Mit seiner sechsten Vollversammlung ist am Samstag in Stuttgart der Synodale Weg der katholischen Kirche in Deutschland zu Ende gegangen. Die aus Bischöfen, Priestern, Theologieprofessoren, Ordensleuten und Verbandsvertretern bestehende Kirchenversammlung zog am Ende eine weitgehend positive Bilanz ihrer Arbeit, stellte aber auch anhaltende Mängel fest. Und sie bereitete den Stabwechsel an ein kleineres Gremium mit 81 Mitgliedern vor. In dieser sogenannten Synodalkonferenz sollen künftig Laien und Kleriker gemeinsam über Zukunftsfragen der Kirche in Deutschland beraten und entscheiden.
Die dreitägige Versammlung in Stuttgart, an der die schärfsten konservativen Kritiker des Synodalen Weges nicht teilnahmen, war als Moment der kritischen Bestandsaufnahme des Reformvorhabens gedacht. Zunächst wurden die fünf Versammlungen zwischen 2020 und 2023 rückblickend bewertet. Hier mussten die Synodalen eine Studie zur Kenntnis nehmen, wonach sie selbst mehrheitlich meinten, der Effekt ihrer langen und oft emotional geführten Debatten zur Behebung von zwei schweren Problemen der Kirche sei eher gering gewesen.
Dies gilt für die Beseitigung der "systemischen Ursachen sexualisierter Gewalt" in der Kirche ebenso wie für die Rückgewinnung des Vertrauens in die Kirche. Gute Noten gaben sich die Synodalen laut der Studie hingegen bei der Überwindung von Diskriminierung in der Kirche und beim Kulturwandel hin zu mehr innerkirchlicher Mitbestimmung, Stichwort "Synodalität".
Lange Liste unerfüllter Wünsche
In einem zweiten Schritt wurde kritisch bilanziert, welche der beschlossenen Reformen tatsächlich in den Bistümern umgesetzt wurden, und wo es noch hakt. Auch diese Bilanz war durchwachsen. Die Liste noch nicht umgesetzter Forderungen war länger als die der verwirklichten Reformen. Diese Bilanz führte in Stuttgart zu Missfallens-Bekundungen und zu scharfen Angriffen gegen den Vatikan und gegen einzelne Bistümer.
Ganz zum Schluss der Stuttgarter Versammlung schaffte ein Antrag, wonach die künftige Synodalkonferenz die Umsetzung nationaler Reformbeschlüsse in den Bistümern kontrollieren soll, nur hauchdünn die Zweidrittelmehrheit der bischöflichen Stimmen: Von 32 Bischöfen votierten zehn dagegen. Auch der Mitgründer des Synodalen Wegs, Kardinal Reinhard Marx, sprach sich vehement gegen eine solche nationale Kontroll-Ebene aus, die über den Bischöfen stehen würde.
Auf der Haben-Seite standen das liberalisierte kirchliche Arbeitsrecht und die Schaffung neuer synodaler Beratungsgremien in den Bistümern. Anderes, wie mehr Laienbeteiligung an Bischofswahlen, ist hingegen noch nicht geschafft. Und noch radikalere Reformvorschläge wie etwa Vorstöße zur Frauenweihe oder zu Änderungen beim Zölibat waren ohnehin nur als Anfragen in Richtung Rom weitergereicht worden.
Ringen um Kompetenzen
Das Ringen darum, welche Ebene in der Kirche wieviel Entscheidungskompetenz haben soll, begleitete den Synodalen Weg von Anfang an. Das Gremium agierte stets auf gesamtdeutscher Ebene, auch die künftige Synodalkonferenz ist so angelegt. Demgegenüber beharrt Rom darauf, dass weder die Souveränität der Bischöfe als Träger der ortskirchlichen Hierarchie noch die Entscheidungsgewalt Roms in übergeordneten Fragen der Lehre angetastet werden dürfe.
In etlichen Gesprächsrunden in Rom wurde die Frage der Kompetenzaufteilung immer wieder neu debattiert. Doch bis zum Schluss blieb eine zentrale Frage ungeklärt, bei der Rom schon früh eine Rote Linie zog. Der Vatikan hält es für unvereinbar mit dem hierarchischen Wesen der Kirche, wenn ein Gremium aus Laien und Klerikern gemeinsam verbindliche Entscheidungen trifft - und das umso mehr, wenn es national agiert und damit die Souveränität der Ortsbischöfe einschränkt.
Der Vatikan duldete, dass der Synodale Weg immer wieder Beschlüsse fasste, die diesem Prinzip widersprechen. Rom ließ das zu, weil der Synodale Weg als kirchenrechtliches "Nullum" für seine Beschlüsse keine bindende Wirkung beanspruchen konnte. Ihre Umsetzung blieb den einzelnen Bistümern vorbehalten. Nun aber steht der Übergang zu einem Gremium namens "Synodalkonferenz" bevor, das vom Vatikan kirchenrechtlich anerkannt werden soll.
Diese Anerkennung stand am Ende der Stuttgarter Versammlung noch aus - ebenso das Placet der Deutschen Bischofskonferenz. Die bange Frage der Oberzeller Franziskanerin Katharina Ganz, was wohl geschieht, wenn der Synodale Weg beendet ist, aber das erwünschte Nachfolgegremium namens Synodalkonferenz dann doch nicht die notwendige Anerkennung aus der Hierarchie erhält, blieb auf der Stuttgarter Versammlung unbeantwortet.