Die katholische Theologie in Deutschland verliert nach Einschätzung des Eichstätter Theologen Benjamin Dahlke zunehmend gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Einfluss.
In einem Beitrag für das Portal katholisch.de warnte der Dogmatiker am Wochenende vor einem Verfall der Debattenkultur. Da immer weniger Menschen das Fach studieren, fehle der Wissenschaft mittlerweile das Publikum. Das Hauptproblem sei laut Dahlke, dass in der Fachwelt aktuell oft "mehr geschrieben als gelesen" werde.
Der massive Rückgang der Studierenden im theologischen Vollstudium hat laut Dahlke direkte Folgen: "Weniger Studierende bedeuten automatisch weniger potenzielle Leser", schreibt der Professor der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Viele Fachbücher erreichten nur noch Kleinstauflagen im niedrigen dreistelligen Bereich.
Von einigen Doktorarbeiten oder Sammelbänden würden sogar weniger als 100 Stück verkauft. Damit drohe der Fachwelt, der öffentliche Raum für ihre Themen verloren zu gehen.
Die Sinnfrage in der Forschung
Dahlke sieht darin auch eine Gefahr für die Forscher. Da jedes Buch zahllose Arbeitsstunden und ganze Forschungssemester koste, stelle sich die Frage nach dem Nutzen dieser Arbeit. Es gehe dabei um den "effektiven Einsatz knapper werdender Ressourcen" sowie um die "für die Berufszufriedenheit so wichtige Selbstwirksamkeit".
Als Gründe für das sinkende Interesse nennt er zudem das Schwinden des klassischen Bildungsbürgertums und die Digitalisierung, durch die knappe Online-Beiträge komplexe Bücher verdrängen.
Lösungsweg nach US-Vorbild
Um die Relevanz des Fachs zu retten, schlägt Dahlke vor, sich an der Wissenschaftskultur der USA zu orientieren. Dort werden neue Bücher oft in großen öffentlichen Veranstaltungen, sogenannten "book launches", gefeiert und kritisch diskutiert. Solche Formate könnten auch in Deutschland zeigen, wie gewinnbringend die intellektuelle Beschäftigung mit dem Glauben sein kann.
Die Theologie müsse sich verstärkt aktuellen Themen wie Einsamkeit oder dem Verhältnis von Religion und Politik widmen, fordert Dahlke.
Das Ziel müsse sein, dass "mit viel Engagement geschriebene Werke" reale Leser erreichten und bei ihnen etwas bewirkten. Nur so könne die Theologie ein Ort bleiben, an dem der christliche Glaube "wissenschaftlich verantwortet, kritisch geprüft und im Gespräch mit Philosophie und anderen Disziplinen begründet und diskutiert wird".