Theologe Dürnberger ordnet Habermas' Erwartungen an die Theologie ein

"Vielleicht sogar zu viel"

Obwohl er sich selbst als "religiös unmusikalisch" bezeichnete, beschäftigte sich Jürgen Habermas intensiv mit Religion. Laut dem Theologen Martin Dürnberger erwartete er von der Theologie "5durchaus viel, vielleicht sogar zu viel".

Der Philosoph Jürgen Habermas 2001 bei einer Pressekonferenz auf der Frankfurter Buchmesse / © Hanno Gutmann (epd)
Der Philosoph Jürgen Habermas 2001 bei einer Pressekonferenz auf der Frankfurter Buchmesse / © Hanno Gutmann ( epd )

Der Salzburger Theologe und Habermas-Kenner Martin Dürnberger hat dem verstorbenen Philosophen Jürgen Habermas große Erwartungen an die Theologie zugeschrieben. 

Theologe Martin Dürnberger, Professor für Fundamentaltheologie und Ökumenische Theologie und Obmann der Salzburger Hochschulwochen / © Annika Schmitz (KNA)
Theologe Martin Dürnberger, Professor für Fundamentaltheologie und Ökumenische Theologie und Obmann der Salzburger Hochschulwochen / © Annika Schmitz ( KNA )

Habermas habe von ihr "durchaus viel erwartet, vielleicht sogar zu viel", sagte Dürnberger der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress. Habermas sei für die Theologie ein inspirierender Denker - besonders dort, wo er die Frage nach "unabgegoltenem Leid und himmelschreienden Ungerechtigkeiten" aufwerfe und die Theologie als Ort der "prophetischen Benennung dessen, was fehlt" verstehe, so Dürnberger.

Habermas, der am Samstag mit 96 Jahren gestorben ist, bezeichnete sich selbst in Anlehnung an Max Weber stets als "religiös unmusikalisch" und wehrte sich gegen theologische Vereinnahmung. Gleichzeitig beschäftigte er sich besonders in seinen späteren Jahren intensiv mit Religion und der Frage, ob Inhalte religiöser Erfahrung auch für eine grundsätzlich säkulare Gesellschaft orientierende Kraft haben können.

Habermas Auftrag an Christen

Dürnberger verwies auf einen "Geburtstagsgruß", den Habermas 2025 für den inzwischen ebenfalls verstorbenen Frankfurter Religionsphilosophen Thomas Schmidt verfasst hatte. Darin verteidigte Habermas den in religiöser Erfahrung wurzelnden Dreiklang von Glaube, Liebe und Hoffnung gegen Konzepte einer inhaltlich unbestimmten Hoffnung. 

"Hier hat Habermas den Christen ins Stammbuch geschrieben, den Grund ihrer Hoffnung immer wieder neu zu aktualisieren und zu konkretisieren - denn Haltung ohne Inhalt wird zum bloßen Gestus", so Dürnberger.

Zugleich habe Habermas stets betont, dass sich religiöse Inhalte "diskursiv bewähren" und "säkular übersetzen" lassen müssten. In seinem Spätwerk "Auch eine Geschichte der Philosophie" (2019) zeichne er nach, wie theologische Konzepte im Lauf der Geschichte neue Denkwege eröffnet und die Philosophie inspiriert hätten.

v habe damit auch im Blick auf gegenwärtige und künftige Herausforderungen viel von der Theologie erwartet, so Dürnberger. "Es ist jedenfalls eine offene Frage, ob und wie sie diese Erwartungen einlösen kann."

Katholische Theologie in Deutschland

Die Theologie gehört zu den ältesten Disziplinen an den Universitäten. In Deutschland gibt es 19 Katholisch-Theologische Fakultäten und Hochschulen, an denen – neben Lehramts- und anderen Studiengängen – das fünfjährige Theologische Vollstudium (meist mit Abschluss Magister Theologie) absolviert werden kann.

Alte Bücher auf der Buchmesse / © Joachim Heinz (KNA)
Alte Bücher auf der Buchmesse / © Joachim Heinz ( KNA )
Quelle:
KNA