Caritas international warnt vor einer humanitären Katastrophe in Afghanistan – verschärft durch die seit Wochen anhaltenden kriegerischen Gefechte zwischen Pakistan und Afghanistan. Inzwischen seien mehr als 100.000 Menschen vor den Kämpfen geflohen, erklärte die Hilfsorganisation am Donnerstag in Freiburg.
Der Krieg entlang der 2.600 Kilometer langen Landgrenze bringe neues Leid – zusätzlich zur Not von Millionen Binnenvertriebenen im Land, so die Caritas. Allein im vergangenen Jahr seien geschätzte 2,9 Millionen Afghanen und Afghaninnen aus Iran und Pakistan gezwungen worden, zurück nach Afghanistan zu gehen.
"Schulen, Kliniken und Wasserversorgung sind vielerorts überfordert. Die Binnenvertriebenen und Rückkehrenden aus Iran und Pakistan verschärfen die extrem angespannte humanitäre Lage zusätzlich", erklärte Veronika Staudacher, Büro-Leiterin von Caritas international in Kabul. Zu erwarten sei, dass auch der Krieg der USA und Israels gegen Iran weitere Fluchtbewegungen nach Afghanistan auslösen werde.
Versorgung mit Grundgütern abgeschnitten
Verheerend sei, dass durch die afghanisch-pakistanischen Kämpfe wichtige Versorgungsstraßen blockiert sind. Afghanistan sei vom Import von Grundgütern aus Iran und Pakistan abhängig, so Caritas international. Dazu gehören Getreide, Medikamente, Gemüse und Zement.
Die Hilfsorganisation rief die internationale Staatengemeinschaft auf, die humanitäre Hilfe für Afghanistan auszuweiten, Zugangswege zu öffnen und zu sichern. "Die Menschen in Afghanistan dürfen in dieser neuen regionalen Eskalation nicht vergessen werden", sagte Staudacher. "Dass Grundnahrungsmittel und Arzneien vielerorts extrem teuer geworden sind, trifft die Zivilbevölkerung hart."
Die Konflikte zwischen Afghanistan und Pakistan flammen seit Jahrzehnten immer wieder neu auf. Letztlich geht es um die nie von beiden Seiten akzeptierte Grenzziehung zwischen den Ländern. In den vergangenen Wochen sind die Gefechte eskaliert. Es kam auch zu Luftangriffen. Caritas international ist seit den 1980er Jahren in Afghanistan aktiv, etwa im Landwirtschafts- und Gesundheitsbereich.