Patriarch im Libanon verurteilt "aufgezwungenen" Krieg

"Die Kirche steht an eurer Seite"

Der Krieg zwischen der Hisbollah und Israel bringt unzählige Menschen im Libanon in Not und Verzweiflung. Der einzige Kardinal des Landes, Béchara Raï, bekundet seine Solidarität. Außerdem betont er, dass das Land seinem Volk gehört.

Libanon, Beirut: Rauchschwaden ragen aus dem zerstörten Gebäude der Vereinigung Al-Kard Al-Hassan, Finanzinstitut und eine Art Bank der pro-iranischen Hisbollah, nachdem es Ziel eines israelischen Luftangriffs war / © Marwan Naamani (dpa)
Libanon, Beirut: Rauchschwaden ragen aus dem zerstörten Gebäude der Vereinigung Al-Kard Al-Hassan, Finanzinstitut und eine Art Bank der pro-iranischen Hisbollah, nachdem es Ziel eines israelischen Luftangriffs war / © Marwan Naamani ( dpa )

Der maronitische Patriarch im Libanon, Kardinal Bechara Rai, sieht den Krieg mit seinen vielen Toten als "sinnlos und verheerend" an. Zugleich zeigte er sich bei der Sonntagsmesse an seinem Amtssitz Bkerke solidarisch mit den Vertriebenen und Flüchtlingen. 

Kardinal Bechara Boutros Rai, Maronitischer Patriarch von Antiochien und des ganzen Orients / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Kardinal Bechara Boutros Rai, Maronitischer Patriarch von Antiochien und des ganzen Orients / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Der Libanon sei in einen erbitterten Krieg zwischen der Hisbollah und Israel verwickelt; "einen Krieg, der uns aufgezwungen wurde" und "offiziell wie auch von der Bevölkerung abgelehnt" werde, so Rai.

"Klare, loyale Stimme des Gewissens"

Der Libanon brauche heute eine "klare, loyale Stimme des Gewissens", sagte das Oberhaupt der größten Christengemeinschaft des Landes. Diese müsse "verkünden, dass das Land seinem Volk gehört und dass die aus ihrer Heimat Vertriebenen in Würde zurückkehren müssen".

Gleichzeitig verwies Rai auf die Menschen, Christen wie Muslime, die gezwungen wurden, ihre Häuser, ihr Land und ihre Städte zu verlassen, ohne zu wissen, wann sie zurückkehren. Er fügte hinzu: "Ihr seid nicht allein. Die Kirche steht an eurer Seite; die Nation steht an eurer Seite; das Gewissen jedes freien Menschen steht an eurer Seite und fühlt euren Schmerz". Ihnen beizustehen, sei eine nationale und moralische Pflicht.

Libanon

Der Libanon ist geprägt durch das Nebeneinander zahlreicher Religionen. Mit etwa 30 Prozent hat die parlamentarische Demokratie den größten Anteil Christen in der Arabischen Welt. Die Muslime - Sunniten und Schiiten - machen inzwischen wohl mehr als 60 Prozent aus. Offiziell anerkannt sind 18 Religionsgemeinschaften, darunter die Minderheiten der Drusen und Alaviten.

Symbolbild: Flagge des Libanon / © Yulia Grigoryeva (shutterstock)
Symbolbild: Flagge des Libanon / © Yulia Grigoryeva ( shutterstock )
Quelle:
KNA