Nicaraguas Kirche befindet sich auf einem Leidensweg

Auch in der Fastenzeit reißen staatliche Repressionen nicht ab

Die Verfolgung der katholischen Kirche in Nicaragua nimmt kein Ende. Die Fastenzeit hat dort mit der Ausweisung eines weiteren katholischen Geistlichen begonnen. Aktivisten berichten von Einschränkungen traditioneller Umzüge.

Autor/in:
Tobias Käufer
Fahne Nicaraguas / © BUTENKOV ALEKSEI (shutterstock)

Wie nicaraguanische Exil-Medien vor wenigen Tagen berichtet haben, durfte der Pfarrer José Concepción Reyes Mairena bereits Mitte vergangener Woche nicht mehr in seine Heimat einreisen. Er hatte sich zuvor zwei Jahre in Spanien aufgehalten.

Die Behörden am Internationalen Flughafen in Managua hätten ihm mitgeteilt, dass ihm eine Wiedereinreise verweigert werde, hieß es. Reyes Mairena stammt aus der Diözese Leon, die von Bischof René Sócrates Sándigo Jirón geleitet wird. Ihm werden vergleichsweise gute Kontakte zum sandinistischen Regime von Machthaber Daniel Ortega und seiner Frau und gleichberechtigten Stellvertreterin Rosario Murillo nachgesagt.

Prozession in Nicaragua / © TLF Images (shutterstock)

Damit stieg die Zahl der zur Ausreise gezwungenen oder an der Wiedereinreise gehinderten Kirchenleute nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen auf 309. Am Wochenende meldeten lokale Medien, dass die Regierung in Managua zudem wieder gegen die populären Kreuzwege während der Fastenzeit vorgehe. "409 Kreuzwege wurden von der Diktatur Ortega-Murillo verboten, die Befehle wurden erteilt. Alles muss innerhalb der Kirchen stattfinden", schrieb die nicaraguanische Aktivistin Martha Patricia Molina, die von Las Vegas aus mutmaßliche Verletzungen der Religionsfreiheit in Nicaragua dokumentiert.

Es begann mit Sozialprotesten

Nach Recherchen Molinas, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, hat die Kirche seit Beginn der Sozialproteste 2018 bis August 2025 rund 1.070 Akte der Repression gegen die katholische Kirche verübt und 16.500 Prozessionen verboten. Molina berichtete, es sei üblich, dass "die Diktatur gelegentlich die Polizei schickt, um Priester aus religiösen Aktivitäten oder Messen herauszuziehen und sie zu bedrohen; es ist ihnen egal, ob die Priester gerade eine Messe feiern".

Daniel Ortega, Präsident von Nicaragua mit seiner Ehefrau und Vizepräsidentin Rosario Murillo / © Xin Yuewei (dpa)
Daniel Ortega, Präsident von Nicaragua mit seiner Ehefrau und Vizepräsidentin Rosario Murillo / © Xin Yuewei ( dpa )

Die Krise zwischen Regierung und Kirche in Nicaragua begann im Jahr 2018. Damals gingen zunächst Studenten auf die Straße, um gegen die Brandrodung in einem wertvollen Ökosystem zu demonstrieren. Sie warfen der Regierung Ortega vor, die Grundstücke an befreundete Unternehmer verkaufen zu wollen. Schnell breiteten sich die Proteste landesweit aus und erfassten nun alle gesellschaftlichen Schichten, die die Renten- und Sozialpolitik des sandinistischen Regimes kritisierten.

Auf die Proteste reagierte die Regierung mit brutaler Gewalt und ließ auf Demonstranten schießen. Die Kirchen öffneten ihre Türen, um denen, die vor den Polizeiknüppeln und -kugeln flohen, Schutz zu bieten. Darauf antwortete die Regierung mit massiver Repression gegen kirchliche Einrichtungen, Beschlagnahmungen, Festnahmen von Geistlichen und dem Verbot öffentlicher Prozessionen oder Kreuzwege.

"Die Kirche mundtot machen"

Ex-Präsidentschaftskandidat Nicaraguas Felix Maradiaga / © Jose Luis Magana (dpa)
Ex-Präsidentschaftskandidat Nicaraguas Felix Maradiaga / © Jose Luis Magana ( dpa )

Der ehemalige Präsidentschaftskandidat Felix Maradiaga, der vor den Wahlen 2022 wie alle anderen aussichtsreichen Oppositionspolitiker verhaftet und vom Urnengang ausgeschlossen wurde, sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), hinter der Strategie des Regimes stecke ein ganz klares Ziel: "Sie wollen die Kirche mundtot machen, zum Schweigen bringen. Sie wollen, dass sie vom Erdboden verschwindet".

Auch Maradiaga verweist darauf, dass kirchliche Einrichtungen 2018 den Protestierenden Asyl boten - und nichtsdestoweniger Demonstranten auf Kirchengelände von der Polizei getötet wurden. "Seitdem betrachtet Ortega die Kirche als Feind der Sandinisten", sagt Maradiaga.

Trotz Überwachung der Kirchen strömten laut einem Bericht des Portals "Despacho505" am Aschermittwoch Tausende Gläubige in die Gotteshäuser, um an den Messen zu Beginn der Fastenzeit teilzunehmen.

Nicaragua schiebt inhaftierte Bischöfe und Geistliche nach Rom ab

In Nicaragua hat das links-sandinistische Regime laut einem Bericht des regierungskritischen Portals "La Prensa" zwei inhaftierte Bischöfe sowie 14 weitere Geistliche und zwei Seminaristen aus dem Gefängnis entlassen und in Richtung Vatikan abgeschoben. Das Portal "100 Noticias" veröffentlichte Bilder aus den Sozialen Netzwerken, die die ausgewiesenen Bischöfe Rolando Alvarez und Isidoro Mora bereits bei einem Dankgottesdienst in Rom zeigen sollen.

Symbolbild Flugzeug in der Luft / © ABCDstock (shutterstock)
Symbolbild Flugzeug in der Luft / © ABCDstock ( shutterstock )
Quelle:
KNA