US-Bischöfin und Kirchen wehren sich gegen US-Einwanderungsbehörde

Seelsorge leisten und Gefangene besuchen

In Minneapolis verändert der Widerstand gegen ICE das Gemeindeleben. Die lutherische Bischöfin Jen Nagel meldet sinkende Gottesdienstzahlen und klagt auf Zugang zu Inhaftierten im Whipple-Building. Kirchen pochen auf Religionsfreiheit.

Autor/in:
Konrad Ege
Minneapolis: Menschen protestieren gegen die US-Einwanderungsbehörde (ICE) / © Yuki Iwamura/AP (dpa)
Minneapolis: Menschen protestieren gegen die US-Einwanderungsbehörde (ICE) / © Yuki Iwamura/AP ( dpa )

In Minneapolis hat der Widerstand gegen die Einwanderungsbehörde ICE laut der lutherischen Bischöfin Jen Nagel in Kirchengemeinden zu Veränderungen geführt. Die Kirche kämpft vor Gericht um das Recht, von ICE-Inhaftierten seelsorgerlich zu betreuen.

Beamte der US-Einwanderungsbehörde ICE halten eine Person während einer Demonstration fest / © Adam Gray/AP (dpa)
Beamte der US-Einwanderungsbehörde ICE halten eine Person während einer Demonstration fest / © Adam Gray/AP ( dpa )

Wegen des aggressiven Vorgehens der Einwanderungsbehörde ICE sind in Minneapolis im Mittleren Westen der USA die Zahlen der Gottesdienstbesucher in manchen Gemeinden zurückgegangen. Manche Menschen hätten Angst, ihre Wohnungen zu verlassen, sagte die für die Region zuständige Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika (ELCA), Jen Nagel, dem Evangelischen Pressedienst (epd). 

Zugleich erlebten Menschen eine "sehr authentische" Kirche, die ihrem Kernanliegen nachkomme: Seelsorge leisten, Hungrigen zu essen geben und Gefangene besuchen. In Minnesota haben zahlreiche Stadtbewohner gegen Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE demonstriert. 

In Minneapolis sorgten im Januar tödliche Schüsse von Bundesbeamten im Zusammenhang mit verschärften ICE-Operationen für Empörung: Die US-Bürger Renée Good und Alex Pretti wurden dabei getötet. Nagel sprach von einer "unglaublich intensiven Zeit", in der die Kirche "in viele Richtungen" gezogen worden sei. Gemeindemitglieder leisteten Lebensmittelhilfe und besuchten Mitglieder, die sich aus Angst vor ICE in ihren Häusern versteckten.

Ort des "tiefen Traumas" 

Die von Bischöfin Nagel geleitete ELCA-Synode der Region Minneapolis hat die Einwanderungsbehörde ICE verklagt. In der Klage heißt es, dass ICE Geistlichen den Zugang zum sogenannten Whipple Building verwehre – jenem Gebäude, in das in Minneapolis festgenommene Personen gebracht werden. Damit werde das in der Verfassung garantierte Recht auf freie Religionsausübung verletzt.

Proteste gegen die US-Einwanderungsbehörde ICE / © Nam Y. Huh/AP (dpa)
Proteste gegen die US-Einwanderungsbehörde ICE / © Nam Y. Huh/AP ( dpa )

Der Klage haben sich die Minnesota Conference der United Church of Christ sowie ein Jesuitenpater angeschlossen. Die Klage beschreibt einen Vorfall am 18. Februar, bei dem Nagel bei einem versuchten pastoralen Besuch angeblich aus Sicherheitsgründen von dem Bundesgebäude abgewiesen worden sei. Auch Pastorin Susie Hayward von der Creekside United Church of Christ in Minneapolis, einer Gemeinde der Vereinigten Kirche Christi, sei abgewiesen worden. 

Das Whipple-Gebäude sei für die Festgenommenen ein Ort des "tiefen Traumas", sagte Hayward dem epd. Es gebe Berichte über Überfüllung, Inhaftierte hätten Schwierigkeiten, Angehörige zu erreichen. 

Erinnerung an Sozial-Bischof 

Bei einer "Metro Surge" genannten Kampagne in dem 430.000 Einwohner zählenden Minneapolis hat ICE seit Dezember vergangenen Jahres mehr als 3.000 Beamte eingesetzt. Tausende Menschen wurden wegen Verdachts auf illegalen Aufenthalt festgenommen. Mitte Februar hat ICE einen teilweisen Abzug der Beamten bekannt gegeben. Mit rund 2,8 Millionen Mitgliedern ist die ELCA eine der größten protestantischen Kirchen in den USA. Das Whipple-Gebäude ist nach Henry Whipple benannt, dem ersten Bischof der Episkopalkirche in Minnesota, der sich im 19. Jahrhundert stark für soziale Belange eingesetzt hat.

Die katholische Kirche in den USA

Die römisch-katholische Kirche ist die größte Glaubensgemeinschaft der USA, denn die Protestanten teilen sich in verschiedene Konfessionen. Ein knappes Viertel der US-Amerikaner ist katholisch, die meisten Katholiken leben im Nordosten und im Südwesten. Genaue Zahlen sind schwierig, weil in den USA der Wechsel einer Konfession sehr häufig vorkommt.

Die katholische Kirche in den USA / © rawf8 (shutterstock)
Die katholische Kirche in den USA / © rawf8 ( shutterstock )
Quelle:
epd