Chef der Deutschen Regentenkonferenz wünscht mehr Praxis für Priester

Ausbildung im "großen Umbruch"

Der Vorsitzende der für die Priesterausbildung zuständigen Deutschen Regentenkonferenz, Dirk Gärtner, sieht sich mit weniger und anders als bisher geprägten Kandidaten konfrontiert. So reagiert die Kirche auf diese Entwicklung.

Ein Priester hält eine Hostie in die Höhe / © Fabio Lotti (shutterstock)
Ein Priester hält eine Hostie in die Höhe / © Fabio Lotti ( shutterstock )

Mehr Praxiserfahrung in der Priesterausbildung wünscht sich der Vorsitzende der Deutschen Regentenkonferenz, Dirk Gärtner. Gerade für Bewerber mit wenig Kirchenerfahrung. Im Interview mit der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost" (aktuelle Ausgabe) sagte er in Fulda, die Priesterausbildung befinde sich in einem "großen Umbruch". "Wir haben immer mehr Kandidaten, die keinen 'klassischen Glaubensweg' hinter sich haben." Viele seien nicht kirchlich sozialisiert, so Gärtner. 

Dirk Gärtner, Vorsitzender der Deutschen Regentenkonferenz (Bistum Fulda)
Dirk Gärtner, Vorsitzender der Deutschen Regentenkonferenz / ( Bistum Fulda )

Viele Priesteramtskandidaten hätten eine "radikale Bekehrung" hinter sich, seien "ganz frisch und jung im Glauben" und voller Idealismus. Das setze eine andere Priesterausbildung voraus. "Die Leidenschaft muss sich bewähren", betonte Gärtner. Denn Berufung bewähre sich im Alltag, wo der Glaube konkret gelebt werde. 

Die Priesterausbildung versuche heute, durch längere Praktika bisher nicht gemachte Erfahrungen zu ermöglichen, die für die Bewährung des Glaubens wichtig seien. Praxisphasen auch in einem Altenheim oder Hospiz sorgten dafür, "dass eine wirkliche Auseinandersetzung mit der Realität stattfinden kann". Gärtner begrüßte den Gedanken, die Priesterausbildung als duales Studium anzulegen. 

Diversität priesterlicher Dienste

In der Priesterausbildung gebe es aktuell eine "Experimentierphase", sagte Gärtner: "Es gibt kein Standardrezept dafür, wie man auf die Begebenheiten unserer Zeit am besten reagiert." Er plädiere für eine Diversität priesterlicher Dienste: "Wenn sich ein Kandidat nicht in der Lage sieht, eine Großpfarrei zu managen, dafür aber das Charisma zu einem guten Beichtvater hat, ermöglichen wir es ihm dann, für diesen unmittelbaren Dienst Priester zu werden? Wenn jemand ein Charisma hat für junge Leute, geben wir ihm dann die Möglichkeit, eine Jugendarbeit aufzubauen? Oder bilden wir die Kandidaten nur für die Pfarrei aus?" 

Zentrale Aufgabe für Priester sollte aus Gärtners Sicht sein, Menschen zu geistlicher Eigenständigkeit zu befähigen. Im Sinne einer "Spiritual Leadership" sollten sie lernen, Prozesse zu begleiten, in denen Menschen selbst erkennen: "Jetzt habe ich einen Punkt erreicht, an dem ich Verantwortung für die Gemeinschaft der Glaubenden übernehmen möchte." 

Glaubenswachstum in Kleingruppe schwer

Für die Priesterausbildung sei der Bewerbermangel eine Herausforderung, stellte der Leiter des Priesterseminars fest: "Wenn die Gruppe derjenigen, die zusammen diesen Weg gehen, sehr klein wird, dann finden diese Prozesse des Glaubenswachstums nicht so leicht statt, da die Reibungsflächen geringer sind." Kontakte im digitalen Raum seien darüber hinaus eher dazu geeignet, die eigenen Positionen zu festigen, als sie zu hinterfragen. 

Für den Priesterberuf geeignet sei nicht, wer sich zwar zu Christus hingezogen fühle, dabei aber hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt sei. Es werde geprüft: "Ist der Kandidat in der Lage, auf die Menschen einzugehen und ihnen zu dienen?" Weil Christus zum Dienst am Nächsten berufe, sei es wichtig, dass ein Kandidat für die Gemeinschaft Verantwortung übernehme.

Quelle:
KNA