Kleiner Kölner Dom aus Sand entsteht in Kölner Einkaufszentrum

Kein Bauwerk für die Ewigkeit

In einem Kölner Einkaufszentrum erschafft Yosef Bakir einen Kölner Dom aus sechs Tonnen Sand. Mit Skalpell und Spachtel schnitzt er das Denkmal Schicht für Schicht aus dem Sand frei – und das neben Supermarkt und Beauty-Salon.

Autor/in:
Moritz Mayer
Aus sechs Tonnen Sand haben Yosef Bakir und seine Kollegin Yamama al-Kalaani in den vergangenen Tagen den Dom "freigelegt". / © Moritz Mayer (DR)
Aus sechs Tonnen Sand haben Yosef Bakir und seine Kollegin Yamama al-Kalaani in den vergangenen Tagen den Dom "freigelegt". / © Moritz Mayer ( DR )

Zwischen frischem Gemüse, koreanischer Kosmetik und Fast Fashion kniet Yosef Bakir vor einem Haufen aus sechs Tonnen Sand. Millimeter für Millimeter schabt er ihn ab. Hat er genug freigelegt, entsteht ein kleines Fenster hier oder ein Torbogen dort. Seit zwei Wochen baut er an seinem Kölner Dom, bzw. seiner kleineren Nachbildung aus Sand. "Ich lebe hier. Der Kölner Dom und ich, wir haben eine besondere Beziehung", sagt der Künstler.

Detailarbeit und Geduld

Millimeter für Millimeter schabt Yosef Bakir Sand weg und erschafft so den Kölner Dom aus Sand. / © Moritz Mayer (DR)
Millimeter für Millimeter schabt Yosef Bakir Sand weg und erschafft so den Kölner Dom aus Sand. / © Moritz Mayer ( DR )

Den Dom kennt er gut. Seit über 17 Jahren lebt Bakir in Köln und blickt täglich von seinem Atelier aus auf die beiden Türme. Er weiß genau, wie sie am Ende aussehen müssen. Mit kleinen Spachteln und Skalpellen arbeitet er am Nachbau. "Manchmal sind selbst Zahnarzt-Werkzeuge zu grob", erzählt Bakir.

Immer wieder bleiben Passantinnen und Passanten stehen, zücken ihr Handy und machen ein schnelles Foto. "Das ist super gut!" oder "Wie wunderschön!" rufen sie Yosef Bakir und seiner Assistentin als Dank über das rote Absperrband zu.

Bauwerk soll wochenlang stehenbleiben

Sechs Tonnen Sand und immer wieder Wasser reichen ihnen, um eines der bekanntesten Bauwerke Europas nachzubauen. Klebstoff ist verboten. Bakir nutzt stattdessen eine spezielle Verdichtungstechnik. Dafür wird Sand in Holzkästen schichtweise fest aufeinandergepresst. "Wir nehmen dann von oben nach unten den Holzrahmen ab und arbeiten daran. Da bin ich jedes Mal aufs Neue nervös", sagt der Künstler mit kurdisch-syrischen Wurzeln.

2,2 Meter hoch, 2 Meter breit, 6 Tonnen schwer: Der Kölner Dom aus Sand. / © Moritz Mayer (DR)
2,2 Meter hoch, 2 Meter breit, 6 Tonnen schwer: Der Kölner Dom aus Sand. / © Moritz Mayer ( DR )

Daher bleibt Yosef Bakir trotz seiner 28 Jahre Berufserfahrung skeptisch. "Ich vertraue dem nicht", sagt er und nickt in Richtung seines Doms aus Sand. Zu oft ist in letzter Sekunde etwas schiefgegangen und ein stabil geglaubter Turm doch noch eingestürzt. "Aber wenn er am Ende für fünf Minuten stehen bleibt, dann hält er", so der Sandbaumeister.

Am Montag will Yosef Bakir mit dem Bauprojekt fertig werden. Dann können Besucherinnen und Besucher das Dom-Modell in der "Breite Straße" am Appellhofplatz einen Monat lang bestaunen.

Kölner Dom

Blick auf den Kölner Dom / © BalkansCat (shutterstock)
Blick auf den Kölner Dom / © BalkansCat ( shutterstock )

Der Kölner Dom ist eine der bedeutendsten Kirchen der Welt und die meistbesuchte Sehenswürdigkeit in Deutschland. Das Gotteshaus beherbergt die Reliquien der Heiligen Drei Könige, die Erzbischof Rainald von Dassel 1164 aus Mailand nach Köln brachte.

Der Grundstein für den gotischen Neubau an der Stelle mehrerer Vorgängerkirchen wurde 1248 gelegt; 1322 wurde der Chor geweiht. Mittelschiff, Querhäuser und Seitenschiffe der Kölner Bischofskirche folgten bis 1560. Dann stoppten die Querelen um die Reformation und Geldmangel den Baubetrieb.

Quelle:
DR

Die domradio- und Medienstiftung

Unterstützen Sie lebendigen katholischen Journalismus!

Mit Ihrer Spende können wir christlichen Werten eine Stimme geben, damit sie auch in einer säkulareren Gesellschaft gehört werden können. Neben journalistischen Projekten fördern wir Gottesdienstübertragungen und bauen über unsere Kanäle eine christliche Community auf. Unterstützen Sie DOMRADIO.DE und helfen Sie uns, hochwertigen und lebendigen katholischen Journalismus für alle zugänglich zu machen!

Hier geht es zur Stiftung!