Spitzenvertreter der katholischen und evangelischen Kirche in Brandenburg haben sich verwundert geäußert, dass das gesellschaftliche Engagement der Kirchen im neuen Koalitionsvertrag von CDU und SPD nicht weiter gewürdigt wird.
Während frühere Koalitionsverträge die Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirchen betont hatten, kommen letztere in dem am Mittwoch von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und CDU-Landes- und Fraktionschef Jan Redmann in Potsdam vorgestellten Vertrag nicht vor.
Es heißt darin lediglich, man setze sich für den Erhalt von Dorfkirchen und Dorfgemeinschaftshäusern als gesellschaftliche Treffpunkte ein. "Ich bin tatsächlich erstaunt, dass die Dorfkirchen zwar erwähnt werden, aber das herausragende Engagement der Kirchengemeinden und ihrer Einrichtungen offensichtlich keiner Erwähnung für wert erachtet wurde", sagte der Länderbeauftragte der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Martin Vogel, auf Anfrage. "Ich halte das für einen großen Fehler und bedauere das sehr."
Kirchen als vielfältige Akteure
Auch der Leiter des katholischen Büros Berlin-Brandenburg, Gregor Engelbreth, zeigte sich irritiert. Man begrüße, dass sich die Koalitionspartner für neues gesellschaftliches Vertrauen und den Erhalt der Demokratie einsetzen wollten. "Dass die Kirchen hier vielfältig als Akteure beteiligt sind und dann nicht erwähnt werden, ist aber überraschend", so Engelbreth. "Ich hätte mir schon gewünscht, dass die Zusammenarbeit mit den Kirchen, ähnlich wie in früheren Koalitionsverträgen, erwähnt wird."
Eingang in den Koalitionsvertrag hat dagegen die Zusammenarbeit des Landes mit den jüdischen Gemeinden gefunden. "Brandenburg ist Heimat für Jüdinnen und Juden", heißt es. "Davon zeugen die Synagogen und jüdischen Gemeindehäuser sowie das Synagogenzentrum in Potsdam.
"Jüdisches Leben gehöre sichtbar in die Mitte der Gesellschaft und müsse konsequent gegen jegliche Form von Antisemitismus und Anfeindung geschützt werden. Zudem verpflichteten sich die Koalitionspartner zur Schaffung eines neuen Staatsvertrags mit dem jüdischen Landesverband.