Göttinger Friedenspreis an Holocaust-Überlebenden Weintraub verliehen

Auch Schulprojekt ausgezeichnet

Der Göttinger Friedenspreis ist in diesem Jahr an den Holocaust-Überlebende Leon Weintraub und das Projekt "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" gegangen. Die Preisträger wurden für ihren Einsatz für Menschenwürde ausgezeichnet.

Der Holocaust-Überlebende Leon Weintraub  / © Christoph Reichwein (dpa)
Der Holocaust-Überlebende Leon Weintraub / © Christoph Reichwein ( dpa )

Der Holocaust-Überlebende Leon Weintraub und das Schulnetzwerk "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" haben am
Samstag den Göttinger Friedenspreis erhalten. Jury-Vorsitzender Michael Brzoska hob in seiner Laudatio insbesondere das Verbindende beider Preisträger hervor, das die Jury letztlich von einer doppelten Vergabe überzeugt habe. Es sei das Engagement für Menschenwürde, für Achtung aller, gegen Diskriminierung und Gewalt, hieß es in einer Mitteilung nach der Verleihung im Deutschen Theater Göttingen.

Brzoska, der als Laudator für die kurzfristig verhinderte Filmemacherin und Antirassismus-Aktivistin Mo Asumang einspringen musste, würdigte Leon Weintraub, weil dieser authentisch über die Gefahren von Ausgrenzung, Antisemitismus und totalitärer Herrschaft berichte. "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" helfe auf dem Schulhof und im Umfeld von Schulen dabei, Rücksichtnahme, Menschlichkeit und Zivilcourage, den Einsatz gegen Diskriminierung und Rassismus sowie für Menschenwürde und Demokratie einzuüben.

Weintraub überlebte mehrere Konzentrationslager

Leon Weintraub sagte in seiner Dankesrede: "Seit 30 Jahren versuche ich, vor allem in Deutschland, Polen und Schweden gegen die zunehmenden rechtsradikalen Parteien und die extreme Linke in diesen Ländern zu wirken, da ich die Folgen fremdenfeindlicher Ideologien am eigenen Leibe erfahren habe."

Weintraub wurde 1926 im polnischen Lodz geboren und ist am 1. Januar 100 Jahre alt geworden. Er überlebte mehrere Konzentrationslager, darunter Auschwitz, Groß-Rosen und Flossenbürg. Nach dem Krieg begann er in Göttingen ein Medizinstudium. Der heute in Stockholm lebende Arzt engagiert sich seit vielen Jahren in der Erinnerungsarbeit.

Schulnetzwerk kämpft gegen Ausgrenzung

Das Projekt "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" wurde 1995 gegründet und gilt als größtes Schulnetzwerk Deutschlands im Bereich Antidiskriminierung. Schulen verpflichten sich beim Beitritt, aktiv gegen Rassismus, Mobbing und Diskriminierung vorzugehen. Voraussetzung ist die Unterstützung von mindestens 70 Prozent der Schulmitglieder. Bei der Preisverleihung war das Netzwerk von Sanem Kleff, Direktorin der Bundeskoordination, vertreten.

Der Göttinger Friedenspreis wird seit 1999 jährlich an Personen oder Organisationen verliehen, die sich wissenschaftlich oder praktisch für Frieden und gesellschaftliche Verständigung einsetzen. Stifter ist der Wissenschaftsjournalist Roland Röhl. Der 1997 gestorbene Chemiker befasste sich vor allem mit Fragen der Sicherheitspolitik sowie mit Konflikt- und Friedensforschung.

Hintergrund - Göttinger Friedenspreis

Der Göttinger Friedenspreis ist mit 3.000 Euro dotiert. Er wird jährlich an Einzelpersonen oder Gruppen verliehen, die sich durch grundlegende wissenschaftliche Arbeit oder durch herausragenden praktischen Einsatz um den Frieden besonders verdient gemacht haben. Stifter war der Göttinger Wissenschaftsjournalist Roland Röhl. Der 1997 gestorbene Chemiker befasste sich als Journalist vor allem mit Fragen der Sicherheitspolitik sowie der Konflikt- und Friedensforschung. (kna)

Friedenstaube, Symbol für den Frieden / © Velishchuk Yevhen (shutterstock)
Friedenstaube, Symbol für den Frieden / © Velishchuk Yevhen ( shutterstock )
Quelle:
KNA