"Allgäusegen" der katholischen Kirche lockt mit neuen Ideen

"Müssen uns Gedanken machen, wie wir Menschen willkommen heißen"

Die katholische Kirche im Allgäu hat sich auf die Fahnen geschrieben, neue Wege zu gehen, sich den Menschen zu öffnen und auch mal etwas auszuprobieren. Pastoralreferent Benjamin Sigg füllt das Projekt "Allgäusegen" mit Leben.

Autor/in:
Marcus Poschlod
Heilig-Kreuzkapelle Amtzell im Allgäu / © Allgäusegen
Heilig-Kreuzkapelle Amtzell im Allgäu / © Allgäusegen

DOMRADIO.DE: Was genau ist der "Allgäusegen"

Pastoralreferent Benjamin Sigg / © Allgäusegen
Pastoralreferent Benjamin Sigg / © Allgäusegen

Benjamin Sigg (Pastoralreferent im Dekanat Allgäu-Oberschwaben): Allgäusegen ist ein Projekt-Titel der katholischen Kirche hier vor Ort. Vor zweieinhalb Jahren haben wir das Projekt begonnen. Die Idee dahinter ist, mit unseren Gästen in Kontakt zu kommen. Dafür haben wir verschiedene Angebote entwickelt. Vor allem wollen wir mit Allgäusegen auf unsere Angebote hier in der Region neugierig machen. 

Benjamin Sigg

"Wir holen Gott quasi ins Wohnzimmer - also dorthin, wo wir uns wohlfühlen"

DOMRADIO.DE: Ein Angebot ist zum Beispiel die "Wohnzimmerkirche". Die Idee haben sie aus Hamburg übernommen. Bedeutet das, die Kirche findet auf dem Sofa, mit Snacks, Musik und Getränken statt? 

Sigg: Auch. Es geht darum, die Kirche ein Stück weit zu unserem Zuhause zu machen. Wir alle kennen Kirchenräume, die ein Stück weit entrückt sind. Die liebe ich auch, sie sind aber auch ein bisschen steril und glatt. Mit dieser Wohnzimmerkirche haben wir versucht, eine Kapelle hier in der Nähe zu beleben. Einmal im Jahr richten wir in dieser Kapelle tatsächlich ein Wohnzimmer ein. Wir stellen ein Sofa auf, laden Gäste ein und machen gute Musik und Texte dazu. Wir holen Gott damit quasi ins Wohnzimmer, also dorthin, wo wir uns wohlfühlen. 

Die Segensbox mit eingesprochenen Texten / © Allgäusegen
Die Segensbox mit eingesprochenen Texten / © Allgäusegen

DOMRADIO.DE: Sie bieten außerdem eine "Segensbox" an - was steckt dahinter?

Sigg: Eine weitere unserer Kapellen ist die Gallus-Kapelle, unsere Autobahn-Kapelle. Mich hat schon immer fasziniert, dass dort tagsüber richtig viele Menschen hinkommen. In der Kapelle liegt ein Anliegenbuch aus, und die Menschen können dort eintragen, was sie sich wünschen und wonach sie sich sehnen. 

Ich habe das einmal durchgeblättert und festgestellt, dass dort ganz viele Anlässe drinstehen, die einen Segen verdienen und zu denen man den Menschen auch Mut zusprechen sollte. Das ist zum Beispiel der Weg in den Urlaub, ins Krankenhaus oder ein Besuch mit dem Enkel. Die Menschen aus der Region und ich haben dann Segenstexte zu diesen Anliegen formuliert und eingesprochen. Diesen Segen können sich die Menschen über eine Musikbox zusprechen lassen, die in eine Holzkiste mit Touchscreen eingebaut ist. 

Benjamin Sigg

"Wir erleben den Wandel von einer Mitgliederkirche zu einer Gästekirche. Nicht nur in Urlaubsregionen müssen wir uns Gedanken darüber machen, wie wir Gäste in unseren Orten willkommen heißen"

DOMRADIO.DE: Das Allgäu ist eine beliebte Urlaubsregion. Richtet sich der Allgäusegen nur an Urlauber? Oder sind auch Einheimische angesprochen?

Kalvarienberg-Kapelle Niederwangen, Allgäu / © Allgäusegen
Kalvarienberg-Kapelle Niederwangen, Allgäu / © Allgäusegen

Sigg: Ich möchte ausdrücklich unterstreichen, dass sich der Allgäusegen an beide richtet. Ich sehe das Ganze als gästeorientierte Pastoral oder Seelsorge. Wir erleben den Wandel von einer Mitgliederkirche zu einer Gästekirche. Nicht nur in Urlaubsregionen müssen wir uns Gedanken darüber machen, wie wir Gäste in unseren Orten begrüßen und willkommen heißen. 

Allgäusegen ist ein Versuch, Menschen mit spirituellen Angeboten, Konzerten, Musik und auch mit Pilgerangeboten neugierig auf Kirche zu machen. Die Einheimischen sind dabei genauso Gäste wie diejenigen, die aus Dortmund oder Köln zum Urlaub machen ins Allgäu kommen.

Das Interview führte Marcus Poschlod.

Quelle:
DR

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