Bistum Essen kürzt ab 2027 massiv Gelder in allen Bereichen

Auch Pfarreien müssen sparen

Viele Pfarreien im Ruhrgebiet werden künftig mit weniger Geld auskommen müssen. Das Bistum Essen hat angekündigt, ab 2027 bis 2038 schrittweise rund 50 Millionen Euro einzusparen. Auch beim Personal will das Bistum sparen.

Essener Dom / © Borisb17 (shutterstock)

Alle finanziellen Zusagen an kirchliche Träger würden auf den Prüfstand gestellt - "einschließlich der Höhe der Zuweisungen an die Pfarreien". Zudem würden Pfarreien weiter zusammengeführt und katholische Trägerorganisationen zu Netzwerken miteinander verbunden.

Keine betriebsbedingten Kündigungen

Auch beim Personal will das Bistum sparen, wobei es laut Mitteilung keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll. Jedoch soll kritisch geprüft werden, ob freie Stellen wiederbesetzt werden. Hier verspricht sich die Diözese bereits in diesem und im kommenden Jahr Einsparungen. Aufgaben sollen gebündelt und Prozesse optimiert werden, um weiter Personalkosten zu senken.

Gottesdienstbesucher im Essener Dom / © Rudolf Wichert (KNA)
Gottesdienstbesucher im Essener Dom / © Rudolf Wichert ( KNA )

Auch die bereits beschlossene Strukturveränderung der Katholischen Erwachsenen- und Familienbildung (KEFB) werde Einsparungen bringen. Das Bistum kündigte an, jeden neuen Aufwand ab sofort nur noch zu tätigen, wenn die Kosten an anderer Stelle ausgeglichen würden.

Einnahmen sinken wegen Mitgliederschwund

Das Bistum Essen verfügt laut aktuellstem Finanzbericht von 2023 über ein Eigenkapital von 354 Millionen Euro. Damals erzielte es einen Gewinn von 63 Millionen Euro – allerdings wegen Einmaleffekten. Zu schaffen machen dem Ruhrbistum laut Mitteilung allgemeine Kostensteigerungen und sinkende Kirchensteuereinnahmen aufgrund des Mitgliederschwunds.

Klaus Pfeffer / © Harald Oppitz (KNA)
Klaus Pfeffer / © Harald Oppitz ( KNA )

Generalvikar Klaus Pfeffer zeichnete ein drastisches Bild. "Es geht dabei nicht mehr darum, mit ein paar Einsparungen die kirchliche Lage zu verbessern, vielmehr müssen wir unsere Kirche ganz neu, und vor allem auch anders, gestalten", sagte er und verwies auf das bereits gestartete Entwicklungsprogramm "Christlich leben. Mittendrin". Die künftigen Einsparungen würden alle Bereiche des Bistums betreffen.

Finanz-Chefin Mechthild Lütke Kleimann betonte, der Engpass sei nicht vorübergehend: "Wir müssen eine dauerhafte strukturelle Unterfinanzierung verhindern."

Situation kommt nicht überraschend

Das 1958 gegründete Bistum Essen umfasst Teile des Ruhrgebiets und des Sauerlands. Rund 620.000 Katholikinnen und Katholiken leben hier. In den Anfangsjahren waren es der Diözese zufolge mehr als doppelt so viele. 

"In den Nachkriegsjahren war in Deutschland die Mitgliedschaft in einer der beiden großen Kirchen noch relativ selbstverständlich, aber seit den 1960er Jahren hat sich dies in einer rasenden Geschwindigkeit völlig verändert", erklärte Generalvikar Pfeffer.

Die jetzige Situation komme nicht überraschend. Deshalb seien bereits Kirchen, Gemeindeheime und andere kirchliche Immobilien aufgegeben worden. Die Diözese habe etwa das Kardinal-Hengsbach-Haus verkauft und die Städte Duisburg und Essen als Partner bei der Finanzierung seiner Schulen gewonnen. 

Das Bistum rechnet auch in den kommenden Jahren mit deutlich geringeren Kirchensteuereinnahmen. In den kommenden Monaten sollen weitere Einsparmaßnahmen erarbeitet werden.

Bistum Essen

Das Bistum Essen ist eines der jüngsten und kleinsten unter den 27 römisch-katholischen Bistümern in Deutschland. Auch in Nordrhein-Westfalen ist es mit 1.877 Quadratkilometern und knapp 680.000 Mitgliedern das kleinste Bistum.

Es wurde am 1. Januar 1958 aus Teilen der (Erz-)Bistümer Köln, Münster und Paderborn errichtet; damals zählte die Diözese noch rund 1,5 Millionen Mitglieder. Heute sind es 638.000 Mitglieder (Stand März 25). 

Blick auf den Essener Dom / © frantic00 (shutterstock)
Quelle:
KNA