Der Versuch der deutschen Bischöfe, in Rom eine Ausnahmegenehmigung für die Laienpredigt in der Eucharistiefeier zu erwirken, ist aus Sicht des Freiburger Liturgiewissenschaftlers Helmut Hoping kirchenpolitisch motiviert.
"Nachdem man mit den zentralen Forderungen der Agenda des Synodalen Weges nicht durchgedrungen ist, will man am Ende wohl nicht mit leeren Händen dastehen", sagte er in einem Interview mit der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost" vom Donnerstag.
Der Theologe schränkte ein: Es sei interessant, dass der Synodale Weg in seinem Handlungstext "Verkündung des Evangeliums durch beauftragte Getaufte und Gefirmte in Wort und Sakrament" die Forderung nach Laienpredigt in der Messe nicht nur mit Priestermangel und Geschlechtergerechtigkeit begründet habe, sondern auch mit der Sicherung und Optimierung der Qualität der Homilie. Dazu sagte Hoping: "Sollte es um die Homilie von Priestern und Diakonen schlecht bestellt sein, bestünde dringender Handlungsbedarf."
Physisch oder moralisch zur Homilie fähig?
Von diesem Handlungsbedarf zeigte sich der Theologe nicht überzeugt. Es bestehe keine Pflicht zur Predigt in einer Werktagsmesse. Die trotzdem immer häufiger stattfindende Homilie in Werktagsmessen werfe die Frage auf, warum ein Priester in der sonntäglichen Messfeier nicht in der Lage sein sollte, die Homilie zu halten, wenn er werktags predigen könne: "Wer in der Lage ist, der Feier der Eucharistie als Zelebrant vorzustehen, dem sollte es physisch auch möglich sein, die Schrifttexte auszulegen." Er halte es für "wenig überzeugend", sich auf das Fehlen eines Priesters oder Diakons zu berufen, der "physisch oder moralisch" predigen könne.
Ausländische Priester mit Sprachbarrieren solle man sprachlich so schulen, "dass sie in der Lage sind, eine Homilie zu halten". Hoping führte aus, warum die Homilie aus seiner Sicht geweihten Amtsträgern vorzubehalten sei: Das theologische Argument dafür sei die Einheit von Wort und Sakrament, die bei Priestern und Diakonen "besonders signifikant in ihrem Dienst am Tisch des Wortes (Verkündigung des Evangeliums/Homilie) und am Tisch des Herrenleibes (Darbringung der Eucharistie am Altar)" zum Ausdruck komme. Zu diesem Dienst würden Priester und Diakone geweiht.
Fakten schaffen als Strategie
Der Liturgiewissenschaftler sagte, die Mehrheit der deutschen Bischöfe setze offenbar "auf die normierende Kraft des Faktischen", indem sie betone, die Laienpredigt sei schon vielerorts Praxis. "Diese Strategie scheint man auch bei Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare zu verfolgen, obschon solche Segensfeiern durch die Erklärung 'Fiducia Supplicans' (2023) des Dikasteriums für die Glaubenslehre ausdrücklich untersagt sind, was Kardinal Fernández, Präfekt des Dikasteriums, mehrfach deutlich gemacht hat", sagte er.
Bei der Einführung der Handkommunion sei die Strategie des Fakten-Schaffens in Rom erfolgreich gewesen. Hoping sagte,"die Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten" habe die Handkommunion "jedenfalls nicht gefördert". Er selbst praktiziere kontextbezogen Hand- oder Mundkommunion: "Doch mehr und mehr komme ich zu der Überzeugung, dass die Mundkommunion die angemessenere Weise ist, den Leib Christi zu empfangen."