Theologe erwartet vom Papst Orientierung für Kirche im Epochenwandel

Ein Papst mit politischem Anspruch

Ethik statt Rückzug lautet die Losung. Papst Leo XIV. fordert mehr christliche Verantwortungsübernahme in der Politik, sagt Franz-Josef Bormann. Der Tübinger Theologe erkennt bei Papst Leo schon jetzt neue Akzente.

Papst Leo XIV. / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

In einem am Montag veröffentlichten Gastbeitrag in der Zeitschrift "Communio" (online) erklärte der Tübinger Moraltheologe, der Papst habe in einer aktuellen Ansprache "ein hohes Maß an zeitdiagnostischer Schärfe" bewiesen und "eine Vielzahl konstruktiver Hinweise auf mögliche Problemlösungen" gegeben.

Franz-Josef Bormann / © Daniel Pilar (KNA)
Franz-Josef Bormann / © Daniel Pilar ( KNA )

Bormann analysierte die Ansprache des Papstes beim Neujahrsempfang für die Mitglieder des beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomatischen Korps. Darin habe Leo XIV. dazu ermutigt, im aktuellen "Epochenwandel" die christliche Ethik, die von der Heiligen Schrift inspiriert sei, "auf die weltliche Regierung anzuwenden", anstatt sich von der Welt der Politik abzukapseln. 

Es sei wichtig, sich aus der Kraft des christlichen Glaubens heraus Falschdarstellungen der Geschichte, übertriebenem Nationalismus und einer "Verzerrung des Ideals eines Staatsmanns" entgegenzustellen.

Familie als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Leo XIV. kritisiere den Bruch des Gewaltverbots auf internationaler Ebene und die schwindende Bedeutung des Völkerrechts. Aus Bormanns Sicht bleiben die päpstlichen Aussagen zur Konfliktlösung allerdings "noch relativ vage" und seine Warnungen vor einem drohenden atomaren Wettrüsten unzureichend. 

Der Theologe fasst zusammen, der Papst kritisiere eine Einschränkung der Meinungsfreiheit im Westen, eine bedenkliche Lage beim Thema Gewissens- und Religionsfreiheit und die Christenverfolgung als "eine der größten menschenrechtlichen Krisen unserer Zeit".

Laut Bormann rückt Leo XIV. mit Blick auf die Bedeutung der Familien einen anderen Aspekt in den Mittelpunkt als seine Vorgänger im Papstamt: Er erinnere alle politischen Akteure an die "grundlegende ethische Verpflichtung", "Familien in die Lage zu versetzen, werdendes Leben anzunehmen und sich umfassend um es zu kümmern". 

Der Theologe ordnet diese Positionierung wie folgt ein: "Statt also die geordnete Reproduktion zur Privatsache der Schwangeren zu erklären und die betroffenen Ärzte als 'Auftragsmörder' zu diffamieren, geht es hier um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die auch weitreichende sozial- und familienpolitische Implikationen hat."

Robert Francis Prevost (Papst Leo XIV.)

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Robert Francis Prevost gilt als ein Kardinal der Mitte. Obwohl US-Amerikaner ist der Ordensmann in Rom, der Kurie und der Weltkirche zu Hause. Zuletzt leitete der 69-Jährige die Vatikanbehörde für Bischöfe, quasi die Personalabteilung der katholischen Weltkirche. In dieser Funktion war Prevost in den vergangenen zwei Jahren zuständig für einen Großteil der Bischofsernennungen weltweit.

Papst Leo XIV / ©  Andrew Medichini/AP (dpa)
Papst Leo XIV / © Andrew Medichini/AP ( dpa )
Quelle:
KNA