"Playliste für den Aschermittwoch“ – Der berühmte englische Komponist John Rutter überraschte und erfreute seine Fans am vergangenen Aschermittwoch mit einer Liste von Chorwerken, die er speziell für diesen Tag zusammengestellt hat. Ganz bescheiden waren die meisten Werke nicht von ihm, sondern er empfiehlt beispielsweise das beklemmend-schöne "O vos omnes“ von Carlo Gesualdo oder das geheimnisvolle "Miserere mei“ von Gregorio Allegri.
Der Ruf dieser Komposition, die die Worte des 50. Psalms zum Inhalt hat, ist legendär. Bis 1870 wurde das Werk jeweils am Mittwoch und Freitag der Karwoche gesungen. Es wirkte auf die Hörenden so eindrucksvoll, dass im 18. Jahrhundert kaum ein Romreisender auf das Erlebnis dieser Gottesdienste verzichten wollte. Aber es wurde auch deshalb so berühmt, weil der Papst sorgfältig darauf achtete, dass es nur in Rom erklang.
Das Abschreiben des Werkes soll sogar bei Strafe der Exkommunikation verboten gewesen sein. Der junge Wolfgang Amadeus Mozart konnte das Werk aber nach einmaligem Hören aus dem Gedächtnis abschreiben.
Kirchliche Folgen hatte das für den Komponisten nicht – eher ist anzunehmen, dass die neunstimmige Komposition ohne diese Gedächtnisleistung vielleicht sogar irgendwann verloren gegangen wäre. Denn vom eigentlichen Komponisten ist nicht viel bekannt. Er war Priester und Komponist und wurde 1582 in Rom geboren. In Erinnerung geblieben ist er nur durch das "Miserere mei“, das Jahr für Jahr in Rom erklang und auch heute noch oft zur Aufführung gelangt.
In der Sendung "Musica“ am Sonntagabend im Radioprogramm von DOMRADIO.DE gibt es ab 18 Uhr aber auch ein Werk von John Rutter persönlich zu hören. "Thou hast searched me out“ ist eine Vertonung von Palm 139. Der Text drückt großes Gottvertrauen aus, es geht darum, dass Gott jeden Menschen vollständig kennt, seine Gedanken und Taten durchdringt. Rutter fasst dieses Vertrauen in einer klangschönen Vertonung für Chor und Orchester zusammen.