Die Krebsdiagnose traf sie mitten im Masterstudium in Münster. Olga Jabs war 25, als der angeblich gutartige Knoten in ihrer Brust schließlich doch bösartig war. Es folgten Operation, Chemo- und Strahlentherapie.
Von ihren Ärztinnen fühlte sie sich damals gut beraten und betreut, von ihrer Familie gut unterstützt. Besonders habe ihr aber ihr damaliger Freund geholfen, ihr späterer Mann, sagt die Kommunikationswissenschaftlerin heute. Die Krankheit und ihre Bewältigung hätte sie als Paar eng zusammengeschweißt. "Wir dachten, wenn wir das zusammen durchstehen, kann uns nichts mehr auseinanderreißen", erinnert sie sich, "das war schon ein krasses Bekenntnis zueinander."
Neue Priorität setzen
Bis zur Erkrankung sei sie sehr auf Erfolg im Studium fixiert gewesen, habe dann aber festgestellt, dass gute Noten beim Gesundwerden gar nichts helfen, sondern es auf gute Beziehungen ankomme, auf die Menschen um einen herum. Genauso war auch ihre Achtsamkeit geschärft, konnte sie es nach der Heilung durchaus genießen "einfach nur nicht mehr krank zu sein."
Auf Anraten der Ärzte ließ sich die junge Frau auf einen krebsauslösenden Gendefekt untersuchen, der tatsächlich diagnostiziert wurde. Nach dem Vorbild der Hollywood-Schauspielerin Angelina Jolie ließ auch sie sich in der Folge das Brustdrüsengewebe entfernen und einen Wiederaufbau mit Silikonimplantaten durchführen, um künftigen Erkrankungen vorzubeugen. Diesen Schritt, sagt sie, habe sie nie bereut und könne ihn Frauen in ähnlicher Situation nur anraten.
Unerwartete Familienplanung
Außerdem trat mit der Krebsbehandlung auch ein Thema in ihr Leben, das sonst für Olga Jabs und ihren Partner mit Mitte zwanzig wohl noch nicht dran gewesen wäre, der Wunsch nach einem eigenen Kind nämlich. Die Ärzte rieten ihnen damals, ihn nicht auf die lange Bank zu schieben und entsprechende Schritte zu unternehmen. Und auch wenn sie zunächst noch beide ihre Studien abschlossen, behielten sie den Plan im Kopf und wurden tatsächlich mit leichter medizinischer Unterstützung mit 30 und 29 Jahren zum ersten Mal Eltern.
Schwangerschaft und Elternzeit hat Olga Jabs in ausnehmend guter Erinnerung, eine sehr schöne Zeit sei das damals gewesen. Weil sie in Folge der Präventionsmaßnahme ohnehin nicht stillen konnte, war sie auch mit Baby recht flexibel, fühlte sich frei und glücklich. Als ihr Sohn ein Jahr alt war, nahm ihr Mann ein attraktives Jobangebot in Düsseldorf an und sie zogen von Hamburg an den Rhein, wo auch sie eine neue Arbeit bei einer katholischen Hilfsorganisation fand, als Kommunikationsverantwortliche nämlich der Malteser Pflegeeinrichtungen.
Vollzeitjob als Mutter
Wieder zu arbeiten war ein wichtiger Schritt für die junge Mutter und als sie dann ihr zweites Kind erwartete, besprach sie mit dem Vater, dass sie die nächste Elternzeit gleicher untereinander aufteilen wollten als die erste, bei der sie klassischerweise den weitaus größeren Teil zu Hause geblieben war.
Nachdem auch die Tochter gesund zur Welt gekommen war, kehrte Olga Jabs dieses Mal deutlich früher zurück in den Job, übernahm auch schnell mehr Stunden, stieg auf zur Abteilungsleiterin. Sie genoss es sehr, endlich wie gewünscht Vollzeit zu arbeiten und sich mit ganz anderem Zeitbudget für Aufgaben einsetzen zu können, die sie als erfüllend und sinnstiftend erlebte. Die Atmosphäre auf der Arbeit beschreibt sie als vertrauensvoll, vor allem schätze sie die dort gelebt Überzeugung, "dass fast alles möglich wird, wenn wir uns zusammentun". Dieses Möglichmachen sieht Olga Jabs als einen der wichtigen Werte, die sie ihren Kindern weitergeben will. Genauso will sie ihnen das Modell einer Vollzeit arbeitenden und doch voll für ihre Kinder engagierten Mutter vorleben.
Mitten in der viel zitierten Rush Hour des Lebens hatten sie und ihr Mann zwei kleine Kinder zu versorgen, zwei anspruchsvolle Full-Time-Jobs zu stemmen, außerdem suchten, fanden und kauften sie eine Wohnung. Das alles funktionierte, so wie sie auch die Haus- und Care-Arbeit gemeinsam bewältigt bekamen. Und doch schlich sich mit ihrer neu interpretierten Mutterrolle irgendwie ein Unwohlsein in die Partnerschaft, wurde es zwischen ihr und ihrem Mann zunehmend schwerer. Die Idee einer tatsächlich gleichberechtigten Elternschaft, so ihre Einschätzung heute, sei wohl doch deutlich wichtiger für sie selbst als für ihren Partner gewesen.
Glücklich ohne Happy End
Drei Jahre lang kämpften sie um ihre Ehe, klaubten im ohnehin so vollgestopften Alltag auch noch die Zeit für eine Paartherapie zusammen. Sie selbst, sagt Olga Jabs heute, hätte den Schritt der Trennung so wohl nicht vollzogen. Als schließlich klar war, dass es wohl kein Happy End für sie als Liebespaar geben würde, war das zunächst ein harter Schnitt. Heute aber ist sie ihrem Mann fast dankbar dafür, dass er gegangen ist. Olga Jabs arbeitet heute dank der Flexibilität ihres Arbeitgebers weiter Vollzeit, ihre Kinder leben hauptsächlich bei ihr und sie fühlt sich deutlich besser als in der letzten Krisenzeit ihrer Ehe. "Und glückliche Eltern sind doch die beste Voraussetzung für glückliche Kinder!"