Abt Nikodemus zeigt sich über Entwicklungen im Nahost-Krieg entsetzt

"Über Tötungen wird wie selbstverständlich gesprochen"

Der Iran-Krieg geht mit unverminderter Härte weiter und fordert immer mehr Opfer. Nun ist der Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats getötet worden. Abt Nikodemus kann Israels Freude über dessen Tod nicht nachvollziehen.

Eine Straße voller Rauch nach einer Explosion in Teheran / © Mohsen Ganji/AP (dpa)
Eine Straße voller Rauch nach einer Explosion in Teheran / © Mohsen Ganji/AP ( dpa )

Israel hat nach eigenen Angaben weitere Top-Führungsfiguren des Irans getötet. Unter anderem sei der einflussreiche Generalsekretär des Sicherheitsrats, Ali Laridschani, bei einem gezielten Angriff in der Nacht ums Leben gekommen, erklärte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz am Dienstag. Der 67-jährige Laridschani war zuletzt zu einer zentralen Figur im iranischen Machtapparat aufgestiegen. Der Iran bestätigte den Tod Laridschanis.

Der iranische Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates, Ali Laridschani, ist nach israelischen Angaben bei einem Luftangriff in Teheran getötet worden / © Bilal Hussein/AP (dpa)
Der iranische Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates, Ali Laridschani, ist nach israelischen Angaben bei einem Luftangriff in Teheran getötet worden / © Bilal Hussein/AP ( dpa )

Israels Staatspräsident Izchak Herzog hat dessen Tötung unterdessen als "sehr wichtigen Schritt" gelobt. Dies eröffne den Menschen im Iran den Freiraum für Proteste, sagte Herzog laut Angaben seines Büros. 

Abt Nikodemus über Entwicklungen erschüttert

Der Abt der Dormitio-Abtei in Jerusalem, Nikodemus Schnabel, zeigte sich derweil gegenüber DOMRADIO.DE tief erschüttert über die aktuellen Entwicklungen. Er sagte, er sei "wirklich entsetzt" darüber, wie selbstverständlich über Tötungen gesprochen werde und wie schnell solche Nachrichten als etwas Positives dargestellt würden. Es wirke auf ihn, als lebten wir in einer Welt, in der man glaube, Probleme ließen sich einfach lösen, indem man einzelne Personen ausschalte.

Er machte deutlich, dass Kriege in Wahrheit alles andere als einfach oder "bekömmlich" seien. Vielmehr seien sie "dreckig" und brutal – eine Erfahrung, die er vor Ort seit Wochen tagtäglich mache. Dabei kritisiert er auch die Sichtweise vieler politischer Akteure: Es entstehe der Eindruck, dass man sich zu sehr an den Narrativen der Mächtigen orientiere, die oft von einem übersteigerten Ego geprägt seien, so der Benediktiner.

Stattdessen verwies er auf eine zentrale Botschaft, die ihn besonders bewege: Im Krieg müsse die Perspektive der Opfer und Schwachen im Mittelpunkt stehen, nicht die der Kriegsparteien. Es gehe darum, den Blick auf jene zu richten, die diesen Krieg nicht wollten, die sich nach einem anderen Leben sehnten und nun die Hauptlast trügen.

Abschließend betonte er, dass die Mächtigen die Kosten ihrer Konflikte immer wieder auf die verletzlichsten Teile der Bevölkerung abwälzten. Gerade das mache ihn "zutiefst traurig".

Dormitio-Abtei

Dormitio-Abtei in Jerusalem / © Renardo Schlegelmilch (DR)
Dormitio-Abtei in Jerusalem / © Renardo Schlegelmilch ( DR )

Die deutschsprachige Benediktinerabtei der Dormitio gehört als Blickfang zur Silhouette Jerusalems. Der Bau des Klosters auf dem Zionsberg am Rande der Altstadt begann im März 1906. Es befindet sich dort, wo nach kirchlicher Überlieferung das Letzte Abendmahl Jesu und die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Apostel stattfanden. Abt ist seit 2023 Pater Nikodemus Schnabel.

Quelle:
dpa , DR

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