Leo XIV. möchte von Päpstlicher Kinderschutzbehörde ein neues Konzept

Was erwartet der Papst?

Papst Franziskus hat 2015 im Vatikan eine Kommission zum Schutz von Kindern vor Missbrauch eingerichtet. Sein Nachfolger Leo XIV. erwartet von ihr eine klare Aufgabenteilung mit anderen Behörden und neue Konzepte.

Petersplatz im Vatikan / © nomadFra (shutterstock)

Papst Leo XIV. hat klargemacht, wie er sich die künftige Rolle der Päpstlichen Kinderschutzkommission vorstellt und was er von dem Gremium erwartet. Er tat dies in einer Ansprache an die Kommission unter ihrem neuen Vorsitzenden, dem französischen Erzbischof Thibault Verny, am Montag im Vatikan. Bei der Begegnung sagte der Papst, die Prävention sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen und vulnerablen Personen sei ein konstitutiver Bestandteil der Sendung der Kirche. 

Pressekonferenz mit Vorstellung des zweiten Jahresberichts der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen am 16. Oktober 2025 im Vatikan, mit den Mitgliedern der Kommission (v.l.n.r.:): Benyam Dawit Mezmur, Jurist; Luis Manuel Ali Herrera, Weihbischof in Bogota (Kolumbien); Erzbischof Thibault Verny, Präsident der Päpstlichen Kommission für den Schutz der Minderjährigen; und Juristin Maud de Boer-Buquicchio. / © Stefano Carofei/Romano Siciliani (KNA)
Pressekonferenz mit Vorstellung des zweiten Jahresberichts der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen am 16. Oktober 2025 im Vatikan, mit den Mitgliedern der Kommission (v.l.n.r.:): Benyam Dawit Mezmur, Jurist; Luis Manuel Ali Herrera, Weihbischof in Bogota (Kolumbien); Erzbischof Thibault Verny, Präsident der Päpstlichen Kommission für den Schutz der Minderjährigen; und Juristin Maud de Boer-Buquicchio. / © Stefano Carofei/Romano Siciliani ( KNA )

Er lobte den Dialog, den die Kommission in jüngster Zeit mit der Disziplinarabteilung des Glaubensdikasteriums geführt habe, und erklärte: "Dadurch erreicht ihr das angestrebte Ziel, dass Prävention – eure Verantwortung – und die wachsame Disziplin jenes Dikasteriums auf wirklich synergetische und wirksame Weise zusammenkommen." In früheren Jahren hatten einzelne Mitglieder der Kommission moniert, dass die Arbeitsteilung zwischen ihr und der für die Bestrafung von Klerikern zuständigen Glaubenskongregation nicht optimal funktioniere. 

Klare Erwartungen des Papstes

Nun gab der Papst der Kommission Erwartungen mit auf den Weg und sagte: "Eure Aufgabe ist es, dazu beizutragen, dass Missbrauch verhindert wird. (...) Es geht darum, in der gesamten Kirche eine Kultur der Fürsorge zu schaffen, in der der Schutz von Minderjährigen und vulnerablen Erwachsenen nicht als eine von außen auferlegte Verpflichtung angesehen wird." Dafür sei es besonders wichtig, die Erfahrungen der Opfer und Überlebenden als Bezugspunkte ernstzunehmen. 

Zur Rolle der seit 2025 bestehenden Kommission im Vatikan sagte der Papst: "Als Teil der Römischen Kurie, innerhalb des Dikasteriums für die Glaubenslehre, habt ihr eine klare Rolle, die euch in Dialog mit den Dikasterien und anderen Institutionen bringt, die ihre Verantwortung in den verschiedenen Bereichen des Schutzes wahrnehmen.

Papst Leo XIV. / © Lola Gomez/CNS photo (KNA)
Papst Leo XIV. / © Lola Gomez/CNS photo ( KNA )

Ich erwarte von euch, dass ihr die Zusammenarbeit mit ihnen noch stärker intensiviert, damit sie eure Arbeit mit ihrem Wissen bereichern können." Zugleich sollten andere in der Kurie von den Erfahrungen der Kommission profitieren, die sie durch ihre Arbeit mit den Opfern, Überlebenden und ihren Familien gemacht habe. 

Leo XIV. lobte das Vorhaben der Kommission, neue Konzepte der "Vulnerabilität in Bezug auf Missbrauch" sowie zur Verhinderung von "Missbrauch von Minderjährigen im digitalen Raum" zu entwickeln. Er erwarte den Entwurf einer "Rahmenordnung weltweiter Leitlinien" zu diesen Themen. Er betonte, das Verhindern von Missbrauch sei "eine Dimension, die Seelsorge, Ausbildung, Leitung und Disziplin durchdringt".

Das Kinderschutzzentrum CCP an der Gregoriana

Gegründet wurde das Kinderschutzzentrum 2012 von der Gregoriana, der Erzdiözese München-Freising sowie der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Universitätsklinik Ulm.

Während einer dreijährigen Pilotphase bis Ende 2014 war München Sitz des Zentrums; Anfang 2015 siedelte das CCP nach Rom an die Universität über. Das Zentrum ist Teil des Psychologischen Instituts der Gregoriana und gehört mittlerweile zu den führenden Einrichtungen weltweit, die sich mit Missbrauchsprävention und -aufarbeitung befassen.

Päpstliche Universität Gregoriana / © Stefano Dal Pozzolo/Romano Siciliani (KNA)
Päpstliche Universität Gregoriana / © Stefano Dal Pozzolo/Romano Siciliani ( KNA )
Quelle:
KNA