Die umfangreiche Reinigung des berühmten "Jüngsten Gerichts" in der Sixtinischen Kapelle hat begonnen. Das teilten die Vatikanischen Museen am Montag mit. Die Restaurierungsarbeiten an Michelangelos Meisterwerk sollen bis Ostern abgeschlossen sein. Die letzte Reinigung des Freskos, das die gesamte Altarwand der Kapelle einnimmt, liegt rund 30 Jahre zurück.
Anfang des Monats war mit dem Aufbau des für die Arbeiten benötigten Gerüsts begonnen worden. Eine Plane, die eine Abbildung des Werkes zeigt, bedeckt das Gerüst. Die Sixtina bleibt während der Restaurierung für Besucher geöffnet.
Weltenrichter unter weißlichem Schleier
Die Reinigung sei notwendig geworden, weil sich ein weißlicher Schleier auf das Wandgemälde gelegt habe, so der Chef-Restaurator Paolo Violini. Diese durch Mikropartikel verursachte Patina habe die Hell-Dunkel-Kontraste und somit auch die Lesbarkeit des Freskos abgeschwächt. Sie werde nun in einem speziellen Verfahren wieder abgelöst. Zuvor werde das "Jüngste Gericht" detailliert untersucht und dokumentiert.
Papst Clemens VII. hatte das Werk 1533 bei Michelangelo Buonarroti (1475-1564) für die Westwand der Sixtina in Auftrag gegeben. Begonnen wurde es jedoch erst unter Papst Paul III., der den Künstler zum leitenden Architekten, Bildhauer und Maler ernannte. Damit entband er Michelangelo von seiner vertraglichen Verpflichtung für das Grabmal von Papst Julius II. im Petersdom, so dass er sich ganz der Ausmalung der Kapelle widmen konnte.
Michelangelo begann damit im Sommer 1536 und vollendete das immense Werk im Herbst 1541. Das Gemälde, das Christus als Weltenrichter auf eisblauem Hintergrund zeigt, umgeben von "Verdammten" und "Gerechten", ist auch berühmt als Kulisse des Konklaves zur Wahl eines neuen Papstes.