Die katholische Kirche muss ihren Umgang mit Macht grundlegend überdenken. Dazu hat die italienische Ordensfrau und Theologin Linda Pocher am Donnerstagabend in Innsbruck aufgerufen. "Macht ist letztlich eine unvermeidliche Dimension menschlichen Lebens", sagte sie und ermutigte dazu, Macht bewusst zu reflektieren und im Dienst der Gemeinschaft zu gestalten.
Der Diskurs über Macht werde in kirchlichen Kontexten jedoch häufig blockiert, erklärte Pocher. Grund sei oft, dass "eine defensive, theologisch-spirituelle Sprache verwendet wird, die Macht, Dienst und Gehorsam so eng miteinander verschränkt, dass sie letztlich ununterscheidbar werden". Dadurch werde das, "was eigentlich der Unterscheidung bedürfte, der Möglichkeit einer kritischen Sprache entzogen".
Problem für Frauen
"Dieser Mechanismus erzeugt eigentlich einen Effekt der Diskursverweigerung", sagte Pocher. Besonders betroffen seien Frauen: "Diese Schwierigkeit betrifft die Laien insgesamt, trifft jedoch in besonderer Weise die Frauen, die weitgehend vom institutionellen kirchlichen Leitungsamt ausgeschlossen sind." Einerseits verfügten Frauen nicht über formale Entscheidungskompetenzen, andererseits könne jede kritische Wortmeldung leicht als "Infragestellung der kirchlichen Ordnung" interpretiert werden.
Zugleich warnte sie davor, Macht zu tabuisieren: Entscheidend sei der verantwortliche Umgang mit ihr. Unter Bedingungen von Ungleichheit könne sich Macht leicht in Kontrolle oder Missbrauch verwandeln. "Wer sich in einer privilegierten Position befindet, neigt dazu, die erreichte Stellung zu sichern und die daraus erwachsenden Vorteile zu verteidigen."
Synodalität als Chance
Der synodale Reformprozess in der katholischen Kirche eröffne neue Chancen für mehr Transparenz, Verantwortung und Teilhabe. Ohne eine solche "Umkehr der innerkirchlichen Beziehungen" drohten Reformen oberflächlich zu bleiben. Pocher ist Expertin für die Frauenfrage in der katholischen Kirche.
Derzeit lehrt die Don-Bosco-Schwester Christologie und Mariologie an der Päpstlichen Fakultät für Erziehungswissenschaften Auxilium in Rom, wo sie zudem die Verantwortung für die Schule für integrale Ökologie Custodi del Giardino trägt.