Prominenter Jesuit verlässt Orden in Chile

Konflikt um Missbrauch

Wegen mutmaßlicher sexueller Gewalt wurde ein chilenischer Jesuit aus dem Orden ausgeschlossen. Der Vatikan hob den Rausschmiss auf, die Jesuiten überzeugte das jedoch nicht. Nun will der Jesuit Felipe Berrios Konsequenzen ziehen.

Symbolbild Jesuiten / © Severina Bartonitschek (KNA)
Symbolbild Jesuiten / © Severina Bartonitschek ( KNA )

Nach jahrelangen Auseinandersetzungen um mutmaßliche Missbrauchstaten hat der prominente chilenische Jesuit Felipe Berrios (69) angekündigt, den Orden zu verlassen. 

Wie das US-Portal "Crux" am Mittwoch berichtet, habe Berrios in einem Brief den Ordensprovinzial über diesen Schritt in Kenntnis gesetzt. Demnach beklagt sich Berrios in dem Schreiben über seine Behandlung durch die Ordensleitung. Nun wolle er mit dem Erzbischof der nordchilenischen Stadt Antofagasta, wo er aktuell für eine soziale Organisation arbeite, über eine mögliche Aufnahme in den dortigen Klerus sprechen. 

2024 hatten die Jesuiten Barrios zunächst nach einer kirchenrechtlichen Untersuchung aus dem Orden ausgeschlossen und ihm jeglichen priesterlichen Dienst untersagt. Grund waren Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens gegenüber Mädchen und jungen Frauen, die nach Bekanntwerden 2022 zu einer vorübergehenden Suspendierung des Geistlichen führten. 

Berrios selbst hatte eine Untersuchung durch die chilenische Justiz beantragt, die seine Unschuld beweisen sollte. Im staatlichen Verfahren wurde er schließlich vollständig freigesprochen, woraufhin er beim vatikanischen Dikasterium für Glaubenslehre eine Überprüfung seines Ausschlusses aus dem Orden ersuchte. Im Dezember 2025 hob das Glaubensdikasterium den Ausschluss endgültig auf.

Orden weiter von Schuld überzeugt

Die Jesuiten in Chile sind allerdings weiterhin überzeugt, dass Berrios schuldig sei. "Auch wenn in bestimmten Fällen die vom kanonischen Verfahren geforderte moralische Gewissheit in Bezug auf einige der Tatsachen nicht erreicht wurde, wurde dennoch ein Verhalten festgestellt, das Grenzen überschritten und Schaden verursacht hat, was wir zutiefst bedauern", heißt es in einer Erklärung. Zudem hält der Orden einige Sanktionen gegen Berrios aufrecht. Vertreter von Missbrauchsbetroffenen halten die Anschuldigungen gegen den Geistlichen ebenfalls für plausibel. 

Felipe Berrios zählt zu den bekanntesten Geistlichen in Chile. Er gründete zahlreiche soziale Nichtregierungsorganisationen in Chile, zudem arbeitete er etwa in Burundi und im Kongo. Vor Bekanntwerden der Vorwürfe hatte 2022 die damals neue Regierung des linksgerichteten Präsidenten Gabriel Boric dem Geistlichen angeboten, eine Führungsrolle bei Projekten für den sozialen Wohnungsbau im zuständigen Ministerium zu übernehmen. Während ihm sein Orden grünes Licht gab, verzichtete Berrios aber auf den Posten.

Die katholische Kirche in Chile

Bei 18 Millionen Einwohnern sind in Chile rund 74 Prozent der Bevölkerung katholisch. Allerdings gibt es eine zunehmende Konkurrenz durch Sekten und Nachwuchsprobleme. Auf einen Priester kommen 5838 Katholiken. Insgesamt gibt es 960 Gemeinden.

Das Land ist nach der dunklen Ära der Pinochet-Diktatur eines der demokratisch stabilsten in Südamerika, kaum ein Land hat so viele Freihandelsabkommen. Aber die starke Kluft zwischen Arm und Reich und der Widerstand der Ureinwohner der Mapuche sind auch für die Kirche große Herausforderungen, die hier als sehr konservativ gilt.

Fassade der Apostolischen Nuntiatur in der chilenischen Hauptstadt. / © Leonardo Rubilar (dpa)
Fassade der Apostolischen Nuntiatur in der chilenischen Hauptstadt. / © Leonardo Rubilar ( dpa )
Quelle:
KNA