Vatikanischer Exerzitien-Leiter spricht über Skandale in der Kirche

Schaden kommt von innen

Die Fastenzeit ist Gelegenheit zur Buße. Das hat der Leiter der diesjährigen Exerzitien im Vatikan aufgegriffen. Der Trappistenmönch Erik Varden schont die Kardinäle nicht. Er spricht über Skandale in geistlichen Bewegungen.

Bischof Erik Varden (r.), Prälat von Trondheim, Apostolischer Administrator von Tromso (Norwegen), und Vorsitzender der Nordischen Bischofskonferenz, spricht zu Beginn der Fasten-Exerzitien mit Papst Leo XIV. am 22. Februar 2026 in der Paulinischen Kapelle des Apostolischen Palastes im Vatikan / © Vatican Media (KNA)
Bischof Erik Varden (r.), Prälat von Trondheim, Apostolischer Administrator von Tromso (Norwegen), und Vorsitzender der Nordischen Bischofskonferenz, spricht zu Beginn der Fasten-Exerzitien mit Papst Leo XIV. am 22. Februar 2026 in der Paulinischen Kapelle des Apostolischen Palastes im Vatikan / © Vatican Media ( KNA )

Verfehlungen und Verfall von innen fügen der Kirche mehr Schaden zu als ihre Gegner aus der säkularen Welt. Mit dieser These hat der Leiter der diesjährigen Fastenexerzitien im Vatikan, der norwegische Trappist Erik Varden, die Leitungsebene der römischen Kurie konfrontiert.

Erik Varden, Bischof von Trondheim (Bonifatiuswerk)

"Es gibt höllisch stinkende Abstürze, in deren Folge die Schuldigen zugrunde gehen, und die Zerstörung zurücklassen. Und die ist oft umfassend und lang und zieht viele Unschuldige mit hinab", so Varden laut einem vom Vatikan am Mittwoch verbreiteten Manuskript.

Schaden der Kirche kommt von innen

Er fuhr fort: "Nichts hat der Kirche schlimmeren Schaden zugefügt und unseren Ruf mehr kompromittiert als die Verderbnis, die im eigenen Haus entstanden ist. Die schlimmste Krise hat der Kirche nicht die Gegnerschaft der Säkularen eingetragen, sondern die kirchliche Verdorbenheit. Die zugefügten Wunden brauchen Zeit zum Heilen, sie rufen nach Gerechtigkeit und Tränen."

Insbesondere ging Varden in seinen Ausführungen auf schwere moralische Skandale in neueren geistlichen Gemeinschaften ein. In mehreren dieser Gruppierungen waren in den vergangenen Jahren schwere sexuelle Vergehen gerade in der Gründergeneration bekannt geworden.

Gegen Trennung von Leib und Seele

Diese Gemeinschaften hätten zunächst einen sehr positiven Eindruck gemacht, betonte Varden. Er fragte, wie es sein könne, dass es trotz zweifellos vorhandener "Spuren der Heiligkeit" solch "entstellte Entwicklungen" gegeben habe.

Papst Leo XIV. während der Fasten-Exerzitien am 22. Februar 2026 in der Paulinischen Kapelle des Apostolischen Palastes im Vatikan / © Vatican Media (KNA)
Papst Leo XIV. während der Fasten-Exerzitien am 22. Februar 2026 in der Paulinischen Kapelle des Apostolischen Palastes im Vatikan / © Vatican Media ( KNA )

Als Gegenmittel dazu empfahl er, das geistliche Leben nicht als etwas anzusehen, was von der übrigen Existenz entkoppelt sei. Mit Nachdruck warnte er vor jeglicher Form eines Dualismus, der Leib und Seele trennt. "Wir müssen uns stets daran erinnern, dass das Wort Fleisch geworden ist, damit unsere leibliche Existenz vom Wort durchdrungen wird."

Bei den einwöchigen Fasten-Exerzitien im Vatikan hören die leitenden Mitarbeiter des Papstes täglich geistliche Vorträge in einer Kapelle im Vatikan. Diese Übung gibt es im Vatikan seit 1929. Der von Papst Leo XIV. ausgewählte Leiter der diesjährigen Exerzitien ist der Trappistenmönch Erik Varden (51). Seit 2019 ist er Bischof in Trondheim (Norwegen). 

Fastenzeit

Die 40-tägige christliche Fastenzeit beginnt Aschermittwoch und endet am Gründonnerstag vor Ostern. Seit dem 5. Jahrhundert rückte während der Vorbereitung auf Ostern das Fasten in den Mittelpunkt. Da an Sonntagen nicht gefastet werden sollte und sie deshalb nicht als Fastentage gezählt werden, wurde der Beginn der Fastenzeit offenbar im sechsten oder siebten Jahrhundert vom sechsten Sonntag vor Ostern auf den vorhergehenden Mittwoch, den Aschermittwoch, vorverlegt.

Fastenzeit / © Tomasetti (DR)
Fastenzeit / © Tomasetti ( DR )
Quelle:
KNA