Deutsche Oberhirten wählen am Dienstag neuen DBK-Vorsitzenden

Wer wird Bätzings Nachfolger an der Spitze der Bischofskonferenz?

Ab heute treffen sich die Bischöfe zur Vollversammlung. Sie haben eine wichtige Aufgabe: Einen aus ihrer Mitte müssen sie zum neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz wählen. Wer das Rennen macht, ist noch vollkommen offen.

Autor/in:
Roland Müller
Bischöfe im Eröffnungsgottesdienst zu Beginn der Herbstvollversammlung am 22. September 2025 in Fulda / © Harald Oppitz (KNA)
Bischöfe im Eröffnungsgottesdienst zu Beginn der Herbstvollversammlung am 22. September 2025 in Fulda / © Harald Oppitz ( KNA )

Es wird ein besonderes Treffen der deutschen Oberhirten werden, das heute in Würzburg beginnt: Die 56 Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), die sich zu ihrer Frühjahrsvollversammlung nach Franken begeben haben, müssen einen neuen Vorsitzenden wählen. Denn die sechsjährige Amtszeit von Georg Bätzing an der Spitze der DBK endet bei dieser Vollversammlung turnusgemäß – und der Limburger Bischof hatte bereits im Januar angekündigt, für eine zweite Amtszeit nicht zur Verfügung zu stehen. 

"Ich habe mich dazu nach Beratung und reiflicher Überzeugung entschieden", teilte Bätzing vor fast genau einem Monat mit. Dabei nannte er keine genauen Gründe für seine Absage an eine mögliche zweite Amtszeit als DBK-Vorsitzender. In einem Interview mit der "Zeit" gab der Limburger Bischof in der vergangenen Woche aber zu, dass er gerne noch zwei Jahre an der Spitze der Bischofskonferenz weitergemacht hätte

Dabei wäre es ihm darum gegangen, "ein paar Dinge festzuzurren. Aber mal ehrlich, nach einer weiteren Amtszeit wäre ich 70 oder 71. Das muss nicht sein!", so Bätzing. Das Amt des Vorsitzenden der Bischofskonferenz ist eine erhebliche Mehrbelastung für den Inhaber, denn freigestellt von seiner eigentlichen Aufgabe – der Leitung einer der Diözesen in Deutschland – wird er dafür nicht. 

Bischof Georg Bätzing / © Katharina Gebauer (KNA)
Bischof Georg Bätzing / © Katharina Gebauer ( KNA )

Die Amtszeit des noch amtierenden DBK-Vorsitzenden war vor allem vom Synodalen Weg geprägt – und dadurch sehr nervenaufreibend. Das kirchliche Reformprojekt startete offiziell im Dezember 2019, noch unter Bätzings Amtsvorgänger Reinhard Kardinal Marx, und endete im Januar 2026 mit der abschließenden Synodalversammlung in Stuttgart. Während des Synodalen Wegs kam es immer wieder zu Konflikten mit dem Vatikan und die Polarisierungen innerhalb der Bischofskonferenz nahmen zu. 

Schließlich stiegen mehrere Bischöfe aus dem Reformprojekt aus, unter ihnen auch der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Diese kräftezehrenden Erfahrungen dürften ihren Teil zur Entscheidung Bätzings beigetragen haben, nicht erneut für den Vorsitz der Bischofskonferenz zu kandidieren.

Sie zeigen aber auch, worin das Amt des DBK-Vorsitzenden besteht: Für die Spitze der Bischofskonferenz wird ein Oberhirte gesucht, der zwischen gegensätzlichen Meinungen vermitteln kann und als Moderator wirkt. Der Vorsitzende vertritt laut Statut der DBK die Bischofskonferenz nach außen – er hat also eine besondere Stellung, weil er das Bild der katholischen Kirche in der Gesellschaft stark prägen kann. Frühere Vorsitzende, wie die Kardinäle Josef Frings, Julius Döpfner oder Karl Lehmann, haben sich in der Vergangenheit durchaus als wirkmächtige Persönlichkeiten in dieser Position bewiesen. 

DBK-Vorsitzender hat Schlüsselstellung inne

Doch gänzlich frei ist der Bischofskonferenzvorsitzende dabei nicht. Er ist laut Statut an die Beschlüsse der DBK gebunden und kann in der Öffentlichkeit nicht einfach seine eigene Meinung als die der Bischofskonferenz ausgeben. Innerhalb der Bischofskonferenz hat er jedoch eine Schlüsselstellung inne: So beruft der Vorsitzende etwa die Vollversammlungen der Bischöfe ein, leitet den Ständigen Rat der DBK, dem alle 27 Diözesanbischöfe angehören, und bestimmt über die Tagesordnungen dieser Gremien. 

Die Tagesordnung der bis Donnerstag stattfindenden Frühjahrsvollversammlung in Würzburg sieht die Wahl des neuen DBK-Vorsitzenden am Dienstagvormittag vor. Für 11:30 Uhr ist ein Pressestatement des Gewählten angekündigt, das sich je nach Dauer der Wahl auch nach hinten verschieben kann. In den ersten beiden Wahlgängen ist eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Mitglieder der DBK nötig; danach genügt eine einfache Mehrheit. 

Gewählt wird geheim und es gibt im Vorfeld keine Personaldiskussionen oder gar Bewerbungsreden während der Vollversammlung. Am Tag der Wahl finde lediglich eine kurze Aussprache statt, wie der Würzburger Bischof Franz Jung jüngst verriet. Daher ist es möglich, dass sich aus einem großen Feld an genannten Namen in der ersten Abstimmung erst beim zweiten oder dritten Wahlgang Favoriten herauskristallisieren, ähnlich wie bei einem Konklave. 

