Azhar-Universität, und Papst Franziskus am 4. Februar 2019 während eines interreligiösen Treffens in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate). / © Paul Haring ( KNA )
Quelle:
KNA