Synodaler Weg endet nach mehr als fünf Jahren Reformdialog

Eine Bilanz

Als ein bis dahin völlig neues Experiment starteten die deutschen Bischöfe und Laien im Jahr 2019 den Synodalen Weg. Nun ist der Dialog zur Zukunft der Kirche offiziell beendet. Ein abschließendes Gespräch mit Rom steht noch aus.

Autor/in:
Joachim Heinz
Logo des Synodalen Wegs und Teilnehmer während der fünften Sitzung des Synodalen Ausschusses am 21. November 2025 im Maritim Hotel in Fulda / © Bert Bostelmann (KNA)
Logo des Synodalen Wegs und Teilnehmer während der fünften Sitzung des Synodalen Ausschusses am 21. November 2025 im Maritim Hotel in Fulda / © Bert Bostelmann ( KNA )

Der Synodale Weg ist Geschichte. Am Wochenende ging der 2019 gestartete Dialog zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland zu Ende. 

Irme Stetter-Karp und Bischof Georg Bätzing beim Pressestatement zum Auftakt der sechsten Synodalversammlung des Synodalen Weges in Stuttgart / © Nico Kurth (KNA)
Irme Stetter-Karp und Bischof Georg Bätzing beim Pressestatement zum Auftakt der sechsten Synodalversammlung des Synodalen Weges in Stuttgart / © Nico Kurth ( KNA )

Auf der sechsten und letzten Vollversammlung in Stuttgart zogen Bischöfe und Laien eine Bilanz. Dankbar und zufrieden sei er, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, zum Abschluss. "Wir haben es geschafft", bekräftigte die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp. Was genau wurde in den vergangenen Jahren geschafft? Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) gibt einen Überblick.

Was hat der Synodale Weg auf den Weg gebracht?

Am Ende des Synodalen Wegs liegen 15 Beschlüsse vor. Neben allgemein gehalteneren Überlegungen zählen dazu zehn sogenannte Handlungstexte. Sie sprechen sich aus für mehr Beteiligung von katholischen Laien bei der Wahl eines Bischofs, eine Zulassung von verheirateten Männern zum Priesterberuf sowie Geschlechtergerechtigkeit in einer Kirche, in der bislang Frauen nicht zu den Weiheämtern zugelassen sind, also nicht Priesterin werden können.

Weitere Handlungstexte machen sich stark für die Anerkennung sexueller Vielfalt, eine Neubewertung von Homosexualität und einen anderen Umgang etwa mit wiederverheirateten Geschiedenen. So sollen Paare, die nicht kirchlich verheiratet sind, einen Segen empfangen können. 

Homosexuelles Paar heiratet / © Geoff Goldswain (shutterstock)
Homosexuelles Paar heiratet / © Geoff Goldswain ( shutterstock )

Weiter vorangetrieben werden sollen auch Änderungen im kirchlichen Arbeitsrecht: Wer bei der Kirche arbeitet, soll seinen Job nicht mehr wegen der persönlichen Lebensführung verlieren dürfen.

Am Anfang des Synodalen Wegs stand die Erschütterung über den Skandal sexuellen Missbrauchs in der Kirche. Ein Handlungstext widmet sich den Fragen von Präventions- und Schutzkonzepten.

Was steht nach sechs Jahren Dialog noch auf der Agenda?

Papier ist bekanntermaßen geduldig, und von Anfang an war klar: Die Bischöfe entscheiden darüber, was sie von den Beschlüssen des Synodalen Weges in ihren Bistümern umsetzen. Hinzu kommt: Über manche Anliegen kann nur der Vatikan entscheiden. Ein Beispiel: Lockerungen beim Zölibat. Das ist die verpflichtende Ehelosigkeit der Priester in der katholischen Kirche.

Deswegen bleiben manche Aufgaben, die sich aus den beim Synodalen Weg verabschiedeten Dokumenten ergeben, zumindest teilweise unerledigt. Die Autorinnen und Autoren eines auf der letzten Vollversammlung in Stuttgart vorgestellten Berichts listeten elf offene Posten auf. Das Spektrum reichte von einer Musterordnung für die Bischofsbestellung über Regelungen, die es Laien erlauben würden, bei Gottesdiensten mit Eucharistiefeiern zu predigen.

Wie fällt das Echo auf den Synodalen Weg aus?

Bei der letzten Vollversammlung in Stuttgart fanden wieder Demonstrationen von Reformbefürwortern und Reformgegnern statt. Auch unter den Synodalen selbst gibt es unterschiedliche Bewertungen. Manche wie der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes wünschen sich mehr Tempo: 

"Es brennt die Hütte". Andere wie der Würzburger Bischof Franz Jung kritisierten, dass bei den vorangegangenen fünf Vollversammlungen des Synodalen Wegs immer wieder Entscheidungen unter hohem Zeitdruck gefällt worden seien. "Das war oft nicht gut, weil man den Eindruck hatte, es besteht noch Diskussionsbedarf."

Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, spricht vor Kameras auf der Online-Konferenz des Synodalen Weges / © Julia Steinbrecht (KNA)
Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, spricht vor Kameras auf der Online-Konferenz des Synodalen Weges / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Immer wieder schienen die anfangs rund 230 Delegierten - Bischöfe und Laien - am Scheideweg zu stehen, bevor sie dann doch den Synodalen Weg fortsetzten, wie sich der frühere Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, in einem Schlusswort in Stuttgart erinnerte. Mehr als einmal hätten ihm Kritiker ein Scheitern des Projekts prophezeit.

Zusammen mit dem damaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, gehörte Sternberg zu den Initiatoren der damals auf weltkirchlicher Ebene einmaligen Initiative. "Wir haben viele Hürden überwunden", so Sternberg. Und Marx ergänzte, er sei froh, den Synodalen Weg angestoßen zu haben. Dafür gab es in Stuttgart Standing Ovations.

In Rom dagegen war die Stimmung eine andere. Mehrfach stellte der Vatikan Stoppschilder auf. Auch wenn in der Zwischenzeit manche Missverständnisse und Irritationen ausgeräumt werden konnten, werden der Papst und die vatikanischen Behörden den Fortgang der Debatten aufmerksam beobachten.

Wie geht es nach dem Ende des Synodalen Wegs weiter?

Mit einem neuen nationalen Gremium, in dem Bischöfe und Laien ihre Gespräche verstetigen wollen. Auch das ist übrigens ein Ergebnis der Beratungen auf dem Synodalen Weg. In der geplanten Synodalkonferenz sitzen die 27 Ortsbischöfe, 27 Vertreter vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken und 27 weitere Katholikinnen und Katholiken.

Fassade des Petersdoms im Vatikan mit Statuen der Apostel / © Ilia Baksheev (shutterstock)
Fassade des Petersdoms im Vatikan mit Statuen der Apostel / © Ilia Baksheev ( shutterstock )

Voraussetzung ist, dass die Bischöfe auf ihrer Vollversammlung Ende Februar die Satzung der Synodalkonferenz bestätigen und der Vatikan seine Zustimmung erteilt.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, zeigte sich zuletzt zuversichtlich, dass die erste Sitzung der Synodalkonferenz wie geplant im November in Stuttgart stattfinden kann. Er fügte allerdings hinzu, dass ein Start ohne römische Zustimmung eine Provokation wäre, die man vermeiden wolle.

Wo liegen die Fallstricke?

Der Vatikan hat mehrfach klargestellt, dass Laien in der katholischen Kirche nicht befugt seien, gleichberechtigt mit den Bischöfen zu entscheiden. Ursprünglich war aber genau das ein erklärtes Ziel der Synodalkonferenz. Schlussendlich haben sich die Verantwortlichen für das neue Gremium auf die Formel "beraten und Beschlüsse fassen" verständigt. 

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck will in wenigen Wochen nach Rom reisen, um die Anerkennung der Synodalkonferenz in einem abschließenden Klärungsgespräch vorzubereiten.

Bischöfe Rudolf Voderholzer und Stefan Oster / © Julia Steinbrecht (KNA)
Bischöfe Rudolf Voderholzer und Stefan Oster / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Bereits vor längerer Zeit hatten der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sowie die beiden Bischöfe aus Passau und Regensburg, Stefan Oster und Rudolf Voderholzer, sowie der damalige Bischof von Eichstätt, Gregor Maria Hanke, ihren Ausstieg aus dem Reformdialog verkündet. Sie verwiesen auf Vorbehalte aus dem Vatikan. Die Frage ist nun, ob und wie sich die Kritiker des Projekts künftig einbinden lassen.

Eine neue Dynamik ins Spiel gebracht hat die Ankündigung von Bischof Georg Bätzing, nicht mehr für das Amt des Vorsitzenden der Bischofskonferenz zu kandidieren. Wenn die Bischöfe Ende Februar einen Nachfolger wählen, werden sie mit Blick auf den Fortgang der Reformdebatte in Deutschland vermutlich auch darauf achten, wie gut der neue Vorsitzende in Rom vernetzt ist.

Synodaler Weg

Der Begriff "Synodaler Weg" verweist auf das griechische Wort Synode. Es bedeutet wörtlich "Weggemeinschaft"; im kirchlichen Sprachgebrauch bezeichnet Synode eine Versammlung von Bischöfen oder von Geistlichen und Laien.

Der Reformdialog Synodaler Weg dauerte von Ende 2019 bis Frühjahr 2023. Dabei berieten die deutschen katholischen Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) zusammen mit weiteren Delegierten über die Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschland.

Das gelochte Metallkreuz und Teile des Schriftzugs Synodaler Weg  / © Julia Steinbrecht (KNA)
Das gelochte Metallkreuz und Teile des Schriftzugs Synodaler Weg / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
KNA