Zwölf Tipps für Gottvertrauen und Ruhe im Alltag

Probleme abends an Gott übergeben

Schlechte Nachrichten, Politikfrust oder Kirchenzweifel. Viele Menschen fühlen sich ohnmächtig. Doch Gottvertrauen kann tragen. Vom Abendgebet bis zur geistlichen Begleitung: Zwölf Tipps, wie man Vertrauen lernt und zur Ruhe kommt.

Symbolbild Eine Frau meditiert / © PeopleImages.com - Yuri A (shutterstock)
Symbolbild Eine Frau meditiert / © PeopleImages.com - Yuri A ( shutterstock )

Die schlechten Nachrichten sorgen bei vielen für Resignation und Ohnmachtsgefühle. In die Politik haben viele ihren Glauben verloren, in die Kirche sowieso. Dabei könnte gerade in diesen turbulenten Zeiten ein wenig Gottvertrauen helfen. Aber wie bekommt man das? Und kann man das lernen?

"So tun als ob"

Zu dieser Haltung rät der Benediktiner Anselm Grün. "Ich sage mir etwa den Psalmvers vor: 'Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.' Ich brauche daran nicht zu glauben. Aber ich sage mir: Wenn das stimmt, wie fühle ich mich dann, wie geht es mir dann? Und vielleicht weckt dieses Wort in mir die Sehnsucht danach, dass es stimmt. Dann kann ich versuchen, eine Zeit lang mit diesem Wort zu leben, so dass ich mit dem Vertrauen in mir in Berührung komme."

Klein anfangen

Gottvertrauen können schon Kinder lernen, etwa durch ein gemeinsames Abendgebet mit den Eltern. Sie können sagen, was ihnen auf dem Herzen liegt, auf den Tag mit allem Schönen und weniger Schönen zurückblicken. Die Eltern können dann Gott um seinen Segen für die Nacht und den kommenden Tag bitten.

Gut in den Tag starten

Statt sich gleich morgens schon von negativen Nachrichten runterziehen zu lassen, empfiehlt die Geistliche Begleiterin Marita Thenée, den Tag mit einer kurzen stillen Zeit, einer Achtsamkeitsübung oder einer bewusst genossenen Tasse Kaffee zu beginnen: "Ich kann dabei spüren, dass der neue Tag, mein Atem, eine erholsame Nachtruhe Geschenke an mich sind, für die ich dankbar sein kann." Schon diese wenigen Minuten schenkten mehr Gelassenheit und Zuversicht für den weiteren Tag.

Das Zugspitz-Gipfelkreuz strahlt in den frühen Morgenstunden in der aufgehenden Sonne über den Bergen (Aufnahme mit Drohne) / © Peter Kneffel (dpa)
Das Zugspitz-Gipfelkreuz strahlt in den frühen Morgenstunden in der aufgehenden Sonne über den Bergen (Aufnahme mit Drohne) / © Peter Kneffel ( dpa )

Haltung der Dankbarkeit

Luft zum Atmen, ein warmes Bett, das Vogelgezwitscher am Morgen – all das ist nicht selbstverständlich. Einer, dem die Dankbarkeit als Lebenshaltung sehr wichtig ist, ist der Benediktinermönch und Zen-Meister David Steindl-Rast, der in diesem Jahr 100 Jahre alt wird. In seinen umfangreichen Publikationen geht es um Dankbarkeit und die Achtsamkeit des Herzens - Anregungen für Menschen, die wieder mehr auf Tuchfühlung mit Gott gehen möchten.

Abendgebet

Ob Ärger auf der Arbeit, Angst vor einer Diagnose oder Sorge um die Weltpolitik – vieles kann dafür sorgen, dass man abends nicht in den Schlaf findet. Es kann entlasten, nicht alles selbst regeln zu müssen und Unerledigtes und Probleme Gott zu übergeben.

Mond und Sternenhimmel / © vovan (shutterstock)

Zukunftsängste loslassen

Im Abendgebet geht es laut Anselm Grün nicht darum, Gott zu bitten, alle Sorgen und Zukunftsängste einfach wegzunehmen. "Gott ist kein Zauberer, der mir die Angst wegzaubert. Aber wenn ich meine Sorgen und Ängste Gott hinhalte und mir vorstelle, dass seine Liebe da hineinströmt, dann verlieren die Ängste ihre Macht über mich."

Einschlafen in Gottes Hand

Der Ordensmann regt zu einer Meditation an: "Ich lege mich aufs Bett und stelle mir vor: Ich liege nicht nur auf dem Bett, sondern in Gottes Hand, in der ich geborgen bin, in der ich einfach sein darf, wie ich bin. Das kann mich auch mit meiner Sehnsucht in Berührung kommen, dass das stimmt. Viele können Gott nicht spüren und auch das Gottvertrauen nicht. Aber sie sehnen sich danach. Und in der Sehnsucht nach Vertrauen ist schon Vertrauen. Die Sehnsucht ist die Spur, die Gott in unser Herz gegraben hat. So können wir eine Spur Gottes in uns spüren."

Angebote von Kirchengemeinden

Ob Sonntagsmesse, Gesprächsabende, Bibelkreise oder sogenannte Exerzitien im Alltag – in jeder Kirchengemeinde gibt es Möglichkeiten, sich gemeinsam mit anderen auf die Suche nach Gott zu machen und auszutauschen. Es sind noch Plätze frei.

Hände halten ein Teelicht beim Nightfever Abendgebet (KNA)
Hände halten ein Teelicht beim Nightfever Abendgebet / ( KNA )

Mal wieder in die Bibel schauen

Altes und Neues Testament sind voll von stärkenden Geschichten und Gedanken. Für den Einstieg eignen sich die Psalmen. "Du hältst mich hinten und vorn umschlossen und hast Deine Hand auf mich gelegt", heißt es etwa in Psalm 139,5. Auch Psalm 91,11 schenkt Gottvertrauen: "Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen".

Besinnungstage

Viele Klöster und kirchliche Bildungshäuser bieten ein vielseitiges Programm rund um den Glauben und die Sinnsuche an.

Menschen "mit gutem Draht nach oben" treffen

Eine Ordensfrau, der Pfarrer, aber auch eine gläubige Arbeitskollegin oder ein selbstloser Nachbar – oft sind es authentische Menschen, die Gottvertrauen konkret vorleben. Man kann sich von solchen Menschen im Glauben inspirieren lassen.

Geistliche Begleitung

Lebensberatung, Supervision und Coaching sind in unsicheren Zeiten gefragt wie nie. Die katholische Kirche bietet eine besondere Form der Unterstützung an: die Geistliche Begleitung. Dieses kostenlose Angebot der Einzelseelsorge kann helfen, Gott im eigenen Leben auf die Spur zu kommen und die Gottesbeziehung zu vertiefen. Dafür muss man weder besonders bibelfest noch Mitglied in der Kirche sein. 

Geistliche Begleiter haben eine qualifizierte und zertifizierte Ausbildung. Man findet sie über die Gemeinschaft Christlichen Lebens (GCL), und auch Exerzitienreferate der Diözesen können Adressen von Geistlichen Begleitern nennen.Schlechte Nachrichten, Politikfrust, Kirchenzweifel: Viele Menschen fühlen sich ohnmächtig. Doch Gottvertrauen kann tragen. Vom Abendgebet bis zur geistlichen Begleitung – wie man Vertrauen lernt und zur Ruhe kommt.

Quelle:
KNA