DOMRADIO.DE: Viele wissen nicht, dass es gottgeweihte Jungfrauen in der katholischen Kirche gibt. Wie haben Sie davon erfahren?
Cosma-Anna Engler (wird am 10.02. zur gottgeweihten Jungfrau geweiht): Ich wusste zunächst auch nichts davon und bin dann durch das Erzbistum Köln selbst darauf gestoßen.
DOMRADIO.DE: Wie ging es dann weiter? Haben Sie sofort gesagt, das ist was für mich?
Engler: Ich habe dann erst einmal recherchiert, Bücher gelesen und habe mich auch mit anderen Jungfrauen getroffen. Dann war ich auf dem Deutschland-Treffen der gottgeweihten Jungfrauen und habe gemerkt, das ist die Berufung, die ich schon so lange verspürt habe.
DOMRADIO.DE: Wie haben Sie denn diese Berufung verspürt?
Engler: Ich habe mich schon seit frühester Kindheit zur Nachfolge Jesu berufen gefühlt und habe erst einmal geglaubt, dass das ganz normal ein Klosterweg für mich ist. Ich bin mit 14 Jahren zur katholischen Kirche übergetreten und habe mir viele Klöster angeschaut und doch immer wieder gemerkt, dass ist noch nicht ganz das, wozu Jesus mich beruft.
Ich arbeite in der Altenpflege und da habe ich gemerkt, dass auch gerade in diesen Institutionen, wo die Kirche nicht öffentlich tätig ist, die Menschen sich so sehr nach der Liebe Jesu sehnen und auch nach dem Glauben sehnen. Ich habe dann gemerkt, dass das genau meine Berufung ist: Ich möchte Jesus nachfolgen, Ihm ganz gehören, Ihm geweiht sein und Zeugnis in der Welt für Jesus ablegen.
DOMRADIO.DE: Mal ganz naiv gefragt, wie geht das? Haben Sie schon als Kind gespürt, dass der Heilige Geist auf dem Kopf landet? Oder was passiert da?
Engler: Nein so nicht, aber ich habe eine innere Berufung gespürt. Das ist sehr privat und geht nur Jesus und einen selber etwas an. Als Kind habe ich gespürt, da ist etwas, aber noch nicht so direkt, was das genau für eine Berufung ist. Aber im Laufe des Lebens wurde mir das immer mehr bewusst, wozu Jesus mich da berufen hat.
DOMRADIO.DE: Was unterscheidet denn die geweihte Jungfrau von einer Ordensfrau?
Engler: Als geweihte Jungfrau hat man die Möglichkeit, auch in nicht offiziellen kirchlichen Institutionen zu arbeiten und dort Zeugnis für die Liebe Jesu abzulegen. Man hat natürlich auch ein bisschen mehr Freiraum im privaten Leben.
Man kann auch zur Familie noch mehr Kontakt halten als eine Ordensschwester das kann, das ist auch sehr schön. Und man kann auch seinen eigenen Tagesablauf an die Arbeit anpassen. Man hat eigentlich ein bisschen so seine private Beziehung zu Jesus und ist trotzdem im öffentlichen Stand der Kirche.
DOMRADIO.DE: Welche Aufgaben oder Verpflichtungen kommen da als geweihte Jungfrau auf Sie zu?
Engler: Was heißt verpflichtend? Auf jeden Fall wird uns das Stundengebet anempfohlen, vor allen Dingen zum Tageseinstieg, die Laudes, und dann die Vesper. Natürlich der regelmäßige Empfang der Sakramente. Dann wird natürlich die Nachfolge Jesu in der Welt vorausgesetzt. Natürlich wird auch sehr empfohlen, dass man sich an die evangelischen Räte Ehelosigkeit, Gehorsam und Armut hält.
DOMRADIO.DE: Warum ist diese Weihe speziell an die Jungfräulichkeit gekoppelt, das heißt an die sexuelle Enthaltsamkeit?
Engler: Weil man sich ganz Jesus weiht, man möchte sich mit reinem Herzen ihm ganz weihen und schenkt ihm seine Jungfräulichkeit. Als geweihte Jungfrau ist man auch ein Symbol der Kirche Gottes, und so, wie die Kirche Braut Jesu ist, symbolisiert man ja die Kirche als Braut Jesu, und da ist schon die Reinheit ein sehr wichtiges Zeichen.
DOMRADIO.DE: Nicht viele wissen, dass die Jungfrauenweihe ein uraltes, katholisches Weiheamt ist. Es ist keine neue Erfindung.
