Besonders für jüngere und ältere Menschen wird bezahlbares Wohnen laut einer neuen Studie zunehmend schwieriger. Aktuell fehlen demnach 1,4 Millionen Wohnungen in Deutschland, wie aus dem "Sozialen Wohn-Monitor" hervorgeht, den das Pestel-Institut am Donnerstag in Berlin zusammen mit dem Bündnis "Soziales Wohnen" vorstellte. Dabei handele es sich um bezahlbare Wohnungen sowie größtenteils Sozialwohnungen.
Die Organisationen warnten vor einem "Sozialdrama" am Wohnungsmarkt. Jüngere und Ältere seien "die Verlierer". Aber auch Menschen mit Behinderungen haben demnach besonders große Probleme, eine bezahlbare Wohnung zu finden.
"Ausbildungsverträge kommen nicht zustande, weil Jugendliche keine Wohnung finden. Und Studierende müssen im Schnitt 53 Prozent des Geldes, das sie im Monat zur Verfügung haben, fürs Wohnen ausgeben", sagte Studienleiter Matthias Günther. Das Bündnis "Soziales Wohnen" fordert deshalb eine gezielte Förderung für den Neubau von Wohnungen in Städten mit Universitäten und Ausbildungszentren. Zusätzlich seien steuerliche Anreize für Unternehmen notwendig, die Azubi-Wohnungen bauten.
"Stadtvertreibung Älterer" durch Wohnungsnot
Bei den Älteren trifft es laut Studie immer mehr Babyboomer: Sie würden in den kommenden Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden, viele allerdings nur mit einer kleinen Rente, von der sie sich die bisherige Wohnung nicht mehr leisten könnten.
Dies mache mitunter erzwungene Umzüge notwendig und sei nichts anderes als die "Stadtvertreibung Älterer" durch Wohnungsnot, hieß es. Dieses Phänomen sei weit über Hamburg und München hinaus verbreitet und werde immer häufiger zum Problem von Seniorenhaushalten.
Zudem stellt der "Soziale Wohn-Monitor" bei Menschen mit Behinderungen eine "Ausgrenzung auf dem Wohnungsmarkt" fest. Um gegenzusteuern, seien etwa Quoten bei der Vergabe von Sozialwohnungen an Menschen mit körperlichen und psychischen Behinderungen notwendig. Vorübergehend sollten diese beim Auswahlverfahren sogar bevorzugt werden.
"Auch anderen Menschen, die auf den meisten Wohnungsmärkten so gut wie chancenlos sind, würde das helfen - zum Beispiel Menschen mit Suchtproblemen", forderte das Bündnis "Soziales Wohnen". Zu ihm gehören der Deutsche Mieterbund, die Industriegewerkschaft BAU, die Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie sowie Akteure der Bauwirtschaft.