Abt von Maria Laach glaubt an Zukunft von monastischem Leben

"Klöster gewinnen an Bedeutung"

Seit hundert Tagen ist Mauritius Wilde Abt der Benediktinerabtei Maria Laach. Im Interview zieht er ein erstes Zwischenfazit. Generell sieht er für Klöster eine gesellschaftlich wichtige Aufgabe und blickt hoffnungsvoll in die Zukunft.

Autor/in:
Jan Hendrik Stens
Pater Dr. Mauritius Wilde OSB, Abt des Klosters Maria Laach, am 4. Februar 2026 ebendort. / © Jan Hendrik Stens (DR)
Pater Dr. Mauritius Wilde OSB, Abt des Klosters Maria Laach, am 4. Februar 2026 ebendort. / © Jan Hendrik Stens ( DR )

DOMRADIO.DE: Abt Mauritius, Sie sind seit hundert Tagen Abt von der Benediktinerabtei Maria Laach. Wie ist ihr Zwischenfazit?

Pater Dr. Mauritius Wilde OSB (Abt von Maria Laach): Ich fühle mich sehr wohl hier. Ich freue mich sehr, wie gut ich von den Brüdern zusammen mit Prior Pater Maximilian aufgenommen worden bin, der auch neu nach Maria Laach gekommen ist. Wir fühlen uns wohl.

DOMRADIO.DE: Sie sind von Rom aus eingesetzt worden. Wie waren Ihre Gefühle in den Tagen nach der Mitteilung, in eine Abtei zu kommen, von wo aus dieser Ruf nicht erfolgt ist?

Wilde: Das ist schon etwas ungewöhnlich in der benediktinischen Welt. Normalerweise werden Äbte gewählt und wachsen aus der Abtei selber heraus. Die Situation hat das mit sich gebracht.

Der Heilige Stuhl hat es für notwendig empfunden, dass hier ein anderer Weg gewählt wird. Ich bin insofern nicht so beunruhigt gewesen, weil ich schon seit vielen Jahrzehnten benediktinisches Leben gewohnt bin. Ich habe viel darüber gebetet und dann gemerkt, dass es etwas ist, was der liebe Gott von mir will. Deswegen bin ich gerne hergekommen.

DOMRADIO.DE: Mussten Sie viel um Vertrauen werben oder war das von Anfang an bei den Mitbrüdern gegeben?

Wilde: Von Anfang an war eine große Offenheit da. Es herrschte auch Erleichterung, dass jetzt ein Neuanfang möglich ist, und gleichzeitig war klar, dass wir uns noch gegenseitig beschnuppern müssen. Das ist ganz natürlich.

DOMRADIO.DE: Wo lagen in den vergangenen 100 Tagen die größten Baustellen?

Wilde: Besonders beeindruckt war ich von der Treue der Mönche zum Chorgebet und von der Sorgfalt, mit der Liturgie gefeiert wird. Da steckt viel Kraft und viel Gutes drin. Das ist das Herzstück des benediktinischen Lebens. Darauf kann man aufbauen. Es bleibt auch spirituell immer eine Baustelle, dass man sich nach der Regel Benedikts richtet. Das ist ein kontinuierlicher Prozess, den ich mit den Brüdern und mit dem Prior zusammen gehen werde. 

Der andere Bereich ist sozusagen die wirtschaftliche Verfasstheit der Abtei. Da habe ich nach den ersten 100 Tagen festgestellt, dass Maria Laach nicht auf Rosen gebettet ist und dass es noch eine Menge zu tun gibt, damit das Kloster auch wirtschaftlich in guten Bahnen läuft. 

DOMRADIO.DE: Maria Laach ist auch ein beliebtes Ausflugsziel. Gibt es nicht ein enormes Potenzial, um sowohl das Spirituelle in die Öffentlichkeit zu bringen als auch die Wirtschaftlichkeit zu stärken?

Wilde: Es ist großartig, wie viele Menschen Maria Laach lieben. Schon als Kinder sind viele hergekommen und haben Spaziergänge mit der Familie um den See herum gemacht. Ich höre immer wieder, dass es ein besonderer Ort mit einer besonderen Ausstrahlung ist. Die Kirche ist wunderschön, die Proportionen stimmen hundertprozentig. Der See signalisiert Tiefe – er ist auch wirklich tief. Man sagt manchmal, ein See sei wie ein Spiegel der Seele. Hier passiert auch spirituell vieles. Es ist eine große Chance für uns Benediktiner, dass die Menschen zu uns kommen und wir mit ihnen ins Gespräch kommen können. 

Sie können auch als Gast hier leben. Wirtschaftlich ist es für uns gut, dass uns Gäste unterstützen. Wir bekommen nichts von der Kirchensteuer ab. Wenn Sie in unseren Läden etwas einkaufen, unterstützen Sie uns damit.

Mauritius Wilde

"Es ist eine große Gnade Gottes, dass wir eine ganze Reihe junger Mönche haben."

DOMRADIO.DE: Viele Klöster müssen schließen, weil die Ordensgemeinschaften überaltert sind. Wie sieht das in Maria Laach aus? Man sieht hier auch junge Mönche.

