DOMRADIO.DE: Wer war Joachim Wanke?
Stefan Gruhner (Chef der Thüringer Staatskanzlei und Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Sport und Ehrenamt, CDU): Joachim Wanke war jemand, der nach 1990 in der Phase des Umbruchs sehr viel moralische Orientierung gegeben hat. Er war vor allem eine Stimme der Zuversicht, man könnte auch sagen eine Art wegweisender Ermutiger. Denn er hat das Bistum nach 1990 maßgeblich aufgebaut.
Gerade die Phase der Transformation nach 1990 war von vielen gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt. In dieser Zeit hat er mit seiner besonnenen und bodenständigen Art sehr vielen Menschen Zuversicht gegeben. Deswegen, glaube ich, kann man schon mit Fug und Recht sagen, dass er ein wegweisender Ermutiger in dieser Zeit gewesen ist.
DOMRADIO.DE: Welche Rolle spielte Bischof Wanke für das gesellschaftliche Leben in Thüringen über die Kirche hinaus?
Gruhner: Ich glaube, dass das in der Tat seine große Stärke war. Er ist auch ein wichtiger Theologe gewesen, gar keine Frage, aber er prägte eben auch das gesellschaftliche Leben. Das hat auch etwas mit der Verankerung der katholischen Kirche insgesamt im Land zu tun, wenn man daran denkt, was die Kirche karitativ und sozial-bildungspolitisch leistet.
Es sind in dieser Zeit im Bereich der Pflege und Krankenhäuser, aber auch im Bildungsbereich viele Einrichtungen der katholischen Kirche aufgebaut worden. Dadurch hat er weit über die Kirche und über die Gläubigen hinaus ins Land gewirkt. Es ist aber auch einfach seine Art gewesen, gerade auch das Bodenständige, das über die katholische Kirche hinauswirkte.
DOMRADIO.DE: Welche persönliche Begegnung oder Erinnerung verbinden Sie mit Joachim Wanke?
Gruhner: Was ich sehr mit ihm verbinde, weil ich das auch selber miterleben konnte, war er als Bischof und Gastgeber des Papstbesuches. 2011 war Benedikt XVI. in Thüringen zu Gast. Dadurch hat das Bistum in besonderem Rampenlicht gestanden.
Diesen Besuch hat er, wenn ich das so sagen darf, mitgemanagt. Dadurch hat er das Bistum besonders repräsentiert, aber auch Thüringen insgesamt, und dem Land so eine besondere Visitenkarte ausgestellt. Diese Zeit ist mir sehr in Erinnerung geblieben, weil das für den gesamten Freistaat ein unglaubliches Ereignis von besonderer und auch historischer Bedeutung gewesen ist.
DOMRADIO.DE: Welche Rolle spielt die katholische Kirche in Thüringen bei schwindender Mitgliederzahl aus politischer Sicht?
Gruhner: Ich glaube, man muss sehen, dass wir in einer Zeit leben, die vor allem Zuversicht braucht. Man kann viel über Probleme und Herausforderungen reden, aber man muss gerade in einer Zeit, die gesellschaftlich und politisch polarisiert ist, immer schauen, was die festen Anker in der Gesellschaft sind. Wer sind diejenigen, die auch in so einer Zeit Orientierung und Zuversicht geben können?
Ich glaube, unabhängig von der schieren Anzahl der Christen haben beide Kirchen eine unheimlich wichtige Funktion. Das ist das Maßgebliche, wenn man auf die Bedeutung der Kirche guckt. Aber dann will ich auch sehr konkret sagen, dass die Kirche nicht nur ein großer Arbeitgeber im Land ist.
Im karitativen Bereich und auch im Bereich der Bildung ist sie stark vertreten. Wenn man an Bildungshäuser und Schulen denkt, aber auch an den Bereich der Pflege, dann spielt Kirche im praktischen Alltag vieler Menschen eine große Rolle. Das gilt auch für jene, die nicht konfessionell gebunden sind.
Die Zahlen der Gläubigen gehen zurück, aber die fundamentale Bedeutung von Kirche für die Gesellschaft, die sehe ich nach wie vor als zentral gegeben. Als Vertreter einer christdemokratisch geführten Landesregierung ist uns das auch wichtig. Für uns als Landesregierung ist die Kirche ein wichtiger Partner.