Tausend überwiegend junge und jüngere Menschen haben am vergangenen Freitag die mittlerweile 24. Nacht der Lichter im Paderborner Dom gefeiert. Durch das Licht und die Wärme von tausend Kerzen, durch biblische Texte, Gebete, besinnlich-melodisch vorgetragene Taizé-Gesänge, aber auch durch Stille entstand in der Kathedralkirche eine Atmosphäre, die die Teilnehmenden der Feier ansprach und anrührte.
Unter dem Leitwort "Wo stehst Du?" erfuhren die Jugendlichen, Frauen und Männer in der Bischofskirche des Erzbistums eine geistliche Inspiration, wurde Glaube und Spiritualität besonders nah erlebbar. Die diesjährige "Nacht der Lichter" wurde von Mitarbeitenden der Abteilung Jugend / Junge Erwachsene im Erzbischöflichen Generalvikariat, der Diözesan-Kolpingjugend und des Jugendhauses Hardehausen vorbereitet.
Diözesanjugendpfarrer Tobias Hasselmeyer leitete den Gottesdienst im vollbesetzten Dom. Ein Projektchor stimmte die Taizé-Gesänge an und begleitete die Teilnehmenden. Für taube und hörbehinderte Menschen übertrug Sr. Judith Beule SMMP die Texte und Lieder der gottesdienstlichen Feier in die Deutsche Gebärdensprache.
Position aus dem Glauben
Die Musik aus Taizé sei eine Möglichkeit, um mit Worten der Heiligen Schrift zu beten für das, was die Welt brauche: "Frieden, Verständigung, Solidarität, Platz für Gottes Idee vom Leben", bekräftigte Diözesanjugendpfarrer Tobias Hasselmeyer in einem Grußwort. Daraus erwachse eine "wirksame Kraft".
Durch das gemeinsame Verbinden – miteinander und mit Gott – sei Standhaftigkeit zu gewinnen sowie ein fester Grund in Jesus Christus.
"Das brauchen wir und das braucht diese Welt von uns!" Das Leitwort "Wo stehst Du?" der Nacht der Lichter 2026 lade dazu ein, "gegen gesellschaftlichen und politischen Druck selbst eine Position aus dem Glauben heraus zu finden". "Christus ist das Fundament, auf dem wir sicher stehen."
Taizé-Atmosphäre
Die anfängliche Dunkelheit in der Kathedralkirche des Erzbistums, später das Licht von tausend Kerzen, Gesänge, Texte aus der Heiligen Schrift, aber auch Stille und der besonders gestaltete Altarraum sorgten im Paderborner Dom für die Atmosphäre, die die "Nacht der Lichter" Jahr für Jahr besonders macht.
Junge Menschen sowie Gläubige aller Generationen sind von dieser Atmosphäre seit vielen Jahren angerührt und begeistert. Die "Nacht der Lichter" im Paderborner Dom ist den Gebetsgottesdiensten nachempfunden, die in der "Kirche der Versöhnung" im südburgundischen Taizé (Frankreich) gefeiert werden.
Kennzeichen der Liturgie in der "Nacht der Lichter" sind kurze, biblische Textimpulse sowie Zeiten der Stille. Getragen wird der Gottesdienst von den bekannten, mehrsprachigen Taizé-Gesängen. Die sich wiederholenden Gesänge von Taizé und (biblische) Texte laden dazu ein, zur Ruhe zu kommen, den Alltag hinter sich zu lassen und im Gebet mit Gott ins Gespräch zu kommen.
Nach der Kreuzverehrung, die fester Bestandteil der Liturgie ist, bestand für die Teilnehmenden die Möglichkeit, mit einer Seelsorgerin oder einem Seelsorger in einer der Seitenkapellen des Domes ein persönliches Gespräch zu führen oder gesegnet zu werden. Auch das Sakrament der Versöhnung konnte empfangen werden.
Die Texte aus der Heiligen Schrift wurden in diesem Jahr im Gottesdienst auf Deutsch, Polnisch, Französisch, Portugiesisch, Konkani (Indien), Spanisch sowie in Gebärdensprache vorgetragen.
"Durch die vielen verschiedenen Sprachen und Sprachformen sowie die besondere Musik im Gottesdienst möchten wir möglichst viele Menschen ansprechen und einladen", erläutert Stefan Drießen, Referent für spirituell-missionarische Jugendpastoral im Erzbistum Paderborn. Für die musikalische Gestaltung sorgten die Sängerinnen und Sänger sowie Instrumentalisten eines Taizé-Chores unter der Leitung von Kirchenmusiker Tobias Leschke.
Nacht der Lichter
Die Nacht der Lichter hat ihren Ursprung in der Liturgie der Gemeinschaft der Brüder von Taizé (Frankreich), die in dieser Form jeden Samstagabend die Auferstehung Jesu feiern. Typisch für eine Nacht der Lichter ist, dass der Kirchenraum zu Beginn des Gebets recht dunkel ist und dann später im Gottesdienst durch ein Meer von Kerzen erhellt wird.
Aber nicht nur das prägt diese Form der Feier, auch zu Ruhe führende, sich mehrfach wiederholende mehrsprachige Gesänge, biblische Texte und eine Zeit der Stille sind typisch für diese Gottesdienstform.