Engler: Es ist sogar noch älter als die Ordensweihe. Die gottgeweihte Jungfrau war mit das allererste Weiheamt, das es überhaupt gab. Noch in Jesu Zeiten wurden die ersten Frauen, die Jesus nachgefolgt sind, tatsächlich zu gottgeweihten Jungfrauen geweiht und erst später haben sich Frauen in Klöstern zusammengefasst. Man sagt ja, dass selbst die Mutter Gottes in frühester Kindheit die Jungfrauenweihe abgelegt hat.
DOMRADIO.DE: Wenn sie sich jetzt für das Gelübde der Ehelosigkeit entscheiden, was machen sie denn, wenn sie sich verlieben?
Engler: Man hat ja eine sehr lange Zeit, um sich vorzubereiten und zu prüfen, wenn man die Berufung spürt. Jesus bleibt treu, er beruft einen, und er irrt sich nicht. Es ist für mich eine klare Entscheidung, die Jungfrauenweihe bleibt ewig. Wenn man einmal geweiht ist als gottgeweihte Jungfrau, dann kann man das nicht rückgängig machen.
DOMRADIO.DE: Wie sind Sie denn da gemeinschaftlich angebunden? Im Kloster gibt es die Klostergemeinschaft. Als gottgeweihte Jungfrau sind Sie ja erstmal ziemlich allein.
Engler: Ja, in diesem Weihestand steht man zunächst einmal alleine in der Welt. Allerdings muss ich sagen, dass das Erzbistum Köln das sehr schön macht und die Jungfrauen begleitet. Wir sind ungefähr 15 Jungfrauen im Erzbistum und haben regelmäßige Treffen. Es gibt auch in Deutschland größere Treffen der Jungfrauen, und wir sind, obwohl es eine Einzelberufung ist, trotzdem eine kleine Gemeinschaft.
DOMRADIO.DE: Was sagen denn Ihre Bekannten und Freunde, wenn sie davon hören, ich lasse mich als gottgeweihte Jungfrau weihen?
Engler: Die meisten fragen tatsächlich direkt: Wirst du jetzt eine Nonne? Das ist so die erste Frage, weil die meisten dieses Weiheamt auch nicht kennen. Wenn ich es ihnen dann erkläre, finden es viele wirklich interessant. Und ich bin sehr dankbar, dass in meinem Bekanntenkreis auch wirklich alle das offen entgegen genommen haben.
DOMRADIO.DE: Ihre Familie, wie hat die reagiert? Haben sie da Ablehnung oder Unverständnis erfahren?
Engler: Nein, zum Glück nicht. Im Gegenteil, die Reaktionen waren sehr interessiert, sehr offen. Da habe ich wirklich großes Glück. Es ist eine große Gnade, dass sie mich auch schon seit Jahren auf diesem Weg sehr offen begleiten.
DOMRADIO.DE: Mit der Jungfrauenweihe steht Jesu Nachfolge für Sie im Mittelpunkt. Was bedeutet das im alltäglichen Handeln für Sie?
Engler: Ich versuche, im Alltag für Jesus Zeugnis abzulegen. Besonders ist es mir ein Anliegen, seine Liebe an die Menschen weiterzugeben und durch diese Liebe Menschen für Jesus zu gewinnen. Ich versuche natürlich auch, für diesen gottgeweihten Stand ein bisschen Zeugnis abzulegen, gerade ihn noch ein bisschen bekannter zu machen, damit vielleicht andere junge Frauen sich dafür interessieren können.
DOMRADIO.DE: Sie arbeiten in der Krankenpflege. Hat das für Sie eine besondere Bedeutung? Auch in Ihrer Berufung als gottgeweihte Jungfrau?
Engler: Ich arbeite mit demenzkranken Menschen, die sehnen sich sehr nach Liebe, und das ist natürlich für mich immer wichtig, dass ich eine Vermittlerin sein kann und Jesu Liebe durch mich den Menschen geben kann.
DOMRADIO.DE: Wie geht es nun weiter? Am Dienstag werden Sie geweiht. Wie schauen Sie diesem Termin entgegen?
Engler: Mit großer Dankbarkeit, mit einem von Gnade erfüllten Herzen, dass es endlich soweit ist. Es waren schon so viele Jahre, wo ich mich danach gesehnt habe, dann die vielen Jahre der Vorbereitung. Klar bin ich jetzt auch freudig aufgeregt.
DOMRADIO.DE: Wie geht es dann für Sie nach der Weihe weiter?
Engler: Natürlich bleibe ich ganz normal in meinem Beruf und lebe dann auch einen Tagesablauf, den ich mir selbst zusammengestellt habe und dem Weihbischof auch vorgelegt habe, an den werde ich mich versuchen zu halten, und ja, auf jeden Fall natürlich mit meinem Bräutigam Jesus in die Welt gehen und seine Liebe verkünden.
Das Interview führte Johannes Schröer.