Abt Nikodemus berichtet zur Lage nach dem Angriff Israels auf den Iran

"Woran denkst du, wenn du im Luftschutzbunker sitzt?"

Nikodemus Schnabel, Abt der Dormitio-Abtei in Jerusalem, saß am Samstag nach dem Angriff Israels auf den Iran zusammen mit 60 Menschen im Luftschutzbunker. Woran sie dabei gedacht haben, berichtet er in einem Video.

Autor/in:
Abt Nikodemus Schnabel OSB
Abt Nikodemus Schnabel OSB (Dormitio)
Abt Nikodemus Schnabel OSB / ( Dormitio )

"Woran denkst du, wenn du im Luftschutzbunker sitzt? 

Hallo, ich bin Abt Nikodemus und ich bin gerade in Tabgha in unserem Luftschutzbunker. 

Vor ein paar Stunden saß ich hier zwei Stunden lang. Nicht nur ich, sondern alle meine Mitbrüder, unsere Angestellten, unsere Volontäre aus Hongkong, den USA, ein Einzelpilger aus Deutschland und eine große französische Pilgergruppe aus einer Pfarrei in Paris. Da waren wirklich vom Kleinkind bis zur Oma alle Altersklassen dabei. 

Wir saßen hier, 60 Leute, hier in diesem Raum. Man hört draußen die Knallgeräusche, die Geräusche von Zerstörung und Vernichtung und man spürt, wie der Boden auch diese Schwingung aufnimmt. 

Wir waren hier, haben gesungen und in verschiedenen Sprachen gebetet. An was denkt man da? Ich habe gespürt: Keiner hat gedacht "Oh, ich habe Angst um mein Leben", sondern das war der Gedanke an die anderen. 

Was ist mit denen, die jetzt gerade keinen Luftschutzbunker haben wie wir, die nicht so privilegiert sind, die gerade auf der Straße sind? Was ist mit denen, die gerade um ihre Familien zittern, bei denen sie nicht sein können? Was ist mit den Menschen im Iran, in Israel, Palästina, in den ganzen Ländern hier, die nicht wissen, was los ist und auf einmal wieder mit Krieg konfrontiert sind?

Wir haben gebetet für all diese Menschen. Es hat gut getan. Nicht wir standen im Zentrum unserer Gebete, sondern die Menschen um uns herum, um die wir in Sorge waren. Wir wurden so wie zu einer Hoffnungsinsel in einem Ozean von Leid. 

Ich frage dich, wenn du in der Krise bist, wenn du im Bunker sitzt, woran denkst du?"

Quelle:
DR

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