Ohne Bunker ist das christliche Alten- und Pflegeheim "Beit Emmaus" in Qubeibeh im Westjordanland schutzlos den iranischen Raketenangriffen ausgesetzt. Die Leiterin des Hauses berichtete am Freitag in einem Schreiben an die Österreichische Ordenskonferenz, das der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress vorliegt, von der gefährlichen und unberechenbaren Lage vor Ort.
Schwestern und die Bewohnerinnen könnten nur hoffen und beten, "dass von den Raketen, die teilweise über uns hinwegfliegen und von der israelischen Luftabwehr abgefangen werden, keine Trümmer auf unser Haus oder Grundstück fallen", so Schwester Dominika Zelent.
Das Westjordanland sei zwar nicht direkt Ziel iranischer Angriffe, doch sei Jerusalem nur etwa zwölf Kilometer von Qubeibeh entfernt, und zwei israelische Siedlungen in unmittelbarer Nähe: "In den letzten Tagen und Nächten gab es immer wieder Bombenalarme. Wir hören das Heulen der Sirenen und das Dröhnen der Detonationen, sodass manchmal das ganze Haus wackelt."
Zudem gebe es aktuell eine erhöhte Gefahr von Terroranschlägen. Schwester Dominika schreibt: "Es reicht ein Moment, und man kann plötzlich in Gefahr geraten - zur falschen Zeit am falschen Ort. Und das bedeutet eine physische und psychische Belastung."
Krisenmodus zwischen Hoffnung und Angst
"Wir leben derzeit im Krisenmodus - zwischen Hoffnung und Angst, zwischen dem Dröhnen der Explosionen und dem leisen Gebet um Schutz", berichtete die Leiterin des Pflegeheims. Dennoch gehe das Leben weiter: "Wir gehen unseren Aufgaben nach, wir lachen und tauschen uns aus." Auch die Mitarbeitenden kämen zur Arbeit, als sei alles normal, und wirkten, als könnten sie mit der ständigen Bedrohung besser umgehen, schrieb sie.
Im Pflegeheim "Beit Emmaus", heute in Trägerschaft des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande, sind 38 Palästinenserinnen christlichen und muslimischen Glaubens untergebracht. Vier Salvatorianerinnen und eine Franziskanerin leben und arbeiten hier. Das Pflegeheim gibt es seit rund 50 Jahren. Es ist ein wichtiger Arbeitgeber in der Region - die meisten Mitarbeitenden sind Muslime.