Russischer Geheimdienst beschimpft Patriarch Bartholomaios I.

"Antichrist von Konstantinopel"

Der Kreml ergreift im Ausland oft Partei für die russisch-orthodoxe Kirche. Jetzt geht der russische Geheimdienst einen Schritt weiter und verunglimpft das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie auf beispiellose Weise.

Bartholomaios I., griechisch-orthodoxer Patriarch von Konstantinopel und Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie / © episkopat.pl (KNA)
Bartholomaios I., griechisch-orthodoxer Patriarch von Konstantinopel und Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie / © episkopat.pl ( KNA )

Im Streit über die orthodoxe Kirche haben sich der russische Auslandsgeheimdienst und das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel ein heftiges Wortgefecht geliefert. 

Der Geheimdienst bezeichnete das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. von Konstantinopel, als "Teufel in Menschengestalt" (wörtlich: "Teufel im Fleisch") und als "Antichristen".

Die Pressestelle des Patriarchen entgegnete darauf am Dienstag in Istanbul: "Die fantasievollen Szenarien, die falschen Nachrichten, die Beschimpfungen und die erfundenen Informationen aller Art von Propagandisten entmutigen das Ökumenische Patriarchat nicht, seine geistliche Tätigkeit und seine ökumenische Mission fortzusetzen."

Der russische Geheimdienst warf Bartholomaios vor, die orthodoxe Kirche zu spalten. Nach der Ukraine habe er "sein schwarzes Auge auf die baltischen Länder gerichtet". Der Kirchenmann sei besessen von der Idee, die russische Orthodoxie aus dem Baltikum zu verdrängen, behauptet der Moskauer Auslandsgeheimdienst. Dabei werde er von "britischen Geheimdiensten auf jede Art und Weise unterstützt".

Schmäh-Attacke aus Moskau

Ohne entsprechende Beweise vorzulegen, attackiert der Geheimdienst weiter: "Der aggressive Appetit des 'Antichristen von Konstantinopel' beschränkt sich nicht auf die Ukraine und das Baltikum, sondern breitet sich mit seiner Hinterhältigkeit nach und nach auch auf die Länder Osteuropas aus." Bartholomaios wolle der serbisch-orthodoxen Kirche einen Schlag versetzen. Er beabsichtige, der orthodoxen Kirche Montenegros die Autokephalie zu gewähren, also den höchsten Status der Eigenständigkeit.

Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel reagierte relativ diplomatisch. Als Mutterkirche der russischen Orthodoxie bedauere man "den erneuten russischen Angriff" auf Bartholomaios l. zutiefst. Das Patriarchat vermeide seit 2018, Attacken von kirchlichen oder politischen Stellen in Russland zu kommentieren. Daran halte man auch jetzt fest.

Langjähriger Konflikt

Russlands orthodoxe Kirche zählt mit Ausnahme Georgiens und Armeniens alle Staaten, die einst zur Sowjetunion gehörten, zu ihrem sogenannten kanonischen Territorium. Auch der Kreml spricht daher der Ukraine, Estland, Lettland und Litauen das Recht ab, eine von Moskau unabhängige Kirche zu gründen.

Bartholomaios I. hatte 2018 die Entstehung einer eigenständigen Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) unterstützt und dieser im Januar 2019 die Autokephalie verliehen. Die russisch-orthodoxe Kirche hatte daher schon im Vorfeld einseitig alle Kontakte zum Patriarchat von Konstantinopel abgebrochen und die eucharistische Gemeinschaft mit diesem beendet.

Ökumenisches Patriarchat von Konstantinopel

Das Ökumenische Patriarchat in Istanbul ist geistliches Zentrum der orthodoxen Christenheit und repräsentiert rund 220 bis 300 Millionen Christen in aller Welt. Der Überlieferung zufolge gründete der Apostel Andreas den Bischofssitz von Byzantion, dem heutigen Istanbul. Die Residenz des Patriarchats wird nach dem Stadtviertel, in dem sie sich befindet, kurz Phanar (Fener) genannt.

Blick auf Istanbul mit dem Galataturm (m.) / © Hassan Jamal (KNA)
Blick auf Istanbul mit dem Galataturm (m.) / © Hassan Jamal ( KNA )
Quelle:
KNA