Caritas verurteilt russische Angriffe auf ukrainische Stromversorgung

Kälte als Kriegswaffe

In der Ukraine sind laut Caritas so viele Menschen ohne Strom und Heizung wie nie zuvor. Grund dafür ist die Kriegsführung Russlands. Die Hilfsorganisation bietet Heizmaterial und Wärmestuben an, doch sie kann nicht allen helfen.

Häuserblock mit Wohnhäusern in Chmelnyzkyj (Ukraine) / © Francesca Volpi (KNA)
Häuserblock mit Wohnhäusern in Chmelnyzkyj (Ukraine) / © Francesca Volpi ( KNA )

Caritas international hat die russischen Angriffe auf die ukrainische Stromversorgung als völkerrechtswidrig verurteilt. Die "systematische Zerstörung der zivilen Energieinfrastruktur" treffe insbesondere Alte und Kranke, erklärte die Hilfsorganisation am Mittwoch in Freiburg. "Wir erleben, wie Kälte gezielt als Kriegswaffe eingesetzt wird", so die Caritas-international-Mitarbeiterin in Kiew, Hannah Kikwitzki. 

Flagge von Caritas Internationalis auf dem Petersplatz / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Flagge von Caritas Internationalis auf dem Petersplatz / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

In diesem Winter entschieden Wärme und Strom immer öfter über Leben und Tod, so die Sprecherin. Besonders für Alte und chronisch Kranke werde die extreme Kälte schnell lebensbedrohlich. Laut offiziellen Angaben seien mittlerweile mehr als eine Million Menschen ohne Strom, Wasser und Heizung - so viele wie nie zuvor.

Alte können Wohnung nicht verlassen

In vielen Vierteln der ukrainischen Hauptstadt gebe es nur noch wenige Stunden am Tag Strom, so Caritas international. Familien schliefen in mehreren Kleidungsschichten. Senioren harrten tagelang in unbeheizten Wohnungen in Hochhäusern aus, in denen der Fahrstuhl wegen der Stromausfälle nicht funktionierte Die niedrigen Temperaturen bis minus 20 Grad Celsius brächten viele in Lebensgefahr.

Ukraine im Winter / © Evgeniy Maloletka (dpa)
Ukraine im Winter / © Evgeniy Maloletka ( dpa )

"Kälte, zerstörte Häuser und unterbrochene Versorgungswege verschärfen die ohnehin dramatische Lage massiv. Für Tausende ist der Winter inzwischen ebenso gefährlich wie der Alltag unter Beschuss", so Kikwitzki.

Hilfen reichen nicht für alle

Sie berichtete, viele der landesweit 70 Caritas-Zentren seien zu Schutz- und Wärmepunkten geworden. Auch würden Brennstoffe und Heizmaterial sowie Schlafsäcke und warme Kleidung ausgegeben. Mit Unterstützung aus Mitteln der Bundesregierung könnten auch Bargeldhilfen verteilt werden. 

Der Bedarf übersteige bei weitem die Mittel, sagte Kikwitzki. "Wir müssen täglich entscheiden, wer am dringendsten Hilfe benötigt. Das ist eine der schwersten Entscheidungen für unsere Teams vor Ort."

Quelle:
KNA