Es ist ein ungewöhnliches Treffen im Vatikan: Papst Leo XIV. hat laut einer Mitteilung des vatikanischen Presseamtes am Montag den britischen Investigativ-Journalisten Gareth Gore empfangen. Gore hatte im Oktober 2024 unter dem Titel "Opus" ein Enthüllungsbuch über mutmaßliche dunkle Geschäfte der katholischen Sonder-Organisation veröffentlicht. Der Untertitel lautete: "Der Kult von Schwarzgeld, Menschenhandel und rechter Verschwörung in der katholischen Kirche."
Zu dem Buch hatte das Opus Dei im April 2025 einen mehr als 100 Seiten umfassenden Faktencheck ("Klarstellungen") veröffentlicht. Darin warf die Organisation dem Autor unter anderem vor, das Handeln von Einzelpersonen in unzulässiger Weise mit dem Handeln des Opus Dei zu vermischen.
Ausgangspunkt von Gores Recherchen war der Zusammenbruch der spanischen Bank Banco Popular im Jahr 2017. Langjähriger Direktor der Bank war Luis Valls Taberner (1926-2006), der seit 1946 dem Opus Dei angehörte. Er gründete mehrere Stiftungen, in die auch Gelder der Bank flossen.
Papst will sich persönlich informieren
Aus dem vatikanischen Presseamt hieß es nach der Begegnung des Papstes mit Gore, Leo XIV. habe sich persönlich ein Bild davon machen wollen, was der Autor zu sagen habe. Der Papst hatte in seiner Zeit als Bischof von Chiclayo (2015-2023) wiederholt mit Vertretern des Opus Dei zu tun, das in Peru seine lateinamerikanische Hochburg hat.
Gore erklärte nach dem Treffen über die Plattform X, er habe sich über 40 Minuten mit dem Papst unterhalten können. Leo habe seine Recherche als "eine sehr sorgfältige Arbeit" gewürdigt. Gore habe den Papst unter anderem gebeten, den Prozess um den 2002 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochenen Opus Dei-Gründer Josemaría Escrivá erneut zu eröffnen. Indem er ihn eingeladen habe, habe der Papst eine "starke Botschaft an die Opfer geschickt", so Gore.
Die 1928 in Spanien gegründete Organisation zählt nach eigenen Angaben mehr als 90.000 Mitglieder weltweit. Unter Papst Franziskus wurde das Opus Dei gezwungen, seine zentralistisch und autoritär geprägte Satzung zu reformieren; der neue Satzungsentwurf liegt derzeit im Vatikan zur Prüfung vor.