Kirche in Rom entfernt umstrittenes Engelsbild mit Meloni-Gesicht

"Bewahrung des spirituellen Erbes"

Kardinalvikar Baldassare Reina zeigte sich "verbittert". Der Vatikan und Italiens Kulturminister schalteten sich ein. Grund der Aufregung war ein Engelsbild mit dem Gesicht von Giorgia Meloni in einer Kirche. Nun wurde es entfernt.

Rom: In einem Fresko wurde der ursprünglich anonyme Cherub durch einen Engel ersetzt, dessen Gesichtszüge an die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (M,r) erinnern / © Matteo Nardone/IPA via ZUMA Press (dpa)
Rom: In einem Fresko wurde der ursprünglich anonyme Cherub durch einen Engel ersetzt, dessen Gesichtszüge an die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (M,r) erinnern / © Matteo Nardone/IPA via ZUMA Press ( dpa )

Nach den Kontroversen der vergangenen Tage wurde das Antlitz von Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni aus einer römischen Kirche entfernt. 

Basilika San Lorenzo in Lucina in Rom (shutterstock)

Er habe damit auf die Intervention des Vatikans reagiert, erklärte der Küster der Kirche San Lorenzo in Lucina im Zentrum Roms der Zeitung "La Repubblica" am Mittwoch. Nach eigener Aussage soll er für die ungenehmigte Überarbeitung des Engelsbildes verantwortlich sein.

In einer Seitenkapelle der Kirche, die gerade restauriert wird, war am Samstag ein Engel mit den Gesichtszügen der italienischen Regierungschefin entdeckt worden. 

Das Bistum Rom, dessen Bischof der Papst ist, distanzierte sich umgehend von der Abbildung der geflügelten Politikerin mit einer Schriftrolle in ihren Händen: Restaurationsarbeiten in der Kirche seien zwar bekannt gewesen, allerdings sollten sie "ohne Änderungen oder Ergänzungen" vollzogen werden.

Papst-Vertreter "verbittert"

Der Stellvertreter des Papstes im Bistum, Kardinalvikar Baldassare Reina, brachte in einer Erklärung seine "Verbitterung" über den Vorgang zum Ausdruck: "Unter Bekräftigung des Engagements der Diözese Rom für die Bewahrung des künstlerischen und spirituellen Erbes wird nachdrücklich betont, dass Bilder der sakralen Kunst und der christlichen Tradition nicht missbräuchlich verwendet oder instrumentalisiert werden dürfen, da sie ausschließlich dazu bestimmt sind, das liturgische Leben und das persönliche und gemeinschaftliche Gebet zu unterstützen."

Baldassare Reina, Kardinalvikar von Rom / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Baldassare Reina, Kardinalvikar von Rom / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Reina kündigte eine umgehende Untersuchung an, in die neben dem Bistum auch die staatliche Denkmalschutzbehörde einbezogen ist. Auf Anweisung von Italiens Kulturminister Alessandro Giuli werden derzeit Abbildungen des ursprünglichen Gemäldes recherchiert, um dem Engel sein eigentliches Gesicht zurückzugeben.

Bistum Rom

Das Bistum Rom nimmt eine Sonderstellung ein: Es ist der Sitz des jeweils amtierenden Papstes, der gleichzeitig immer der Bischof von Rom ist. Ein päpstlicher Vikar, der das Bistum Rom für den Papst verwaltet, ist erstmals unter Innozenz III. 1198 bezeugt. 1558 bestimmte Papst Paul IV., dass der Vikar jeweils ein Kardinal sein muss.

Der Lateranpalast in Rom (Archivbild) / © Gerlinde Pfirsching (KNA)
Der Lateranpalast in Rom (Archivbild) / © Gerlinde Pfirsching ( KNA )
Quelle:
KNA