Zwischen frischem Gemüse, koreanischer Kosmetik und Fast Fashion kniet Yosef Bakir vor einem Haufen aus sechs Tonnen Sand. Millimeter für Millimeter schabt er ihn ab. Hat er genug freigelegt, entsteht ein kleines Fenster hier oder ein Torbogen dort. Seit zwei Wochen baut er an seinem Kölner Dom, bzw. seiner kleineren Nachbildung aus Sand. "Ich lebe hier. Der Kölner Dom und ich, wir haben eine besondere Beziehung", sagt der Künstler.
Detailarbeit und Geduld
Den Dom kennt er gut. Seit über 17 Jahren lebt Bakir in Köln und blickt täglich von seinem Atelier aus auf die beiden Türme. Er weiß genau, wie sie am Ende aussehen müssen. Mit kleinen Spachteln und Skalpellen arbeitet er am Nachbau. "Manchmal sind selbst Zahnarzt-Werkzeuge zu grob", erzählt Bakir.
Immer wieder bleiben Passantinnen und Passanten stehen, zücken ihr Handy und machen ein schnelles Foto. "Das ist super gut!" oder "Wie wunderschön!" rufen sie Yosef Bakir und seiner Assistentin als Dank über das rote Absperrband zu.
Bauwerk soll wochenlang stehenbleiben
Sechs Tonnen Sand und immer wieder Wasser reichen ihnen, um eines der bekanntesten Bauwerke Europas nachzubauen. Klebstoff ist verboten. Bakir nutzt stattdessen eine spezielle Verdichtungstechnik. Dafür wird Sand in Holzkästen schichtweise fest aufeinandergepresst. "Wir nehmen dann von oben nach unten den Holzrahmen ab und arbeiten daran. Da bin ich jedes Mal aufs Neue nervös", sagt der Künstler mit kurdisch-syrischen Wurzeln.
Daher bleibt Yosef Bakir trotz seiner 28 Jahre Berufserfahrung skeptisch. "Ich vertraue dem nicht", sagt er und nickt in Richtung seines Doms aus Sand. Zu oft ist in letzter Sekunde etwas schiefgegangen und ein stabil geglaubter Turm doch noch eingestürzt. "Aber wenn er am Ende für fünf Minuten stehen bleibt, dann hält er", so der Sandbaumeister.
Am Montag will Yosef Bakir mit dem Bauprojekt fertig werden. Dann können Besucherinnen und Besucher das Dom-Modell in der "Breite Straße" am Appellhofplatz einen Monat lang bestaunen.