Christliches Pflegeheim im Westjordanland ist ohne Bunker

"Wir leben derzeit im Krisenmodus"

Das christliche Pflegeheim "Beit Emmaus" im Westjordanland ist Raketen, Explosionen und Trümmern aktuell schutzlos ausgeliefert. Denn hat es keinen Luftschutzbunker. Trotzdem geht der Alltag der dort lebenden Bewohnerinnen weiter.

Hildegard Enzenhofer, Ordensschwester der Salvatorianerinnen und Hausleiterin im Alten- und Pflegeheim Beit Emmaus in Qubeibeh in den Palästinensischen Autonomiegebieten, mit einer Bewohnerin am 14. März 2019 / © Andrea Krogmann (KNA)
Hildegard Enzenhofer, Ordensschwester der Salvatorianerinnen und Hausleiterin im Alten- und Pflegeheim Beit Emmaus in Qubeibeh in den Palästinensischen Autonomiegebieten, mit einer Bewohnerin am 14. März 2019 / © Andrea Krogmann ( KNA )

Ohne Bunker ist das christliche Alten- und Pflegeheim "Beit Emmaus" in Qubeibeh im Westjordanland schutzlos den iranischen Raketenangriffen ausgesetzt. Die Leiterin des Hauses berichtete am Freitag in einem Schreiben an die Österreichische Ordenskonferenz, das der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress vorliegt, von der gefährlichen und unberechenbaren Lage vor Ort. 

Schwestern und die Bewohnerinnen könnten nur hoffen und beten, "dass von den Raketen, die teilweise über uns hinwegfliegen und von der israelischen Luftabwehr abgefangen werden, keine Trümmer auf unser Haus oder Grundstück fallen", so Schwester Dominika Zelent.

Menschen in einem Luftschutzbunker in Berg-Karabach / © Siranush Sargsyan (dpa)
Menschen in einem Luftschutzbunker in Berg-Karabach / © Siranush Sargsyan ( dpa )
Symbolbild: Menschen in einem Luftschutzbunker in Berg-Karabach

Das Westjordanland sei zwar nicht direkt Ziel iranischer Angriffe, doch sei Jerusalem nur etwa zwölf Kilometer von Qubeibeh entfernt, und zwei israelische Siedlungen in unmittelbarer Nähe: "In den letzten Tagen und Nächten gab es immer wieder Bombenalarme. Wir hören das Heulen der Sirenen und das Dröhnen der Detonationen, sodass manchmal das ganze Haus wackelt." 

Zudem gebe es aktuell eine erhöhte Gefahr von Terroranschlägen. Schwester Dominika schreibt: "Es reicht ein Moment, und man kann plötzlich in Gefahr geraten - zur falschen Zeit am falschen Ort. Und das bedeutet eine physische und psychische Belastung."

Krisenmodus zwischen Hoffnung und Angst

"Wir leben derzeit im Krisenmodus - zwischen Hoffnung und Angst, zwischen dem Dröhnen der Explosionen und dem leisen Gebet um Schutz", berichtete die Leiterin des Pflegeheims. Dennoch gehe das Leben weiter: "Wir gehen unseren Aufgaben nach, wir lachen und tauschen uns aus." Auch die Mitarbeitenden kämen zur Arbeit, als sei alles normal, und wirkten, als könnten sie mit der ständigen Bedrohung besser umgehen, schrieb sie. 

Eine deutsche Praktikantin mit einer Bewohnerin des Alten- und Pflegeheims Beit Emmaus am 17. Januar 2018 in Qubeibeh / © Andrea Krogmann (KNA)
Eine deutsche Praktikantin mit einer Bewohnerin des Alten- und Pflegeheims Beit Emmaus am 17. Januar 2018 in Qubeibeh / © Andrea Krogmann ( KNA )

Im Pflegeheim "Beit Emmaus", heute in Trägerschaft des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande, sind 38 Palästinenserinnen christlichen und muslimischen Glaubens untergebracht. Vier Salvatorianerinnen und eine Franziskanerin leben und arbeiten hier. Das Pflegeheim gibt es seit rund 50 Jahren. Es ist ein wichtiger Arbeitgeber in der Region - die meisten Mitarbeitenden sind Muslime. 

Deutscher Verein vom Heiligen Lande

Seit mehr als 160 Jahren engagiert sich der Deutsche Verein vom Heiligen Lande (DVHL) für die Menschen im Nahen Osten – immer vor dem Hintergrund des interreligiösen Dialogs und friedenspolitischen Engagements. "Mit Erfahrung und Kompetenz sind wir auf einzigartige Weise im Nahen Osten präsent. Wir engagieren uns dort, wo Menschen konkrete Hilfe brauchen, und treten mit ihnen für eine bessere Zukunft ein." Im Spannungsfeld von Judentum, Christentum und Islam stehen sie für Verständigung, Versöhnung und Frieden.

Blick auf Jerusalem / © Kyrylo Glivin (shutterstock)
Quelle:
KNA