Wilde: Das ist ein großes Geschenk. Es ist eine große Gnade Gottes, dass wir eine ganze Reihe junger Mönche haben. Wir haben guten Nachwuchs. Das zeigt mir, dass der liebe Gott etwas mit uns vorhat, dass er will, dass dieser Ort gut weitergeführt wird. Es macht mir große Freude, mit den jungen Mönchen zusammenzuarbeiten. 

Ich glaube, auch die älteren Mönche freuen sich sehr, dass es weitergeht. Da sind wir zuversichtlich.

DOMRADIO.DE: Hat monastisches Leben eine Zukunft? 

Wilde: Auf jeden Fall. Zum einen gewinnen Klöster und geistliche Zentren an Bedeutung. Die waren schon immer wichtig. Aber gerade weil die Diözesankirchen auch in einem starken Umbruch sind, tut es vielen Menschen gut, hier und da mal in Klöster zu kommen. 

Zudem haben wir gesellschaftlich eine wichtige Aufgabe. Es ist wichtig, dass es Rückzugsorte gibt, in denen man sich aufs Wesentliche besinnen kann. Da sehe ich eine große Chance für die Klöster heutzutage. 

Gleichzeitig beobachte ich auch, dass es eine kleine Welle von jüngeren Männern und Frauen der Generation Z gibt, die sich neu für Religion und Kirche interessieren. Das ist fast verwunderlich, weil die oft gar nicht aus einer religiösen Sozialisation heraus kommen. Wenn man an die Erwachsenentaufen in Frankreich denkt, sieht man, dass da etwas kommt, und das freut mich sehr. Das erlebe ich aber auch in Deutschland.

Mauritius Wilde

 "Wir holen gerade wieder Schwung für die Zukunft, dabei drehen wir uns etwas zurück, sozusagen in die Tradition hinein."

DOMRADIO.DE: Manche etablierten Katholiken beobachten das kritisch, weil da viel konservatives Potenzial drinstecken kann. Wie beobachten Sie das?

Wilde: Das habe ich auch schon gehört und wahrgenommen. Ich spüre bei den Jüngeren, dass sie das Gefühl haben, dass ihnen bestimmte Dinge aus der Tradition vorenthalten worden sind. Die würden sie gern wiederbeleben oder zumindest wissen, was da war. 

Ich habe so das Bild von einem Mäander vor mir. Der Fluss bewegt sich vorwärts und dann dreht er sich wieder ein bisschen zurück. Ich glaube, wir holen gerade wieder Schwung für die Zukunft, dabei drehen wir uns etwas zurück, sozusagen in die Tradition hinein, damit wir die volle Kraft der Tradition in die Zukunft geben können.

DOMRADIO.DE: Angst haben Sie davor nicht?

Wilde: Nein, gar nicht, im Gegenteil. Ich finde das alles sehr gesund und sehr gut. Man muss nur im Miteinander bleiben. Mit den verschiedenen Ausrichtungen innerhalb der Kirche dürfen wir uns nicht gegenseitig isolieren. Das geht nur gemeinsam. Das wäre der einzige Punkt, vor dem ich Angst hätte, wenn das auseinanderbricht. Aber wir im Kloster haben eine gute Chance, die Dinge gemeinsam zu lösen, weil wir als eine Gemeinschaft zusammenleben.

DOMRADIO.DE: Kann das ein Vorbild für das christliche gemeinsame Leben in Deutschland sein?

Wilde: Ich wäre vorsichtig mit Worten wie "Vorbild". Wir sind eine relativ kleine Gemeinschaft. Das würden wir uns nicht anmaßen. Es ist so, dass Benediktiner Experten im Gemeinschaftsleben sind. Wir sind Experten darin, wie verschiedene Generationen und verschiedene spirituelle Ausrichtungen miteinander in Frieden leben können. 

Für unsere Gäste bieten wir eine Plattform, sich miteinander über bestimmte Anschauungen hinweg zu unterhalten, um miteinander neue Gedanken zu entwickeln.

DOMRADIO.DE: Wie stellen Sie sich die Zukunft von Maria Laach vor?

Wilde: Ich hoffe erstens, dass es weitergeht. Das ist für Benediktiner schon mal das Wichtigste. Bleiben ist für uns eine wichtige Sache. Dann wäre ich schon höchst zufrieden. Unseren Auftrag für die Kirche und für die Gesellschaft zu erfüllen, indem wir beten und Gott preisen, macht absolut Sinn. 

Es muss Menschen geben, die ihn jeden Tag fünfmal am Tag preisen. Wir wollen für die Menschen gastfreundlich sein, die zu uns kommen. Wir wollen in unseren Predigten und auf unseren Social-Media-Kanälen das Evangelium verkünden. Wenn wir weiterhin in diese Richtung gehen, dann hat Maria Laach eine gute Zukunft.

Das Interview führte Jan Hendrik Stens.

Geschichte der Abtei Maria Laach

Maria Laach wurde 1093 gegründet. Durch die Wiederbesiedlung durch Benediktinermönche aus der Erzabtei Beuron 1892 wurde die Abtei zum Mittelpunkt der deutschen liturgischen Bewegung und zum Zentrum für geistige, künstlerische und handwerkliche Betätigung. Seitdem ist es ein Ort mit geistlicher Ausstrahlung und insbesondere auch heute Anziehungspunkt für viele Menschen.

1093      gründete Pfalzgraf Heinrich II. von Laach das Kloster.

Abtei Maria Laach / © Elena Kharichkina (shutterstock)
Quelle:
DR

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