Johannes Joachim Kardinal Degenhardt

Kardinal Johannes Joachim Degenhardt / © Romano Siciliani (KNA)

Viele Auszeichnungen, neue Fragen - der einst hoch geschätzte Kardinal Johannes Joachim Degenhardt soll auf jeden Fall Missbrauch vertuscht haben. Nun erheben Betroffene noch sehr viel schwerwiegendere Vorwürfe.

Zu seiner Totenmesse kamen Tausende Menschen in den Paderborner Dom: Kardinal Johannes Joachim Degenhardt war völlig unerwartet im Sommer 2002 gestorben. Herzversagen mit 76 Jahren.

Fast drei Jahrzehnte hatte er als Erzbischof an der Spitze des Erzbistums Paderborn gestanden. Zahlreiche Auszeichnungen hatte er erhalten, unter anderem das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern. Nun muss seine Biografie neu betrachtet werden: Die Betroffenenvertretung im Erzbistum Paderborn erhebt Missbrauchsvorwürfe.

Der Papst war ihm verbunden

In seiner Amtszeit setzte sich Degenhardt unter anderem für die deutsch-polnische Verständigung ein. Das brachte ihm eine enge Verbundenheit mit dem aus Polen stammenden Papst Johannes Paul II. ein, der Degenhardt wohl auch wegen einiger konservativer Positionen schätzte. 2001 erhob er ihn überraschend zum Kardinal.

Bis heute umstritten ist Degenhardts Entscheidung von 1991, dem Hochschullehrer Eugen Drewermann die kirchliche Lehrbefugnis zu entziehen. Nach Ansicht des Erzbischofs leugnete der Theologe zentrale Wahrheiten des katholischen Glaubens, etwa die Jungfrauengeburt.

Von den Nazis inhaftiert

Degenhardt wurde 1926 in Schwelm geboren und wuchs in Hagen auf. Als 15-jähriger Gruppenführer im katholischen "Bund Neudeutschland" wurde er von den Nationalsozialisten für drei Wochen in der berüchtigten Dortmunder Steinwache inhaftiert und vom Gymnasium gewiesen. 1945 geriet er als Infanteriesoldat in Kriegsgefangenschaft und war unter anderem als Waldarbeiter bei Le Mans eingesetzt.

1952 wurde er zum Priester geweiht, 1974 wurde er Erzbischof von Paderborn. 2021 zeigte ein erster Zwischenbericht der Universität Paderborn, dass Degenhardt Missbrauchstaten durch Geistliche vertuschte. Heute weist darauf eine Tafel nahe seines Grabes im Paderborner Dom hin.

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KNA