Nuntius warnt vor Gleichsetzung von Kritik mit Antisemitismus

"Alle Menschen stammen aus der Hand Gottes"

Der päpstliche Botschafter im Heiligen Land, Erzbischof Adolfo Tito Yllana, warnt vor einer Verwechslung zwischen Antisemitismus und berechtigter Kritik. Für erstere gebe es keinen Platz, letztere müsse möglich sein.

Blick auf die Altstadt von Jerusalem / © JekLi (shutterstock)
Blick auf die Altstadt von Jerusalem / © JekLi ( shutterstock )

Der Apostolische Nuntius im Heiligen Land, Erzbischof Adolfo Tito Yllana, hat jeder Form von Antisemitismus eine klare Absage erteilt. "Er hat keinen Platz. Alle Menschen stammen aus der Hand Gottes und besitzen eine Würde, die immer verteidigt werden muss", sagte er am Dienstag bei einem Treffen mit einer internationalen Bischofsgruppe im Lateinischen Patriarchat von Jerusalem. Berechtigte Kritik an politischen Autoritäten müsse jedoch möglich sein. 

Erzbischof Adolfo Tito Yllana, Botschafter des Heiligen Stuhls für Israel / © Andrea Krogmann (KNA)
Erzbischof Adolfo Tito Yllana, Botschafter des Heiligen Stuhls für Israel / © Andrea Krogmann ( KNA )

Wenn man politische oder institutionelle Entscheidungen infrage stelle, bedeute dies nicht, dass man ein Volk angreife. "Oft wird jedoch jede Kritik als Angriff auf die Menschen interpretiert, was zu Missverständnissen und unbegründeten Anschuldigungen führt", warnte Yllana. Gleichzeitig mahnte er bei Kritik zu Klarheit und Vorsicht, da "manchmal Angst und Propaganda eine Rolle" spielten. 

Antichristliche Feindseligkeiten 

Der päpstliche Gesandte, der seit vier Jahren für das Heilige Land zuständig ist, beklagte "offensichtliche, offene und erklärte Manifestationen antichristlicher Feindseligkeit", die eine weit verbreitete Realität in einigen Teilen des Heiligen Landes seien, vor allem in Jerusalem. Als positiv bezeichnete er, dass zahlreiche Juden sich um die Dokumentation und Anzeige solcher Vorfälle bemühten. "Es gibt eine echte, konkrete Zusammenarbeit zwischen verantwortungsbewussten und sensiblen Christen und Juden, das ist ein wichtiges Zeichen", so Yllana. 

In der von großen Unterschieden geprägten pluralistischen Gesellschaft im Heiligen Land sei die christliche Präsenz von Bedeutung, weil Christen eine Brückenfunktion und Vermittlerrolle einnehmen könnten. Obwohl eine kleine Minderheit, versuchten Christen immer, den Dialog und das Verständnis zum Wohle aller zu fördern. Ein Beispiel für das christliche Engagement sind nach Worten des Nuntius die christlichen Institutionen, darunter Schulen und soziale Einrichtungen. 

Solidarität seit 1998 

Dreizehn aktive und emeritierte Bischöfe aus verschiedenen Ländern Europas, aus Kanada und den USA halten sich noch bis Mittwoch zum 25. Solidaritätsbesuch im Heiligen Land auf. Aus Deutschland nimmt die Vorsitzende der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz, an dem Treffen teil.

Udo Markus Bentz, Erzbischof von Paderborn, beim Besuch des Sankt James-Vikariates für die hebräischsprachigen Katholiken in Israel / © Andrea Krogmann (KNA)
Udo Markus Bentz, Erzbischof von Paderborn, beim Besuch des Sankt James-Vikariates für die hebräischsprachigen Katholiken in Israel / © Andrea Krogmann ( KNA )

Die Bischofstreffen finden seit 1998 jeweils im Januar im Auftrag des Heiligen Stuhls und auf Einladung der katholischen Bischöfe des Heiligen Landes statt. Sie sollen "Christen und Kirchen im Heiligen Land in ihrem Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Verständigung zwischen den Völkern und Religionsgemeinschaften" stärken und die Verbindung der Weltkirche mit ihnen festigen.

Christen im Heiligen Land

Die Christen sind im Heiligen Land eine kleine Minderheit. Genaue Zahlen sind schwer zu benennen, auch angesichts des Wegzugs vieler Christen in den vergangenen Jahren. In Israel sind es rund zwei Prozent von rund 8,7 Millionen Bürgern; viele von ihnen sind Araber.

Ordensschwestern in Jerusalem / © Andrea Krogmann (KNA)
Ordensschwestern in Jerusalem / © Andrea Krogmann ( KNA )
Quelle:
KNA