Caritas warnt vor dramatischem Leid für Bevölkerung in Afghanistan

"Die alten Kriege nicht vergessen"

Der Krieg zwischen Pakistan und Afghanistan wird in Deutschland kaum wahrgenommen. Caritas international beschreibt das Leid der Bevölkerung und fordert mehr humanitäre Hilfen. Viele Gebiete sind von der Versorgung abgeschnitten.

Eine Frau in Landestracht steht zwischen Zelten in einem Flüchtlingscamp für Geflüchtete aus Afghanistan / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Eine Frau in Landestracht steht zwischen Zelten in einem Flüchtlingscamp für Geflüchtete aus Afghanistan / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Caritas international warnt vor einer humanitären Katastrophe in Afghanistan – verschärft durch die seit Wochen anhaltenden kriegerischen Gefechte zwischen Pakistan und Afghanistan. Inzwischen seien mehr als 100.000 Menschen vor den Kämpfen geflohen, erklärte die Hilfsorganisation am Donnerstag in Freiburg.

Der Krieg entlang der 2.600 Kilometer langen Landgrenze bringe neues Leid – zusätzlich zur Not von Millionen Binnenvertriebenen im Land, so die Caritas. Allein im vergangenen Jahr seien geschätzte 2,9 Millionen Afghanen und Afghaninnen aus Iran und Pakistan gezwungen worden, zurück nach Afghanistan zu gehen.

"Schulen, Kliniken und Wasserversorgung sind vielerorts überfordert. Die Binnenvertriebenen und Rückkehrenden aus Iran und Pakistan verschärfen die extrem angespannte humanitäre Lage zusätzlich", erklärte Veronika Staudacher, Büro-Leiterin von Caritas international in Kabul. Zu erwarten sei, dass auch der Krieg der USA und Israels gegen Iran weitere Fluchtbewegungen nach Afghanistan auslösen werde.

Versorgung mit Grundgütern abgeschnitten

Verheerend sei, dass durch die afghanisch-pakistanischen Kämpfe wichtige Versorgungsstraßen blockiert sind. Afghanistan sei vom Import von Grundgütern aus Iran und Pakistan abhängig, so Caritas international. Dazu gehören Getreide, Medikamente, Gemüse und Zement.

Veronika Staudacher

 "Dass Grundnahrungsmittel und Arzneien vielerorts extrem teuer geworden sind, trifft die Zivilbevölkerung hart."

Die Hilfsorganisation rief die internationale Staatengemeinschaft auf, die humanitäre Hilfe für Afghanistan auszuweiten, Zugangswege zu öffnen und zu sichern. "Die Menschen in Afghanistan dürfen in dieser neuen regionalen Eskalation nicht vergessen werden", sagte Staudacher. "Dass Grundnahrungsmittel und Arzneien vielerorts extrem teuer geworden sind, trifft die Zivilbevölkerung hart."

Die Konflikte zwischen Afghanistan und Pakistan flammen seit Jahrzehnten immer wieder neu auf. Letztlich geht es um die nie von beiden Seiten akzeptierte Grenzziehung zwischen den Ländern. In den vergangenen Wochen sind die Gefechte eskaliert. Es kam auch zu Luftangriffen. Caritas international ist seit den 1980er Jahren in Afghanistan aktiv, etwa im Landwirtschafts- und Gesundheitsbereich.

Humanitäre Hilfe in Afghanistan

Afghanistan zählt zu den größten humanitären Krisenherden weltweit. Nach UN-Angaben sind etwa 28 Millionen Menschen in dem Land auf Hilfe angewiesen, mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Die Afghaninnen und Afghanen leiden unter Hunger, den seit Jahrzehnten anhaltenden Konflikten sowie der Wirtschaftskrise.

Ortskräfte aus Afghanistan / © Marc Tessensohn/Bundeswehr (dpa)
Ortskräfte aus Afghanistan / © Marc Tessensohn/Bundeswehr ( dpa )
Quelle:
KNA