Gottesdienst bei der Fünften Synodalversammlung am 10. März 2023 in Frankfurt. / © Julia Steinbrecht (KNA)
Gottesdienst bei der Fünften Synodalversammlung am 10. März 2023 in Frankfurt. / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Der Synodale Weg war der Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland.

2014 hatte es vor der Wahl von Kardinal Reinhard Marx zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz deshalb auch ein "Vorkonklave" gegeben, das sein Vorgänger, Erzbischof Robert Zollitsch, ins Leben gerufen hatte. Das Vorbild dazu waren die ebenso titulierten Beratungen der Kardinäle im März 2013, bei denen sich die Purpurträger zu den Anforderungen an einen neuen Papst beraten hatten. Aus dem danach stattgefundenen Konklave ging Papst Franziskus als Pontifex hervor. Zu einem solchen "Vorkonklave" vor der nun anstehenden Wahl des neuen DBK-Vorsitzenden wollte sich die Pressestelle der Bischofskonferenz nicht äußern. Es scheint dieses Mal (jedenfalls offiziell) nicht stattgefunden zu haben.

Klar ist jedoch, dass der neue Mann, der für die kommenden sechs Jahre an der Spitze der Bischofskonferenz stehen wird, ein Diözesanbischof ist. Denn so schreibt es das Statut der DBK vor. Auch wenn die Weihbischöfe für das Amt nicht infrage kommen, ist ihr Einfluss auf die Wahl nicht zu unterschätzen. Sie stellen mit 32 Köpfen die Mehrheit der derzeit insgesamt 59 Mitglieder der Bischofskonferenz. Bei der Vorsitzendenwahl könnte nun die Stunde dieser Oberhirten schlagen, die allzu oft eher im Hintergrund der großen Kirchenpolitik stehen.

Keine klaren Favoriten

Da die Wahl des DBK-Vorsitzenden laut Statut geheim und frei erfolgt, ist ihr Ausgang offen. Klare Favoriten gibt es für dieses Amt nicht – auch wenn in der kirchlichen Öffentlichkeit einige Namen immer wieder genannt werden. Dazu zählen etwa der Paderborner Erzbischof Udo Bentz, der Essener Oberhirte Franz-Josef Overbeck oder der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer. Das hat jedoch nichts zu sagen, auch Bätzing wurde 2020 eher unerwartet zum Vorsitzenden gewählt und Zollitsch machte 2008 als Kompromisskandidat das Rennen. 

Es kann als sicher gelten, dass die Mitglieder der Bischofskonferenz jemanden aus ihren Reihen zum Vorsitzenden wählen werden, der die sechsjährige Amtszeit komplett ausfüllen kann. Da Bischöfe dem Papst ihren Rücktritt mit 75 Jahren anbieten müssen, wäre das Höchstalter bei 68 oder 69 anzusetzen. Auch muss der neue Mann an der Spitze der DBK Qualitäten als Vermittler zwischen den unterschiedlichen Gruppen innerhalb der Bischofskonferenz mitbringen. Er sollte ein gewisses Charisma nicht vermissen lassen, da er zum Gesicht der katholischen Kirche in der deutschen Öffentlichkeit wird. 

Außerdem sind auch die Beziehungen zu Papst und Vatikan gerade für den Episkopat hierzulande von Bedeutung. Denn die DBK steht wegen der Einrichtung der Synodalkonferenz, die den kirchlichen Reformprozess verstetigen soll, in einem engen Austausch mit Rom. Der neue Vorsitzende sollte deshalb auch die Qualität der "romanità" mitbringen, also möglichst Italienisch sprechen, in Rom gelebt haben oder gute Kontakte in den Vatikan haben.

Beate Gilles / © Julia Steinbrecht (KNA)
Beate Gilles / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Am Amt des Vorsitzenden hängt im Übrigen auch die Position der Generalsekretärin oder des Generalsekretärs – so sieht es die Geschäftsordnung der Bischofskonferenz vor. Für die aktuelle Generalsekretärin der DBK, Beate Gilles, könnte das bedeuten, dass sich ihre Amtszeit nun dem Ende zuneigt. Für den stellvertretenden Vorsitzenden der DBK, Fuldas Bischof Michael Gerber, gilt das hingegen nicht. Gerber wurde 2023 für einen Zeitraum von sechs Jahren zum Stellvertreter an der Spitze der Bischofskonferenz gewählt. Diese Zeit bleibt von der Neuwahl des Vorsitzenden unberührt – außer, er sollte selbst zu Bätzings Nachfolger gewählt werden.

Wen welcher Bischof aus der DBK für den Posten des Vorsitzenden favorisiert, ist bislang noch nicht Thema der medialen Berichterstattung gewesen. Doch der scheidende Bischofskonferenz-Chef Bätzing hat vor einigen Tagen in einem Interview bereits verraten, für wen er stimmen wird: "Den besten. Ist doch klar."

Deutsche Bischofskonferenz

Die Deutsche Bischofskonferenz ist der Zusammenschluss der katholischen Bischöfe in Deutschland. Sie leiten als Ortsbischöfe eines der 27 Bistümer oder unterstützen als Weihbischöfe. Insgesamt gehören ihr derzeit (Oktober 2025) 61 Mitglieder an.

Ebenfalls zur Konferenz gehören - auch wenn sie nicht Bischöfe sind - Diözesanadministratoren, die ein Bistum nach Rücktritt oder Tod eines Ortsbischofs übergangsweise verwalten.

Logo der Deutschen Bischofskonferenz auf einem Schild neben dem Eingang zum Sekretariat der DBK / © Julia Steinbrecht (KNA)
Logo der Deutschen Bischofskonferenz auf einem Schild neben dem Eingang zum Sekretariat der DBK / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
DR

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