Hunderte europäische Rabbiner treffen sich in Jerusalem

"Israel als unverzichtbarer Bezugspunkt"

Aus Sicherheitsgründen hatte die Europäische Rabbinerkonferenz ihre für November in Aserbaidschan geplante 33. Generalversammlung kurzfristig abgesagt. Nun wird sie in Jerusalem nachgeholt. Das Gremium begeht sein 70-jähriges Bestehen.

Autor/in:
Leticia Witte
Ein Rabbiner geht durch eine Gasse in der Altstadt von Jerusalem / © Jean-Matthieu Gautier (KNA)
Ein Rabbiner geht durch eine Gasse in der Altstadt von Jerusalem / © Jean-Matthieu Gautier ( KNA )

Von Montag bis Mittwoch werden dort rund 400 Rabbiner und deren Ehefrauen, religiöse Führungspersönlichkeiten, Vertreter jüdischer Gemeinden sowie politische Repräsentanten aus Europa, Israel und den USA erwartet, wie die orthodox geprägte Rabbinerkonferenz (CER) am Sonntag in München mitteilte.

Die Generalversammlung diene als zentrale Plattform für den Austausch über die drängendsten Herausforderungen jüdischen Lebens in Europa und weltweit, hieß es. Im Mittelpunkt stünden vor allem die Bekämpfung des zunehmenden Antisemitismus, die Sicherheit jüdischer Gemeinden und die Stärkung des interreligiösen Dialogs. Teile der Tagung sind laut Ankündigung an der Jerusalemer Klagemauer geplant.

Bedrohungen durch Iran

"Wir leben in einer Zeit tiefgreifender politischer, gesellschaftlicher und religiöser Unsicherheiten. Israel nimmt dabei eine zentrale Rolle für Jüdinnen und Juden weltweit ein, nicht nur als historische und spirituelle Heimat, sondern auch als Schutzmacht für die Werte, die unsere Gemeinschaften tragen: Freiheit, Sicherheit und Identität", erklärte CER-Präsident Pinchas Goldschmidt.

Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, diesjähriger Karlspreisträger, steht auf der Bühne in der Aula der Hochschulverwaltung der RWTH Aachen. Am Vortag der Verleihung spricht der diesjährige Karlspreisträger zu Studierenden. / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, diesjähriger Karlspreisträger, steht auf der Bühne in der Aula der Hochschulverwaltung der RWTH Aachen. Am Vortag der Verleihung spricht der diesjährige Karlspreisträger zu Studierenden. / © Rolf Vennenbernd ( dpa )

Wegen "konkreter Bedrohungen durch das Terrorregime im Iran" habe sich die CER gezwungen gesehen, ihre für November in Baku geplante Generalversammlung zu verlegen, erklärte Goldschmidt. Er sprach von brutaler Repression, die sich im Iran gegen eine Bevölkerung richte, die nichts anderes als grundlegende Menschenrechte und Würde fordere. 

Die Rabbiner forderten Staaten auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, "um die unterdrückte iranische Bevölkerung zu unterstützen und diesem blutigen Regime ein Ende zu setzen". Dieses missbrauche und entweihe den Namen Gottes.

Herausforderungen in Europa

Mit Blick auf Europa nannte Goldschmidt wachsende Herausforderungen für jüdisches Leben: "Angesichts des besorgniserregenden Erstarkens rechtsextremer Parteien in Europa, des zunehmenden Antisemitismus vonseiten der extremen Linken sowie islamistischer Extremisten erweist sich Israel als unverzichtbarer Bezugspunkt für unseren Zusammenhalt."

Die CER vertritt als Europäisches Rabbinat nach eigenen Angaben rund 1.000 Mitglieder und 800 aktive Rabbiner. Sie wurde 1956 in Großbritannien gegründet, mittlerweile hat sie ihren Hauptsitz in München. CER-Präsident ist der ehemalige Oberrabbiner von Moskau, Pinchas Goldschmidt, der auch Träger des Internationalen Aachener Karlspreises ist.

Die CER tritt für die religiösen Rechte von Jüdinnen und Juden in Europa ein. Sie engagiert sich für Religionsfreiheit und den interreligiösen Dialog. Das Ziel ist demnach, einer Radikalisierung in Politik und Gesellschaft entgegenzutreten, Antisemitismus und politisch sowie religiös motivierten Extremismus besser zu bekämpfen und die Sicherheit der Religionsgemeinschaften zu erhöhen.

Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER)

Die Konferenz der europäischen Rabbiner (CER) ist die primäre orthodoxe rabbinische Allianz in Europa. Es vereint mehr als 700 religiöse Führer der Mainstream-Synagogengemeinschaften in Europa. Es wurde 1956 auf Initiative des britischen Oberrabans Sir Israel Brodie gegründet, um die besiegten jüdischen Gemeinden auf dem europäischen Festland wiederzubeleben. Brodie wurde von dem Oberrabbiner von Frankreich, Jacob Kaplan, dem Oberrabbiner von Amsterdam, Aharon Schuster und dem britischen sephardischen spirituellen Führer Hacham Gaon unterstützt.

Rabbiner in einer Jüdischen Synagoge / © Axel Heimken (dpa)
Rabbiner in einer Jüdischen Synagoge / © Axel Heimken ( dpa )
Quelle:
KNA