Monacos Erzbischof sieht hinter Glamour viel Armut

Einsamkeit und Sinnlosigkeit

Am Samstag wird Leo XIV. als erster Papst überhaupt das Fürstentum Monaco besuchen. In dem Luxusstaat trifft er unter anderem Fürst Albert und die Jugend. Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt, warnt der Ortsbischof.

Ein Ausschnitt von Monte Carlo / © Fernikon (shutterstock)
Ein Ausschnitt von Monte Carlo / © Fernikon ( shutterstock )

Vor dem Papstbesuch an diesem Samstag in Monaco wendet sich dessen Erzbischof Dominique-Marie David gegen Klischees über den zweitkleinsten Staat der Welt. 

So gebe es in dem Fürstentum vielfältige Formen von Armut, sagte er in einem am Dienstag verbreiteten Interview mit Vatikan-Medien. Er selbst habe erst in den letzten Jahren begonnen, die Realität Monacos jenseits der Stereotype und medialen Bilder zu verstehen.

Erzbischof Dominique-Marie David (VN)
Erzbischof Dominique-Marie David / ( VN )

"Zuallererst gibt es materielle Armut, die manchmal sehr versteckt und schwer zu erkennen ist", so der seit sechs Jahren amtierende Erzbischof. Viele Menschen, die im Fürstentum arbeiteten und für dessen Wohlstand sorgten, lebten rund um den zweitkleinsten Staat der Welt. Manchmal gerieten sie insbesondere beim Thema Wohnraum und Lebenshaltungskosten in Schwierigkeiten.

Einsamkeit und Sinnlosigkeit

Neben diesen materiellen Problemen gebe es auch andere Formen der Armut: Einsamkeit und Sinnlosigkeit. "Wenn man ein gewisses Maß an Wohlbefinden genießt und keine größeren materiellen Sorgen hat, stellen sich andere Fragen: Welchen Sinn soll man seinem Leben geben?

Armut in Monaco / © tufo (shutterstock)

Es ist nicht ungewöhnlich, Menschen zu begegnen, die unter Einsamkeit leiden", berichtete David.

Auch seien Probleme bei der Kindererziehung sowie Trennungen und "Familiendramen" verbreitet. Dies sei umso erschütternder, als das Leben zumindest oberflächlich betrachtet einfacher erscheine. Die Kirche müsse diese verborgenen Formen der Armut im Blick behalten, für Solidarität sorgen und "Situationen der Zerbrechlichkeit" erkennen, betonte der Erzbischof.

Papst wird praktisch zur ganzen Welt sprechen

Weiter verwies David darauf, dass auf nur zwei Quadratkilometern fast 150 Nationalitäten leben. "Oft wird das Fürstentum etwas verzerrt dargestellt, lediglich als Luxusstadt", so der Geistliche. "In Wirklichkeit speist sich sein Reichtum aus der großen Vielfalt der Herkunft und der sozialen Durchmischung."

Sankt Nikolaus-Kathedrale in Monte Carlo, Monaco / © Lesia Popovych (shutterstock)
Sankt Nikolaus-Kathedrale in Monte Carlo, Monaco / © Lesia Popovych ( shutterstock )

Damit werde Papst Leo XIV. bei seinem Besuch praktisch zur ganzen Welt sprechen. "Seine Mission ist es, das Evangelium zu verkünden, den Glauben zu stärken und eine Botschaft des Friedens und der Menschenwürde zu verbreiten", sagte David. "Daher ist es wahrscheinlich, dass die Wirkung eines solchen Besuchs über die Grenzen unseres kleinen Staates hinausreicht."

Als erster Papst wird Leo XIV. am Samstag (28. März) Monaco für rund neun Stunden besuchen. Im Fürstentum am Mittelmeer ist der Katholizismus Staatsreligion.

Quelle:
KNA